Basel

Wo bei der Markthalle der Wurm drin ist

Von Joel Gernet. Aktualisiert am 19.09.2012 39 Kommentare

Nur sechs Monate nach der Eröffnung wird das Markthalle-Management ausgewechselt. Laut Kritikern fehlen der Halle Konzept, Strategie und Laufkundschaft. Es gibt aber auch positive Perspektiven.

Die Markthalle wenige Wochen nach der Eröffnung: Das provisorische Gastro-Angebot zog zur Mittagszeit rund ein Dutzend Gäste an. Ein halbes Jahr später befindet sich der Restaurant-Bereich noch immer im Aufbau.

Die Markthalle wenige Wochen nach der Eröffnung: Das provisorische Gastro-Angebot zog zur Mittagszeit rund ein Dutzend Gäste an. Ein halbes Jahr später befindet sich der Restaurant-Bereich noch immer im Aufbau.
Bild: Henry Muchenberger

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Irgendwie erinnert der Management-Wechsel in der Markthalle an den durchzogenen Start der Wasserwelt Aquabasilea in Pratteln. Nicht wegen des ebenfalls imposanten Kuppelbaus. Sondern weil auch hier die Besucherzahlen zunächst unter den Erwartungen blieben und die Credit Suisse (CSGN 29.13 1.11%) Anlagestiftung Real Estate Switzerland (CSA RES), Inhaberin von Aquabasilea und Markthalle, das Management nach acht Wochen auswechselte. In der Markthalle dauerte es ein halbes Jahr.

Wie die Credit Suisse versichert, sei die neue Betreiberfirma Wincasa wegen ihrer guten Verbindungen zur CSA RES und ihrer lokalen Verankerung engagiert worden – und nicht, weil das bis Ende September verbleibende PSM Center Management schlechte Arbeit geleistet habe. Zahlen zu dem ersten Markthalle-Halbjahr möchte die Betreiberin allerdings keine bekannt geben. «Die Geschäftszahlen sind nach nur sechs Monaten nicht aussagekräftig», sagt Daniela Zulauf, Pressesprecherin der Credit Suisse Anlagestiftung.

«Das spricht nicht das Publikum an»

Wer regelmässig durch die Markthalle schlendert dürfte aber festgestellt haben, dass der Kuppelbau – ausser bei Grossevents – meist ziemlich verlassen wirkt. Wo liegt das Problem? Die vielen Leser-Kommentare zum Management-Wechsel lassen darauf schliessen, dass die Markthalle den Baslern nicht egal ist. Aber warum gehen sie nicht hin? «Ich vermisse die eindeutige Strategie für die Zukunft der Markthalle», sagt Daniel Staffiere. Seit Mai arbeitete der ehemalige Kunsthalle-Wirt an einem Gastrokonzept für die Markthalle. Vor drei Wochen hat er sich jedoch zurückgezogen.

Hauptsächlich wegen der fehlenden Strategie, wie er sagt. Man könne nicht von Monat zu Monat etwas erneuern, nachhaltige Konzepte seien gefragt. «Es ist traurig, leichtbekleidete B-VIP’s zu Autogrammstunden zu verpflichten, nur um Medienaufmerksamkeit zu bekommen», ereifert sich Staffiere. «Das spricht nicht das seriöse und gute Basler Publikum an.» Auch der Markthalle-Slogan «Die neue Einkaufskultur» irritiert den Gastronomen. «Fünf bis sechs Geschäfte in einer grossen Halle reichen nicht aus für ein Shopping Center – da erwarten die Konsumenten erheblich mehr», sagt Staffiere und betont, dass er die Markthalle als Einkaufszentrum ungeeignet findet.

Kein «Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit»

Etwas differenzierter sieht das Jan Tanner, Präsident des Swiss Council of Shopping Centers und Leiter des Stücki-Shopping. In seinen Augen ist die Markthalle wegen der verhältnismässig kleinen Verkaufsfläche kein typisches Einkaufszentrum. «Die Frage ist, ob man die Erwartungshaltung der Kunden erfüllt hat oder nicht – da muss man sich schon kritisch hinterfragen. Es kommt auf den richtigen Mix an.» Tanner wählt seine Worte mit Bedacht – schliesslich will er keine Kollegen-Schelte betreiben. «Der Aufbau eines neuen Standortes benötig mindestens drei bis fünf Jahre», erklärt der Stücki-Leiter, wobei er angesichts der wirtschaftlichen Situation im Detailhandel eher mit der längeren Variante rechnet.

