Wirte tun sich schwer mit dem Internet

Immer mehr Leute buchen online einen Tisch im Restaurant. Die Basler Gastronomie tut sich jedoch noch etwas schwer mit Online-Reservierungssystemen.

Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten machen in Basel wenig Restaurants beim Online-Buchungssystem mit.

Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten machen in Basel wenig Restaurants beim Online-Buchungssystem mit. Bild: Annette Boutellier

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Ein Klick, und schon ist das Dinner mit der Liebsten gebucht. Oder ein wichtiger Business-Lunch im Sterne­res­taurant. In London, Berlin oder Paris haben sich Online-Reservierungssysteme bereits etabliert, kaum ein Gast nimmt noch den Telefonhörer in die Hand, um einen Tisch beim Lieblings­italiener zu reservieren.

«Online-Reservierungen kosten wenig Zeit und können rund um die Uhr getätigt werden», sagt Sascha Theisen von Bookatable, Europas grösstem Online-­Reservierungsportal. Seine Statistiken zeigen deutlich, dass immer mehr Leute einen Tisch online buchen. Waren es schweizweit im 2010 noch rund 11'000 Gäste, die mobil gebucht haben, hat sich die Zahl bis ins 2012 fast verdoppelt. «Das ist doch ein recht deutlicher Trend», freut sich Theisen.

Basel tickt anders

Ein Trend, dem die Basler Wirte anscheinend (noch) nicht folgen wollen. Bis anhin würden laut Theisen nur gerade elf Restaurants in der Stadt mit Book­atable arbeiten. Zum Vergleich: In Zürich sind es rund 71 Betriebe. Basel tickt also einmal mehr anders. Zu Recht? «Jeder Unternehmer muss selbst entscheiden, ob sich sein Lokal für Online-Reservationen eignet», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Es spreche einiges dafür, dass viele ­Lokale noch eine Zeit lang darauf verzichten werden, «weil es in der Praxis einige Knacknüsse gibt», so Ebneter. Meist stehe der Computer in einem Büro, und nicht im Empfangsbereich des Restaurants. Auch der Kundendialog wird im Internetschwierig. «Wir raten den Gas­tronomen aber auf jeden Fall, die Entwicklung zu beobachten und sich mit den neuen Medien und Technologien auseinanderzusetzen.»

Dass sich die Basler Gastronomie tatsächlich noch etwas schwertut mit Online-Reservierungen, beobachtet auch Marc Locher von lunchgate.ch. Er spricht von rund 30 Betrieben, die bis anhin mit seinem System arbeiten würden. «Die Rückmeldungen der Wirte sind sehr positiv», so Locher – wer das Tool während ein paar Wochen teste, wolle es nicht mehr hergeben. Locher ist deshalb optimistisch, dass in diesem Jahr viele weitere ­Restaurants auf den Zug aufspringen und Online-Reser­vierungen anbieten. «Wir haben in Basel erst vor einem halben Jahr gestartet», erklärt der Unternehmer, und ­verweist auf den Erfolg in Zürich. Dort konnte lunchgate.ch schon 250 Betriebe akquirieren.

Weniger Aufwand

Sascha Briester, Geschäftsführer von der Schlüsselzunft in der Freien Strasse, arbeitet bereits mit lunc­hgate.ch. Sein Betrieb gehört auch zu jenen elf Restaurants, die mit Europas Marktführer ­Bookatable zusammenarbeiten. Briester gibt zu, dass er zu Beginn skeptisch war. «Wir mussten uns zwei Laptops anschaffen, die die Reservierungsbücher am Eingangsbereich ablösten», so Briester. Hinzu kamen die Installation der ­Software, die ebenfalls Kosten generierte, und ein Monatsbeitrag in der Höhe von rund 100 Franken. Eine Investition, die sich lohnen würde. «Wir beobachten, dass die Mehrheit unserer Gäste seit Einführung des Systems nur noch online bucht», erzählt Briester. «Das System legt eine elektronische Gästekartei an, auf die wir immer zurückgreifen können. Der administrative Aufwand ging stark zurück», sagt Briester. Er müsse einzig das System gewis­senhaft nachführen und Sonderver­anstaltungen, Öffnungszeiten und Betriebs­ferien eintragen. Ausgebuchte Abende werden dem Gast im System angezeigt, bei den verfügbaren kann die Zeit frei gewählt werden, eine Bestätigung für die Reservation erfolgt per Mail. «Wer an einem speziellen Tisch sitzen möchte oder eine Frage zu unserer Menükarte hat, kann einen Kommentar hinzufügen», so Briester. Er ist überzeugt, dass die Schlüsselzunft dank Bookatable auch neue Gäste dazugewonnen hat.

Kein Bedürfnis bei Gästen?

Vieles spricht also für das System. Und dagegen? «Unsere Grösse», sagt Jürg Wartmann vom «Atlantis», «bei grossen Betrieben macht dieses System auf jeden Fall Sinn, aber wir bieten nur rund 50 Plätze im Restaurant.» Da würde sich der Aufwand nicht lohnen, denn das System müsse gut betreut und sauber nachgeführt werden. Ausserdem möchte er ungern auf den Kundendialog verzichten. «Am Telefon kann ich direkt beim Gast nachfragen, wenn es beispielsweise um die Menüzusammenstellung geht.»

Tina Candrian von der Candrian Catering AG beobachtet, dass die Basler gerne eine Stimme am Telefon haben, wenn sie eine Reservierung machen. In allen drei Basler Lokalen des Zürcher Gastronomieunternehmens – im Braunen Mutz, in der Kunsthalle und in der Brasserie – verzichtet man bis anhin auf Online-Reservierungssysteme. «Wir werden die Entwicklung aber weiterhin beobachten, und wenn die Gäste dieses Bedürfnis äussern, natürlich auch reagieren», so Candrian. Auch im Stadtkeller sind Reservierungen per Mausklick kein Thema. «Wir haben viele Stammkunden, die uns anrufen oder sogar ­persönlich vorbeikommen, um einen Tisch zu reservieren», sagt der stellvertretende Geschäftsführer, Thomas Engler. «Solange wir unsere Beiz auch so füllen, werden wir am Konzept nichts ändern.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.02.2013, 07:43 Uhr

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In vielen grösseren Städten ist es möglich, u?bers Internet einen Tisch in einem Restaurant zu buchen. Sollen Basler Wirte diese Online-Reservationen anbieten?

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