Wie erotisch ist ein Waschlappen?

Das Ja zur Frauenquote in Basel oder die Kampagne «Teilzeitmann» kommen dem Ruf nach Gleichstellung von Frau und Mann nach. Was halten aber junge Frauen von als Teilzeit arbeitenden «ganzen Männern»?

Ein ganzer Mann. Oder doch nicht ganz? Auf manche junge, selbstbestimmende Frau wirken kochende, putzende und Kinder wickelnde Hausmänner unerotisch. 

Ein ganzer Mann. Oder doch nicht ganz? Auf manche junge, selbstbestimmende Frau wirken kochende, putzende und Kinder wickelnde Hausmänner unerotisch.  Bild: Keystone

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Das Verdikt der Basler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vor einer Woche war eindeutig: Ja zu einer Quote für Frauen in Kaderpositionen der Verwaltung von staatsnahen Betrieben. Die Gruppe junger, bürgerlicher Politikerinnen, die mit einem Referendum die vom Grossen Rat beschlossene Quotenregelung infrage stellte, verlor – für manche überraschend – deutlich.

Die Gleichstellung ist ein Thema, das mehr und mehr politische Verankerung findet und aktiv bewirtschaftet wird. Erst vor wenigen Monaten trat der basel-städtische Justiz- und Sicherheits­direktor Baschi Dürr vor die Medien und informierte darüber, dass er bestrebt sei, in seinem Departement nicht nur die Teilzeitarbeit fördern zu wollen, sondern auch vermehrt Frauen für die Berufe bei der Sanität, der Polizei und der Feuerwehr anzusprechen. Und schon im April vergangenen Jahres startete der Bund unter dem Slogan «Ganze Männer machen Teilzeitkarriere» die nationale Kampagne «Teilzeitmann». Das Ziel: Im Jahr 2020 sollen in der Schweiz 20 Prozent der werktätigen Männer Teilzeit arbeiten.

Was halten junge Frauen von Partnern als Teilzeit arbeitenden «ganzen Männern»? Können sie sich Hausmänner vorstellen, die kochen, putzen, und Kinder wickeln? BaZ-Kolumnistin Tamara Wernli, BaZ-Redaktorin Denise Muchenberger sowie die beiden BaZ-Mitarbeiterinnen Nadine Brügger und Pauline Pfirter legen hier ihre persönliche Sicht dar. Das Fazit ist bemerkenswert: Alle wünschen sich zwar gleichberechtigte Partner, aber keine Hausmänner, die den Haushalt schmeissen und die Familie organisieren. Sie befürchten, dass diese Männer bald keine «ganzen Männer» mehr sind, und stellen die Frage: Wie sexy ist ein Waschlappen? (hei)

Sind Hausmänner sexy?
Von Tamara Wernli
Eins ist sicher: Immer mehr Männer überlassen die Karriere der Ehefrau und entscheiden sich für Kinder­erziehung und Hausarbeit. Sie backen Aprikosenwähe, trennen Bunt-, Koch- und Feinwäsche, platzieren Duftkerzen im Haus und spazieren mit Baby im Bauchtuch durch den Park. Zeit mit dem Nachwuchs verbringen und gleichzeitig die bessere Hälfte bei ihrer beruflichen Verwirklichung unterstützen stellt für sie den perfekten Lebensentwurf dar. Eigentlich die Wunsch­vorstellung jahrelanger fortschrittlicher Frauenfantasien.

Aber Moooment mal. Ist ein Total-Hausvater für eine Frau auch als Mann interessant? Ist er erotisch? Die Doppelmoral lässt grüssen: Einerseits suggeriert das heutige Gesellschaftsbild, der Papi zum Anfassen sei modern und cool. Hakt man aber genauer nach, gelten Hausmänner beim weiblichen Geschlecht als unsexy, wie eine Umfrage unter Basler Frauen zeigt. Ein Mann, der den Tag mit Playmobil spielen verbringt und dessen Entscheidung des Tages darin besteht, ob er Schnitzel oder Ragout einkauft, ringt keiner der Damen Bewunderung ab. Und wo Achtung schwindet, schrumpft auch die Erotik. Umgekehrt können Hausfrauen in den Augen der Herren sehr wohl sexy sein; an die Geschlechter werden eben verschiedene Ansprüche gestellt. Sicher sind Männer für die Kinderbetreuung geeignet, und wir Frauen sind von der Biologie her nicht zwingend an den Herd geschraubt.

