Basel

Wie die Gotthelf-Primarschule ihre Erstklässler empfing

Von Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 13.08.2012 11 Kommentare

Bei freundlichem Wetter klingelte an der Primarschule am Gotthelfplatz für 108 Kinder zum ersten Mal die Glocke: Wie die ABC-Schützen in ihren neuen Lebensabschnitt starteten.

1/11 Die Kleinen werden von den Viertklässlern mit einem fröhlichen Lied begrüsst.
Bild: Lukas Bertschmann

   

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Für 108 Kinder der Gotthelf-Primarschule begann heute der Ernst des Lebens: der erste Schultag. Schon eine halbe Stunde vor Beginn sind zahlreiche Kinder mit ihren Eltern auf dem grossen Pausenplatz vor dem altehrwürdigen Gotthelfschulhaus. Viele nutzen die verbleibenden Momente, um Erinnerungen für das Familienalbum zu knipsen oder sich mit anderen Eltern auszutauschen. Die Viertklässler üben in der Zwischenzeit in der Aula noch ein letztes Mal die Lieder ein, mit denen sie die Neuen in wenigen Minuten begrüssen werden.

Gegen halb 9 Uhr versammelten sich die Kinder mit ihrem Eltern, Gotten, Tanten und jüngeren Geschwistern langsam in einem grossen Halbkreis vor dem mit Blumen geschmückten Eingang. Ihnen gegenüber finden sich nun die vier vierten Klassen ebenfalls in einem grossen Halbkreis ein. Es wird still – die Brise, die durch die alten Bäume auf dem Hof rauscht, ist zu hören.

«Buenas dias, bon jour und welcome!»

Dann, um punkt halb 9 Uhr, ertönt ein Signal und der Schülerchor stimmt ein Begrüssungslied an: «Buenas dias, bonjour und welcome!» Auch Schulleiter Martin Meier heisst alle Versammelten herzlich willkommen: «In einem Blumenstrauss ist jede einzelne Blume wichtig und jede ist anders. Sogar Zwillinge sind nicht gleich», und bittet Lea und Nil nach vorne. Die beiden Erstklässler lassen die Hände ihrer Mutter los und gehen etwas scheu zum Schulleiter, der ihnen eine Blume für ihre Eltern überreicht. Nachdem auch die beiden Mitarbeiterinnen des Sekretariats und das zweiköpfige Hauswartungs-Team im Plenum vorgestellt sind, ruft Meier die Namen jedes neuen ABC-Schützen der fünf ersten Klassen auf: Sie werden von ihren Klassenlehrern, mehrheitlich Lehrerinnen, in Empfang genommen. «Ihr kommt aber schon auch mit hinein?», fragt ein Mädchen besorgt ihre Eltern. Andere Kinder rennen ihren neuen Klassenkameraden entgegen und lassen die Eltern zurück.

Klassenlehrerin Monika Mory begrüsst ihre neuen Schützlinge bereits alle mit Namen und stellt sich kurz den Eltern vor. Sie teilt ihre 22 Schüler der 1C in die Gruppen «Elche» und «Trolle» ein. «Wer weiss, was ein Elch ist?», fragt sie in Schriftdeutsch. Wenn man etwas weiss, dann die Hand in die Höhe halten – das kennen die Kinder bereits und so schnellen einige Hände nach oben. Nach einigen Erklärungen erhalten die Kleinen ihre erste Aufgabe: Im Klassenzimmer den eigenen Platz mit dem Namensschildchen finden, hinsetzen und das Etui auspacken.

Grundsteine im Kindergarten

«Die Kinder kommen gut vorbereitet aus den zwei Jahren Kindergarten. Sie kennen bereits die wichtigen Spielregeln des Miteinanders, können ihren Namen schreiben und dessen Schriftbild erkennen», sagt Co-Schulleiterin Claudia Stern. Es sei kein Problem, dass gewisse Erstklässler bereits etwas Schreiben und Rechnen können, während andere absolute Einsteiger sind: «Die neuen Lehrmittel lassen genügend Spielraum, die Kinder bedarfsgerecht zu fördern.»

