Basel
«Wir werden den Leistungsauftrag einhalten»
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 11.01.2012 6 Kommentare
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Für die gebürtige Baslerin Eva Nidecker ist es so etwas wie eine Heimkehr ans Rheinknie – wenn auch vielleicht nur eine temporäre. Bis vor Kurzem lebte die 31-Jährige noch in Paris, ihre Schweizer Wohnung hat sie in Zürich, wo Nidecker in den vergangenen Jahren gelebt, geliebt und gearbeitet hat – unter anderem beim Schweizer Fernsehen und bei «Energy Zürich». Begonnen hat ihre Medienkarriere bei «Telebasel». Zusammen mit Hans Knoblauch (48) übernimmt Nidecker während der kommenden vier Monate die Programm- und Geschäftsleitung von «Energy Basel».
Es ist ein Kaltstart. Am Montagabend haben die Mitarbeiter von «Radio Basel» von der Neuausrichtung des Senders erfahren – neun von ihnen auch von ihrer Kündigung. Und am Dienstag wurde die verbliebene, 14-köpfige Belegschaft in einem «Bootcamp» mit der «Energy»-Infotainment-Philosphie vertraut gemacht. Denn bereits am Freitag um 5 Uhr morgens geht «Energy Basel» auf Sendung. Damit gibt es neben «Energy Zürich» und «Energy Bern» nun einen dritten Schweizer Radiosender unter der Lizenz des französischen Radiogiganten NRJ Group.
Eva Nidecker, wie haben Sie gestern Ihren ersten Tag bei «Energy Basel» erlebt?
Nach einer kurzen Nacht war es für das Team natürlich sehr viel Information in kurzer Zeit. Die Stimmung war aber positiv.
Bis Freitagmorgen werden sich die ehemaligen «Radio Basel»-Mitarbeiter auf ein komplett neues Senderkonzept einstellen müssen. Das ist ambitioniert. Wie wollen Sie das schaffen?
Wir haben bereits viel vorbereitet und werden alle Mitarbeiter in der Anfangsphase intensiv betreuen – unter anderem Dank Unterstützung aus Bern und Zürich.
Wie ist es, einer Redaktion entgegen zu treten, in der es zu zahlreichen Kündigungen gekommen ist?
Das ist natürlich eine unangenehme Situation, die ein entsprechendes Fingerspitzengefühl erfordert.
Wie wird «Energy Basel» ausgerichtet sein?
«Energy Basel» wird ein eigenständiges Basler Radio sein, welches sich auf eine junge und urbane Hörerschaft ausrichtet. Hier liegt auch der Hauptunterschied zu «Radio Basel». Das bedeutet jedoch nicht, dass wir kein Informationsangebot bieten. Auf «Energy Basel» finden tagesaktuelle News und Hintergrundbeiträge genauso statt wie Musik und Unterhaltung.
Kritische Stimmen wie «Radio X»-Chef Thomas Jenny sagen, dass «Energy Basel» den vorgegebenen Konzessionsauftrag, welcher «Radio Basel» von «Basel 1» quasi übernommen hat, nicht einhalten können wird. Sind Sie gleicher Meinung?
Nein, wir werden den Leistungsauftrag einhalten können.
«Radio Basel» mit seiner redaktionellen Ausrichtung mit viel Wortanteil, gerichtet an eine ältere Zielgruppe, hat Schiffbruch erlitten und war zu keinem Moment rentabel. Wieso wird es «Energy Basel» besser ergehen?
Weil «Energy» ein zeitgemässes Radioformat ist, welches sich in der Schweiz bereits in Bern und Zürich und auch international erfolgreich bewährt hat.
Wie wollen Sie erreichen, dass die Basler Hörerinnen und Hörer den lokalen Ableger des internationalen Radiogiganten NRJ als Basler Sender wahrnehmen?
«Energy Basel» ist kein Ableger, sondern ein eigenständiges Radio, welches lokale Themen berücksichtigt und auf die Bedürfnisse der jungen Basler Bevölkerung eingeht. Auch die junge Bevölkerung in Basel hat ein Bedürfnis über das wirtschaftspolitische Geschehen am Rheinknie informiert zu werden. Allerdings kommunizieren wir im Vergleich zu anderen Stationen in einer jüngeren Sprache und in einem anderen Tempo.
«Energy Basel» richtet sich an ein junges, Musik- und Lifestyle-interessiertes Publikum. Kommen nun vermehrt Regionale Rock- und Popbands oder DJs zum Handkuss?
Damit ist auf jeden Fall zu rechnen! Wir freuen uns den lokalen Künstlern eine Plattform zu bieten und so zur kulturellen Vielfalt beizutragen!
Sie leben derzeit noch in Zürich und waren auch eine Weile in Paris. Werden Sie nun wieder nach Basel ziehen?
Ich behalte meine Wohnung in Zürich, werde aber unter der Woche vermehrt in Basel übernachten.
Wie ist es für Sie, wieder nach Basel zurückzukehren? Dem Ort, wo Sie aufgewachsen sind und ihre ersten Medienerfahrungen gesammelt haben?
Es ist ein sehr schönes Gefühl! In Paris habe ich durch die gewonnene Distanz zur Heimat meine Wurzeln zu schätzen gelernt. Schön, wieder hier zu sein!
Basel ist bereits wieder im Fasnachtsfieber. Werden Sie dieses Jahr mit dem Piccolo auf der Strasse anzutreffen sein?
Und ob! Nach zwei Jahren Fasnachtsabstinenz stelle ich allerdings mein Piccolospiel massiv in Frage...
Sind Sie enttäuscht, dass «Radio Basel», beziehungsweise «Energy Basel», wohl nicht in gleich vielen Schnitzelbänken zu Ehren kommen wird, wie die BaZ?
Die Poleposition überlasse ich hier gerne der Basler Zeitung;)
Wenn Sie verantwortlich wären für das Musikprogramm von «Radio Energy» und ohne kommerzielle Hintergedanken auswählen könnten – welchen Song bekämen wir derzeit zu hören?
Mat Kearney – Sooner or Later. In Amerika wird er bereits gross gefeiert, hier kennt ihn noch niemand.
Die Stelle als Programm- und GeschäftsleiterIn von «Energy Basel» ist derzeit offiziell ausgeschrieben. Ob Eva Nidecker nach der viermonatigen Übergangsphase als Co-Leiterin weiter bei «Energy Basel» bleibt und ob sie sich für die Stelle bewirbt, lässt die 31-Jährige noch offen. Ausschliessen möchte sie es jedenfalls nicht. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.01.2012, 08:35 Uhr
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