Aber wenn die Mutter als Ernährerin gebraucht ist, Einfluss hat und berufliche Verantwortung, gesellschaftliches Ansehen geniesst, was sagt das über die Hausmann-Funktion aus? Die Arbeit eines windelwaschenden Vaters wird – seien wir ehrlich – von den meisten als besserer Ferienjob angesehen. Zwar nimmt er Emanzipation und Chancengleichheit ernst, ein gewisses Mass an Autorität, Macht und Stärke bleibt dabei jedoch auf der Strecke.

Wo die Rolle des Mannes früher klar umrissen war – Kohle heimbringen und ­Familie beschützen – ist sie heute wirr geworden. Nicht mal zum Kinderkriegen wird er noch (direkt) gebraucht. Kommt hinzu, die meisten Dinge kann die Frau eh besser. Und was sagen die Herren selber zu ihrem ­angekratzten Image? Ein Grossteil der Befragten erklärte, dass ihre persönliche Zufriedenheit sehr von der beruflichen Stellung abhänge und ihre Rolle als Familienoberhaupt und Ernährer, der bewundert und gebraucht wird, viel zu ihrer gesunden, funktionierenden Beziehung beitrage. Die Gummihandschuhe noch anzuhaben, wenn die Gattin von der Arbeit nach Hause kommt und sich nach Erotik sehnt, wäre das absolute Horrorszenario.

Einer, der für mich putzt? Nein.
Von Pauline Pfirter
Kürzlich war ich bei Freunden zum Essen und jammerte darüber, wie aufwendig doch Haus­arbeit sei und wie viel Zeit fürs Vorbereiten meiner Prüfungen dafür drauf geht. Mein Tisch­nachbar hat mir daraufhin vorgeschlagen, ich solle mir doch einen Hausmann suchen, der für mich kocht und putzt. Worauf ich eine hitzige Diskussion anstiess über Gleichberechtigung und warum für mich kein Hausmann infrage kommt. Warum aber sträube ich mich so dagegen?

Zuerst einmal widerstrebt mir die Vorstellung, ­selber später Hausfrau und damit auf das Geld meines Partners angewiesen zu sein. Laut Gesetz stünde mir zwar ein Teil seines Einkommens zu, wenn ich mich um den Haushalt kümmere. Juristisch nennt sich das dann «Betrag zur freien Verfügung». Dafür bräuchte ich aber kein abgeschlossenes Studium. Gerade die Möglichkeit, sich mit dem selber verdienten Geld etwas zu leisten, ohne vorgängig jemanden um Erlaubnis zu bitten, empfinde ich als äusserst befreiend. Ich arbeite neben meinem Jurastudium, weil ich nicht komplett von meinen Eltern finanziert werden möchte. Und ich arbeite viel für mein Studium, weil ich später nicht von einem Mann abhängig sein will. Mein höchstes Ziel im Leben ist persönliche und finanzielle Unabhängigkeit.

Und genau aus diesem Grund möchte ich keinen Hausmann. Ich will unabhängig sein. Diesen Wunsch nach Unabhängigkeit erhoffe ich mir auch von meinem Partner. Ich möchte ihm später keinen Betrag zur freien Verfügung zahlen müssen, nur weil er nicht mehr arbeitet. Das würde nicht meinem Weltbild entsprechen. Ich mag als Mittzwanzigerin noch etwas idealistisch sein, aber ich bin überzeugt, dass die persönliche Zufriedenheit mit der eigenen Unabhängigkeit zusammenhängt. Mein Partner soll nicht wegen des Haushalts seine Unabhängigkeit aufgeben.

Allein schon die enge Beziehung zwischen mir und meiner Küche lässt nicht zu, dass später einmal mein Partner den Haushalt alleine führt. Denn meine Küche und ich, das ist hauptsächlich eine Zweierbeziehung. Heute kann man praktisch alles aus sich machen, was man will. Ich möchte diese Möglichkeit nutzen und wünsche mir, dass auch mein Partner seine Ziele verfolgt. Alle Seiten verlangen heutzutage Gleichberechtigung, also sollen doch auch die lästigen Hausarbeiten auf beide Partner gleich aufgeteilt werden. Das Leben ist schliesslich zu kurz, als es im Haushalt zu verbringen.

Wir stecken in der Zwickmühle
Von Nadine A. Brügger
Er kocht, putzt, erzieht, unterstützt und ist dennoch kein neues, überteuertes Haushaltsgerät. Die Rede ist vom Hausmann. Klingt toll. Aber ist es das auch? Wenn es ums Thema Familie, Haushalt und Karriere geht, stecken wir Frauen nämlich in der Zwickmühle. Ich habe eine gute Ausbildung, Ambitionen und Ehrgeiz. Ich will alles. Das heisst: Karriere und alles, was damit einhergeht. Und Familie. Gutenachtgeschichten, Trotzmomente und Augenblicke, in denen ich selber wieder ans Christkind glaube. Im Alter warten dann nebst Spitex und Kaffi im Migros-Restaurant auch Enkel und Kinder. Die Basis dazu bin ich – und mein ­perfekter Mann. Einer, der mit mir in dieselbe Richtung blickt. Dessen Prioritäten, Ziele und Eigenschaften mit meinen übereinstimmen. ­Intelligent, ehrgeizig und zielorientiert will ich ihn. Und ergänzen soll er mich.