Wie Staffiere hat auch Daniel Wiener, BaZ-Kolumnist und Geschäftsleitungsmitglied der Basler Beratungsfirma ecos, für die Markthalle gearbeitet – und schliesslich den Bettel hingeworfen. Im Gegensatz zum Gastro-Unternehmer war Wiener bereits vor der Eröffnung an Bord. Seine Pläne eines «Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit» hat er nach monatelanger Vorarbeit im Herbst 2011 wieder verworfen. «Ich hatte viele Interessenten, aber die Ladenmieten waren zu teuer», erinnert er sich an die Zeit, in der die Halle noch dem Bauunternehmen Allreal (ALLN 139.5 0.22%) gehörte. Inzwischen seien diese Mieten markant gesunken. «Mit dem heutigen Preisniveau hätten wir alle Ladenflächen vermieten können.» Das Hauptproblem der heutigen Markthalle, die Wiener mit einem «Gemischtwarenladen» vergleicht, sieht Wiener im mangelhaften Profil und der fehlenden Laufkundschaft: «Weil die Markthalle keine Fussgänger-Passage ist, muss man sie zu einem Anziehungspunkt mit einem klaren Konzept machen», erklärt er. «Die Bevölkerung muss regelmässig kommen wollen – so wie es damals bei der hervorragenden Zwischennutzung des City Beach der Fall war.»

Alle sehen das Potenzial der Halle

Bei aller Kritik können Staffiere, Tanner und Wiener auch Konstruktives zur neuen Markthalle sagen. «Die Markthalle sollte im eigentlichen Sinne genutzt werden», findet Staffiere, «sie hat durch die Renovation ein neues solides Kleid für die nächsten 100 Jahre bekommen – jetzt braucht es den Mut, das Innenleben richtig zu konzipieren – mit aller Konsequenz.» Der Gastro-Unternehmer rät zu mehr Angeboten im Gastronomie- und Eventbereich und vor allem zu einer Rückkehr zum Ursprungskonzept der Markthalle. Auch Stücki-Leiter Tanner sieht die Zukunft der Halle in einer Rückbesinnung. «Die Markthalle hat von ihrem Namen, ihrer Lage und ihrer Vorgeschichte her schon sehr gute Voraussetzungen für ein Konzept.» Auch der Weg hin zu mehr Gastro-Angeboten sei sicher nicht falsch.

Dass mehr Gastronomie der Markthalle zu Erfolg verhelfen könnte, bezweifelt Wiener. Dazu ist in seinen Augen das Angebot in Innenstadt und Quartieren zu vielfältig – und authentischer. Bei einem kompletten Neubeginn sei er immer noch offen für eine Markthalle im Zeichen der Nachhaltigkeit. Langfristig sieht der Öko-Unternehmer zudem Chancen in einer besseren Erschliessung der Markthalle. Etwa, wenn die geplante Bahnhof-Traverse zwischen Gundeli und Markthalle realisiert wird. Oder der Central Park über dem französischen Teil des Bahnhofs. Beide Projekte sind allerdings noch Jahre entfernt: Die Traverse ist gemäss SBB noch im Stadium einer Studie und kommt frühestens 2021. Bei einer allfälligen Umsetzung des Central-Park-Grossprojekts dürfte die Wartefrist noch länger sein.

Dass es bei der Markthalle aber bereits ab kommendem Jahr zu Veränderungen kommen wird, liegt auf der Hand. Und dass eine Wende zum Positiven möglich ist, hat der Einschnitt beim Aquabasilea gezeigt – allerdings verbunden mit Millionen-Investitionen und billigeren Tarifen. Für eine rosigere Zukunft der Markthalle spricht jedenfalls, dass alle das grosse Potenzial dieser einzigartigen 25-Meter-Kuppel sehen und diese noch so gerne nutzen wollen – sofern das Angebot stimmt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.09.2012, 12:23 Uhr

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39 Kommentare

Hans Riesen

19.09.2012, 13:44 Uhr
Melden 85 Empfehlung 0

Mit Wehmut sei daran erinnert, dass der Basler Zolli unter der Bezeichnung "POLARIUM" ein konkretes Projekt eingereicht hatte. Geplant war, dass die Besucher auf einer Fläche von 2'600m2 eine Polarregion u.a mit Aquarien und einem Seeotterbecken, das Leben von Pinguinen und anderen antarktischen Lebewesen erleben könnten. Die staatliche Findugs-kommission bevorzugte jedoch einen Kommerzbetrieb. Antworten


Roger Luginbühl

19.09.2012, 13:03 Uhr
Melden 82 Empfehlung 0

Ob der Leiter eines floppenden Einkaufscenters einem anderen floppenden Center tatsächlich Erfolgstipps geben muss, ist doch eher fragwürdig... Antworten



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