Zeugen entlasten Basler Geothermie-Leiter

Aktualisiert am 16.12.2009 3 Kommentare

Zeugen entlasten den Leiter des Basler Geothermie-Projekts, der sich wegen Erdbebenschäden in Millionenhöhe vor dem Basler Strafgericht verantworten muss.

Die Suche nach Erdwärme in Basel wurde zum Fiasko: Das Geothermie-Projekt verursachte Schäden in Millionenhöhe.

Die Suche nach Erdwärme in Basel wurde zum Fiasko: Das Geothermie-Projekt verursachte Schäden in Millionenhöhe.
Bild: Keystone

Weist Anschuldigungen von sich: Markus Häring, Leiter Geothermie Projekt Basel.

Weist Anschuldigungen von sich: Markus Häring, Leiter Geothermie Projekt Basel. (Bild: Keystone)

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Ein Experte des Erdbebendienstes bescheinigte ihm, nach dem damaligen Stand der Wissenschaft gehandelt zu haben. Der 57-jährige Häring ist wegen Sachbeschädigung mit grossem Schaden und Verursachung einer Überschwemmung oder eines Einsturzes angeklagt. Staatsanwalt Thomas Hug müsste dem Geologen allerdings Vorsatz nachweisen können.

Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger befragte Häring am Morgen zum Projekt «Deep Heat Mining» im Basler Stadtteil Kleinhüningen. Es liess am 8. Dezember 2006 die Erde mit Magnitude 3,4 beben, löste weitere kleinere Beben aus und wurde am vergangenen Dienstag von der Basler Regierung nach einer letzten Risikoanalyse definitiv eingestellt.

Geologe Häring wies die Anschuldigungen als «haltlos und absurd» zurück: Die Firma habe Erschütterungen nie ausgeschlossen. «Man wusste sehr wenig über die Seismizität, darauf wurde in den Projektbeschrieben zu Handen des Amtes für Umwelt und Energie immer hingewiesen. Für alle Beteiligten war es auch ein Lernprozess», erklärte Häring.

Von der Stärke überrascht

Entsprechend sei ein Notfallplan mit einer Ampelskala etabliert worden. «Wir waren in jeder Minute des Geschehens im Bild und konnten sofort handeln», sagte Häring. So sei nach dem grossen Beben vom Dezember das Wasser sofort abgestellt und Druck abgelassen worden. Häring räumte ein, dass auch ihn die Stärke überrascht habe. Zur Anklage stellte er weiter fest, dass es unterirdische Überschwemmungen und Abstürze nicht gebe. Der Untergrund sei in der Region bereits überschwemmt. Es handle sich um so genannte Scherbrüche, die sich durch das Einpressen von Wasser verschieben könnten.

Als Zeuge war am Nachmittag Professor Peter Huggenberger vom geologisch-paläontologischen Institut der Universität Basel geladen. der seit Projektbeginn als Berater der Regierung tätig war. Huggenberger stellte fest, dass über die geologischen Bruchstellen in fünf Kilometer Tiefe wenig bekannt sei. An der Universität Basel werde zurzeit ein dreidimensionales Modell erarbeitet.

Er sei als Zuständiger für Erdbeben- und Bevölkerungsschutz eher auf der vorsichtigen Seite gewesen und hätte vertiefte Abklärungen zur Seismizität bevorzugt, sagte er. Es sei nach seiner Einschätzung zu wenig offen über die Risiken kommuniziert worden. Gewisse Vertreter von Geopower und Behörden hätten nicht schlafende Hunde wecken wollen, mutmasste Huggenberger.

Es habe damals keine Gründe gegeben, zur Zurückhaltung zu mahnen, erklärte Nicolas Deichmann vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED), der 2005 eine Risikoabschätzung gemacht hatte. Bezüglich der Magnitude 3,4 wurde Deichmann auch zum Ampelsystem befragt, das die Alarmstufe Rot bei Magnitude 2,9 ansetzte und auf einer Studie aus El Salvador basierte.

«Wir haben nie ausgeschlossen, dass so etwas passieren könnte, trotzdem war die Überraschung beim Sprung auf 3,4 gross», erklärte Deichmann und weiter: «Wir hatten damals wenig handfeste Grundlagen.» Momentan gebe es keine ausgereifteren Systeme. «Man kann Häring nicht den Vorwurf machen, dass er etwas falsch gemacht hat», sagte Deichmann. Es sei nach den damaligen Erkenntnissen der Wissenschaft gehandelt worden. Auch der SED sei nicht in der Lage gewesen, so etwas abzuschätzen.

Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Das Urteil soll am 21. Dezember fallen. (tan/ap)

Erstellt: 16.12.2009, 10:34 Uhr

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3 Kommentare

Meyer Felix

16.12.2009, 08:26 Uhr
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Es ist traurig, dass das Projekt eingestellt wird. Bei den Schäden wurde geschummelt, denn viele die einen Riss sahen gaben an, dass er vom Geo-Projekt stamme, auch wenn dies nicht der Fall war. Die Geothermie ist für mich die beste Methode der Energiegewinnung, ohne Schadstoffe und und Strahlung. Hoffentlich wird die richtige Erkenntnis später ans Licht kommen. Antworten


hans zumstein

16.12.2009, 07:26 Uhr
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Im Nachhinein ist man (oft) klüger. Was mich an der ganzen Geschichte nervt, ist die Tatsache, dass viele OEKO Fans diesem Projekt applaudiert hatten. Beim Auftreten der ersten Probleme haben dieselben Leute natürlich gewusst, dass das Projekt scheitern wird. Jetzt will das Publikum einen Sündenbock. . . . Ich hoffe sehr, dass der Projektleiter von Schuld und Strafe frei gesprochen wird. Antworten



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