Dieser letzte Punkt schreit förmlich danach: Ein Hausmann muss her! Liebevoll und fördernd mit den Kindern, organisiert und putzaffin im Haushalt, ein Genie am Herd. Wow! Und wenn ich dann nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, wischt er sich den letzten Rest Kinder­spucke vom Ärmel, schwingt den Waschlappen über die Schulter und, ja, was dann? Wie sexy ist der intelligente, ehrgeizige und zielorientierte Traummann noch, wenn er Küchenschürzchen trägt und von den Verstopfungen des Nachwuchses erzählt? Oder sich über die neue Nachbarin auslässt, die unseren Ältesten zu spät für den ­Kindergarten abgeholt hat? Und sowieso: Will ich ihm denn tatsächlich meine Familie über­lassen? Nein.

Nebst intelligent und liebevoll will ich jetzt auch das: einen Teilzeitmann. Einer, der zwar schöppeln, wickeln und Hausaufgaben erklären kann, gleichzeitig aber am Sitzungstisch genauso einflussreich ist wie im Kinderzimmer. Einer, der sich sowohl um unsere Kinder als auch um seine Karriere kümmert. Einer, der mich manchmal daheim mit den Kindern warten lässt, weil er zu ehrgeizig ist, um früh Feierabend zu machen. Einer, bei dem ich das Gleiche auch mal darf. Einer, mit dem ich auf dem Weg zur Kindertagesstätte über Tagesaktualitäten sprechen und beim Abendessen richtig diskutierten kann. Einer, mit dem ich dann, wenn die Kinder im Bett sind, auch noch etwas anzufangen weiss.

So einer kommt mir nicht ins Haus
Von Denise Muchenberger
Allein beim Gedanken, dass mir (m)ein Mann eines Tages gesteht, er wolle nun Hausmann sein, stehen mir die Haare zu Berge. So viel ist sicher: Ich werde die Kochschürze nicht kampflos auf­geben. So sehr ich meinen Job, das Schreiben liebe, so sehr bin ich überzeugt, dass mein schönster Job, so hoffe ich, noch bevorsteht: Mutter sein, den Haushalt schmeissen, Familienangelegen­heiten managen, dem Partner den Rücken frei­halten. Zumindest für eine gewisse Zeit kann ich mir das vorstellen, sehr gut sogar.

Oftmals höre ich, wie altmodisch und konservativ meine Sicht sei. Karriere und Familie sind doch ohne Probleme unter einen Hut zu bringen. Schnell zurück in den Job, um ja nichts zu ver­passen. Mag sein. Dennoch habe ich den grössten Respekt vor Hausfrauen. Es ist ein Vollzeitjob, einer, bei dem man rund um die Uhr gefordert ist, auf alles vorbereitet sein muss. Ein Kollege hat mir einmal gestanden, dass er jeweils erleichtert ist, wenn er nach einem Tag als Hausmann wieder in den Job zurückkehren kann. Die Vaterrolle ­fordere ihn um einiges mehr als die anspruchsvollste Kundschaft.

Es sind ja nicht nur die Arbeiten in Haus und ­Garten, die anfallen. Sondern auch das Zuhören, wenn die Kinder ihre ersten Wörter brabbeln, ­später dann von Erlebnissen und Eindrücken berichten. Ihnen Grenzen und Chancen aufzeigen, sie trösten und stärken, ihnen Werte vermitteln und vorleben, die sie für ihre weitere Zukunft ­rüsten. Ich empfinde das als eine herausfordernde, aber auch bereichernde Aufgabe. Ganz ehrlich: Ich wäre vermutlich neidisch auf meinen Mann, wenn er all diese Aufgaben übernehmen würde. Es gibt Frauen, die das Gleiche wollen wie Männer. Arbeiten, Karriere machen, Anerkennung im Job. Das ist legitim. Ich bleibe bei meiner vielleicht doch eher konservativen ­Einstellung – ein Hausmann kommt mir nicht ins Haus. Und falls doch, werde ich ihn höchstper­sönlich umschulen. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 17.02.2014, 06:50 Uhr)

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