Basel
«Wir dürfen Pyros nicht überbewerten»
Von Fabian Kern. Aktualisiert am 26.01.2012 32 Kommentare
Das Hooligan-Konkordat
Das Bundesgesetz über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS) wurde am 1. Januar 2007 ein erstes Mal revidiert. Das Gesetz stellte mit Rayonverboten, Meldeauflagen, Ausreisebeschränkungen, die Möglichkeit des Polizeigewahrsams sowie mit der Schaffung einer Datenbank, in welcher gewalttätige Fans registriert werden können (HOOGAN), den Verantwortlichen neue Instrumente im Kampf gegen die Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen zur Verfügung.
Drei dieser Massnahmen (Rayonverbot, Meldeauflage und Polizeigewahrsam) wurden vom Parlament bis Ende 2009 befristet. Die befristeten BWIS-Bestimmungen wurden 2010 durch Zustimmung der Kantone per Konkordat unverändert ins kantonale Recht überführt.
Die neuerliche Anpassung soll Delikte wie «Tätlichkeit» oder die «Hinderung einer Amtshandlung» in den Katalog aufnehmen, ebenso soll die anlasslose Durchsuchung von Personen (auch bis auf den nackten Körper) durch Private erlaubt werden. Rayonverbote sollen neu schweizweit für zwei Jahre gelten, und Meldeauflagen sollen ohne vorhergehende Verletzung eines Rayonverbots möglich werden. Zudem soll eine Bewilligungspflicht für Sportveranstaltungen eingeführt werden.
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Der FC Basel ist gebrandmarkt. Seit dem 13. Mai 2006 und der «Schande von Basel» hat man sich am Rheinknie intensiv mit der Fanarbeit auseinandergesetzt. «In der Schweiz ist im letzten Jahr ein populistisches Schwarzpeterspiel betrieben worden», sagt Bernhard Heusler am Symposium des FCB zu Fanarbeit und präsentiert das Basler Dialog-Modell. Dieses besagt, dass man als Verein auf allen Ebenen den Dialog suchen muss: Mit der Polizei genauso wie mit den Fans und Fanexperten. Der Dialog an der Basis sei wesentlich, sagt der FCB-Präsident. Dieses habe vor 2006 gefehlt.
Das Hooligan-Konkordat (vgl. Box) soll nun verschärft werden. Jurist Heusler sieht diese Massnahmen nicht als Lösung für den Umgang mit Gewaltbereitschaft in den Schweizer Stadien. Als Hauptproblem sieht Heusler die Vermischung von Pyro und Gewalt. Diese führe zu Glaubwürdigkeits- und Durchsetzungsproblemen: «Wir dürfen Pyros nicht überbewerten.» Vielmehr müsse das Spiel geschützt werden. Dabei gelte es aber, nicht ausser Acht zu lassen, dass die Fans zwar ernst zu nehmen seien, aber nicht Teil des Clubs seien: «Das Hauptinteresse des Clubs muss sein, sichere Spiele durchzuführen.»
Konkordat ist verfassungswidrig
Der Vortrag des früheren Basler Staatsanwalts Markus Mohler bekräftigt Heuslers Ausführungen. Das Konkordat sei mit der Bundesverfassung nicht zu vereinen. So würden die geforderten «verdachtfreien» Leibesvisitationen im Intimbereich an den Eingängen gegen die Menschenwürde verstossen, die Reglementierung der An- und Rückreise von Fans stelle einen Eingriff in die persönliche Freiheit dar. «Man muss Wege finden, nicht die Anständigen zu bestrafen.»
Sehr interessant ist die Präsentation der Sichtweise der Muttenzerkurve. Mit einem starken Videobeitrag legt der harte Kern der FCB-Fans seine Sicht der Dinge dar. Die oft als «Hooligan» pauschalisierten Fans fühlen sich durch die Medien und Behörden zunehmend kriminalisiert. «Pyrotechnik ist gefährlich – aber auch dessen Gleichsetzung mit Gewaltanwendung», sagt der Sprecher. Die TV-Bilder aus den 90er-Jahren dokumentieren, dass damals sogar das staatliche Fernsehen die Fackeln in der Kurve als positive Stimmungsmacher bewerteten. «Wir wissen, dass eine Legalisierung von Pyros nicht möglich ist. Aber vielleicht wäre eine Entkriminalisierung ein Schritt in die richtige Richtung.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.01.2012, 18:32 Uhr
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32 Kommentare
Pyros sind so ungefährlich wie das Küchenmesser, das Auto, die 1. August Rakete oder das Kleinkalibergewehr an der Herbstmesse - nur der kriminelle Einsatz macht sie gefährlich. Dank an Bernhard Heusler und Markus Mohler für diesen Versuch, diese Diskussion von der unsäglichen politischen wieder auf die Ebene der Sachlichkeit zu führen.
PS: bin ü50 und besitze keine
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Es tut gut, mit Bernhard Heusler einen Mann an unserer Spitze zu wissen, der differenzieren und Probleme korrekt orten kann. Mit Pauschalisieren und unverhältnismässigen Strafaktionen erreicht man höchstens Eskalation, weil sich betroffene Kreise zurecht dagegen wehren würden.
Es wird Zeit, dass Brüllaffen und Selbstdarsteller im Stil von Nause, KKS, Hensler und Co endlich das Gehirn einschal
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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