Basel
Zarte Autofahrer, harte Velokuriere
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 02.02.2012 27 Kommentare
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Winter, Minustemperaturen, Schneetreiben. Da geht alles ein bisschen langsamer – insbesondere im Strassenverkehr. Dieser kam heute Morgen an vielen Stellen massiv ins Stocken. «Die Autofahrer wissen, dass es Winter ist und fahren langsamer – das gibt Stau», erklärt der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Geduld benötigten deshalb am Donnerstagmorgen insbesondere die Autofahrer auf der H18 in Richtung Basel, wo der Verkehr praktisch auf der gesamten Länge zum Stocken kam. Ähnlich war die Situation auf der Autobahn A2 zwischen Augst und Basel – in beiden Richtungen. Der zähe Verkehrsfluss nervt zwar viele Pendler, er hat aber durchaus auch seine Vorteile: «Es gibt weniger Unfälle», sagt Stöcklin zum zarten Fahrverhalten vieler Automobilisten.
Seit vier Uhr morgens stehen im Baselbiet insgesamt 22 Schneeräumfahrzeuge im Einsatz – «soweit es erforderlich ist, bleibt das so», erklärt Wolf von Loeben, stellvertretender Strasseninspektor der Tiefbauamts BL. Wegen dem Baselbieter Sparpaket herrsche jedoch auf einigen Strassen eingeschränkter Winterdienst. «Dies aber nur auf signalisierten Strassen ohne öffentlichem Verkehr, welche mit angepasster Geschwindigkeit gefahrlos befahren werden können».
Stau und Frontalkollision auf der H18
Ganz ohne Kollisionen verlief der Strassenverkehr trotz meist angepasster Geschwindigkeiten nicht: Auf der H18 kam es gegen 10:40 Uhr bei Reinach zu einer Frontalkollision mit vier Autos und einer leicht verletzten Person – die kantonale Autobahn musste gemäss Stöcklin in beide Richtungen gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Auch im Bereich des Hülftenkreisels bei Pratteln kam es wegen der Rutschpartie eines Autos zu einer zusätzlichen Verkehrsbehinderung. Grundsätzlich benähmen sich die Verkehrsteilnehmer laut Stöcklin allerdings sehr diszipliniert.
Dem pflichtet auch sein Basler Kollege bei: «In der Stadt lief fast alles problemlos», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart, «die Leute passen auf – das ist eigentlich immer so». Er weiss bis Mitte Vormittag von vier Blechschäden und zwei Zweiradfahrern, die am Donnerstag unsanft auf der Strasse landeten. Zur grössten Verkehrsbehinderung kam es in Basel-Stadt nach 9 Uhr auf der A2 in Richtung Deutschland, wo bei der Autobahnausfahrt Freiburgerstrasse ein Lkw stehen blieb – allerdings wegen eines technischen Defekts.
Wartezeiten bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln
Auch wer das Auto stehen liess und auf die öffentlichen Verkehrsmittel auswich, musste zum Teil massive Wartezeiten auf sich nehmen. BVB, BLT und die Autobus AG Liestal berichten von Verspätungen – unter anderem, weil die Busse im Stau standen. Wo es Sinn ergab, wurden zusätzliche Fahrzeuge auf die Strasse geschickt. Weniger lang warten mussten die Trampassagiere. Die Drämmli hätten zwar ebenfalls mit Verspätungen zu kämpfen (gehabt), weil sie aber dank eigener Trassees meist dennoch regelmässig verkehrten, sei dies oft gar nicht aufgefallen, wie BVB-Sprecherin Dagmar Jenny erklärt.
Alle Hände voll zu tun hat vor allem das Personal, welches für den Unterhalt der Tram- und Busstationen sorgt. «Jetzt ist Grosskampftag», erklärt Jenny, «wir haben alles draussen, was zur Verfügung steht». Ähnlich sieht es bei der BLT aus, wo heute rund zwölf Männer mit dem Schneeräumen an den Haltestellen beschäftigt sind. Trotz rutschiger Trottoirs, Strassen und Haltestellen hält sich die Anzahl der Sturzopfer in Grenzen. Im Basler Unispital wird kein signifikanter Anstieg von Sturzopfern festgestellt, wie Mediensprecher Andreas Bitterlin berichtet. Problematisch sei es vor allem, wenn der Wintereinbruch die Leute überrascht – das ist heuer nicht der Fall.
Die Street-Credibility der Velokuriere
Von Stürzen seiner Velokuriere weiss Jerôme Thiriet, Co-Geschäftsführer der KurierZentrale Basel, bisher nichts. Ungünstig sei vor allem, dass der Schnee auf den Strassen liegen bleibt. «Im Gegensatz zur Kälte kann man dagegen nichts unternehmen – ausser langsamer fahren». Erklärt Thiriet. Für einen Velokurier ein ärgerlicher Bremser: «Heute müssen sie ihre Provision gegen ihre Sicherheit ausspielen», erklärt Thiriet und versichert, dass Letzteres zutrifft. Trotz des Wetters würden die Kuriere wie gehabt ihre Sechs-Stunden-Schichten fahren – «schliesslich gibt das Street-Credibility», erklärt Thiriet lachend den ungeschriebenen Kurier-Kodex dieser harten Hunde, die bei jedem Wetter auf der Strasse unterwegs sind. Erst recht, wenn der restliche Verkehr im Schneetreiben stecken bleiben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2012, 14:12 Uhr
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27 Kommentare
mit den Velokurieren habe ich kein wirkliches Pardon. Sorry - aber meine Erfahrungen gehen mit diesen Menschen dahingehend, dass sämtliche Verkehrsregeln nicht gelten. Weder Fahrverbote noch Rotlicht. Nun weiss ich auch warum, die Anstellungsbedingungen zwingen diese Leute zu einer rücksichtslosen Fahreweise - dies ist aber keine Entschudligung. Antworten
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