Auch für sie beginnt heute ein neuer Abschnitt: Zum ersten Mal empfängt sie selbst keine Klasse. Sie bildet seit dem 1. August zusammen mit Philip Kaeser und Martin Meier das Dreier-Schulleitungs-Team der Gotthelf Primarschule. Sie vermisse das Leuchten der Kinderaugen schon etwas, doch sie freut sich auch auf ihre neuen Aufgaben im Betreuen der Lehrpersonen und im Qualitätsmanagment der Schule. «Es reizt mich, in dieser Zeit voller Umbrüche aktiv mitwirken zu können», umschreibt sie ihre Motivation für den Schritt.

«Das neue Schuljahr hat sehr gut begonnen», freut sich Co-Schulleiterin Claudia Stern. So viel sie wisse, seien alle erschienen und es habe keine Tränen gegeben im Moment, als die Eltern ihre Sprösslinge verliessen und der Obhut der Lehrpersonen überliessen. Sie zeigte sich auch froh, dass praktisch alle Anmeldungen an das neue Tagesstruktur-Angebot für die Kinder berufstätiger Eltern, berücksichtigt werden konnten. Die Kinder nehmen also am Mittagstisch in der «Villa Kunterbunt» von den Robi Spielaktionen Platz. In diesem Schuljahr zum ersten Mal werden sie aber auch nachmittags betreut. «Für die Familien, die sich zu spät angemeldet haben, finden wir mit Hilfe des Elternrats bald auch eine Lösung», ist sich Stern sicher.

Vor der ersten Pause

«Wieviele sind wir eigentlich», fragt Kassenlehrerin Mory in die Runde der 1C. Santiago kommt auf 21 – fast richtig, er hat nur sich selbst nicht mitgezählt. «Ich war furchtbar aufgeregt heute Morgen, denn ich kann noch nicht richtig lesen und schreiben», meint der 6-Jährige und vergisst, dass er ja hier ist, um genau dies zu lernen. Er ist aber prima vorbereitet und zeigt freudig sein Etui: «Schau, es hat drei Fächer», sagt er voller Stolz. Neben dem Schulsack ist das Etui ein wichtiges Thema unter den Kleinen. So präsentiert Elio überzeugend das Piratenschiff auf dem Seinen.

Jetzt, kurz vor der Pause, lernt die Klasse, wie das mit der Pause funktioniert – und schon schellt es. Bis zum ersten Läuten dürfen sie sich frei auf dem Pausenhof bewegen und ihr Znüni essen. Was denn das zweite Läuten bedeute, fragt Mory. Niemand weiss es auf Anhieb. «Nach Hause gehen?», wirft Illyas ein. «Nein, wieder am Platz für die nächste Stunde sein», stellt Mory sanft klar. Nach dieser letzten Instruktion dürfen die 22 Mädchen und Buben dann endlich raus ins Freie, um zum ersten Mal etwas vom Schönsten am Schulalltag zu erleben: die grosse 10-Uhr-Pause. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2012, 14:34 Uhr

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11 Kommentare

rolf zeller

13.08.2012, 14:56 Uhr
Melden 16 Empfehlung 0

Wie die Zeit vergeht.Damals nach den Frühjahrsferien 1949 standen wir mit der Mutter auf der Knabenseite im Eingangsbereich und warteten bis der Name aufgerufen wurde.Der Lehrer Walder war sehr nett und die Buchstaben hingen seillich auf farbigen Blätter an der Wand. Wie und wann wir dann gelernt haben auf Kommando in 4er Kolonne nach der Pause ins Klassenzimmer zu marschieren weiss ich nicht mehr Antworten


Beat Bannier

13.08.2012, 16:09 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

Den Eltern der Elche und Gnome wünsche ich viel Kraft im Umgang mit den " sauglatten" PrincessInnen, pardon, PedagogInnen. Antworten



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