Basel
Wieder Wirbel wegen ungeschütztem Sex
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 25.01.2012 22 Kommentare
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Nach mehreren HIV-Skandalen in der US-Pornofilmbranche wurde vergangene Woche in Los Angeles die Kondompflicht für Sexdarsteller beschlossen; am Rheinknie gibt es dieses Wochenende das ungeschützte Kontrastprogramm. Basel bumst halt anders. Unter dem Motto «Popp den Pornostar» lädt der Saunaclub FKK Basel ab Donnerstag zu einer dreitägigen Après-Ski-Party mit Freibier und Sex ohne Kondom.
Während das Kleinbasler Etablissement vor einem Jahr einen ähnlichen Event noch gross mit «Poppen ohne Gummi» anpries – und damit heftigen Protest bei der Kantonsärztin auslöste, ist man diesmal diskreter: «AO möglich gegen Test vor Ort», steht dezent auf der Homepage des Clubs, das bedeutet «alles ohne». Trotz Fachjargon rechnen die Clubbetreiber auch dieses Mal mit Protest, wie Marcello Genovese, Marketing-Verantwortlicher von FKK Basel, bestätigt. Das scheint ihm egal zu sein, der Tabubruch kalkuliert. Genovese schwärmt lieber von der Einzigartigkeit des Angebots.
Problematischer Schnelltest
«So etwas gibt es sonst nicht oft in der Schweiz», behauptet er und rechtfertigt die umstrittene Aktion: «Ungeschützter Verkehr ist nun einmal sehr gefragt bei den Kunden». Zudem seien es die «Künstlerinnen» selber, die dieses Angebot bieten wollen. Und er betont, dass nur beim Besuch der beiden Pornostars ungeschützter Sex angeboten wird. Alle anderen Damen im FKK Basel würden stets verhüten – «schliesslich wollen wir die gute Zusammenarbeit mit der Aidshilfe, wo sich unsere Frauen regelmässig testen lassen, nicht aufs Spiel setzen». Der Sauna-Betrieb sieht sich als seriöses Geschäft und möchte nicht mit herkömmlichen Rotlichtbetrieben verglichen werden. Aber es sei doch besser, wenn sich die Freier vor dem Verkehr mittels eines 30-minütigen Schnelltests auf HIV und Hepatitis überprüfen liessen, als wenn sie ihre Lust unkontrolliert auf dem Strassenstrich auslebten. «Es schockiert auch mich, dass es solche Freier gibt – und Frauen die so etwas anbieten», versichert Genovese, «deshalb wollen wir dieses Erlebnis ohne Risiken bieten».
Ohne Risiken? Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sieht das anders: «Ein HIV-Test vor dem Geschlechtsverkehr ist wegen der sogenannten diagnostischen Lücke – bei Neuinfektionen wird der Test nicht sofort positiv – kein genügender Schutz bei solchen Sexualkontakten». Ohne Präservativ fehle zudem auch der Schutz vor anderem Geschlechtskrankheiten wie Tripper, Syphilis und Hepatitis B. Ähnliches sagt Daniel Stolz, Leiter der Aidshilfe beider Basel und FDP-Grossrat: «Dieser Schnelltest ist vielleicht schon sicher – aber das Problem ist, dass er den Gesundheitszustand von vor drei Monaten anzeigt». Ein Blick in die Online-Agenda von Barbara Devil (28), neben Silvia Bianco der namhaftere der beiden Pornostars in Basel, zeigt, was die Slowakin mit Wohnort Los Angeles in den vergangenen drei Monaten unter anderem getrieben hat: Devil Days in Bürstadt (D), X-Mas Devil Party sowie Silvesterparty in Wien (Ö), Erotikmesse Vösendorf (D), Extasia Basel – bei mindestens drei Anlässen wurde auch ungeschützter Sex angeboten.
Schnelltest suggeriert falsche Sicherheit
In einem Vierteljahr kann also viel zusammenkommen – vor allem, wenn man Barbara Devil heisst und nach den Mottos «no rules – no limits» und «I continue where other people stop» lebt. So steht es auf ihrer Homepage. Marcello Genovese vom «FKK Basel» bestätigt den verruchten Ruf der 28-Jährigen: «Barbara Devil ist für extreme Events bekannt – auch für Gangbangs». Letzteres sei bei den Basler Kunden allerdings nicht gefragt, wie Barbaras vergangene Abstecher ans Rheinknie gezeigt hätten.
Dass es nun – just ein Jahr nach dem letzten vergleichbaren Event – erneut ohne Gummi verkehrt werden kann, ärgert Kantonsarzt Thomas Steffen. «Der angebotene 'Test' vermittelt den Beteiligten eine falsche Sicherheit.» Deshalb habe man nun wie schon im Vorjahr mit dem Saunaclub Kontakt aufgenommen. «Wir verlangen, dass, wie mit der früheren Geschäftsleitung vereinbart, die Kunden und Dienstleisterinnen vor ungeschütztem Sex gewarnt und auf die Mangelhaftigkeit des Tests hingewiesen werden. Weitere Massnahmen behalten wir uns vor», so Steffen.
«Es werden Menschenleben gefährdet»
Verärgert ist auch Annemarie Pfeifer, Grossrätin der Evangelischen Volkspartei (EVP) Basel-Stadt. «Ich finde es fahrlässig, wenn man für gesundheitsgefährdende Praktiken Werbung macht», sagt Pfeifer. «Moralisch gesehen werden dabei sogar Menschenleben gefährdet.» Zudem würden solche Aktionen die Aidsprävention untergraben und insbesondere den Jungen das falsche Bild vermitteln, dass ungeschützter Bordell-Sex ein erstrebenswertes, besonderes Abenteuer sei.
Ähnlich sieht es die Baselbieter EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger, eine engagierte Kämpferin gegen das Treiben an der Basler Sexmesse Extasia: «Die Aufforderung zum ungeschützten Verkehr ist nur noch blöd und spottet allen Präventions-Anstrengungen». Die Frauen und die Männer täten ihr leid, sie wünsche allen einen würdevolleren Umgang mit ihrer Sexualität. Damit meint Augstburger garantiert keine Après-Ski-Sexorgie ohne Gummizwang. Aber vielleicht schwappt ein solcher ja – wie so vieles – irgendwann einmal von den USA rüber in die Schweiz. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2012, 11:39 Uhr
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22 Kommentare
Nichts gegen "mit" aber die Behörden sollten das "ohne" gegen unbedingte hohe Strafen verbieten. Dieser
kleine Lustgewinn ist ein fahrlässiges Verbrechen gegen die/den nächsten Partner/Familienangehörige und führt nebst Krankheit zur Zerrüttung + Elend. Auch die Kinder leiden unter kranken und ev. deshalb geschiedenen Müttern. Es wird schon gut gehen.. ist viel zu unsicher. Gesund = Lebenswert!
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Basel
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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