Zoë Jenny zieht gegen die Kesb ins Feld

Die Basler Bestsellerautorin und Mutter erhebt Vorwürfe gegen die Kin­des und Erwachsenenschutzbehörden und gründet eine Plattform für betroffene Eltern.

Wütend: Zoë Jenny fühlt sich von den Kesb-Beamten schikaniert.

Wütend: Zoë Jenny fühlt sich von den Kesb-Beamten schikaniert. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Wochen stehen die Kin­- des- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) in der öffentlichen Kritik. Einerseits wegen der explodierenden Kosten: Die BaZ berichtete, dass sich die Ausgaben der Baselbieter Gemeinden für das Vormundschaftswesen seit der Kesb-­Einführung massiv verteuert haben. Im prominentesten Fall Buckten betrug der Anstieg das Zehnfache, viele andere Dörfer zahlen im Vergleich zum alten System den drei- bis siebenfachen Betrag.

Andererseits sind es konkrete Fälle, welche die Qualität der neuen Behörde, die nunmehr ausschliesslich von professionellen Fachleuten geführt wird, infrage stellen. Zu den Kritikern gesellt sich nun auch die prominente Basler Schriftstellerin Zoë Jenny, die in diversen Medien schwere Vorwürfe gegen die Kesb erhebt.

Die Mutter einer vierjährigen Tochter, die geschieden von ihrem Ex-Mann lebt, fühlt sich von den Kesb-Beamten schikaniert und ungerecht behandelt. Es geht um das Besuchsrecht des Vaters, mit dem Jenny nicht einverstanden ist.

Inkompetent, technokratisch und intransparent

Am Donnerstag beschrieb sie ihre Erfahrungen noch unter einem Pseu­donym in der Weltwoche. Die Schriftstellerin schilderte, was ihr bei einem Treffen mit Behördenvertretern widerfahren sei: «Frau K. klopft auf einen Stapel mit Akten. Wir haben es im Griff, will sie damit sagen. Wir haben die Macht. Sie lehnen sich jetzt beide über den Tisch, reden von Massnahmen, Verfügungen.»

Im Sonntagsblick trat Jenny aus der Anonymität heraus und holte zum Rundumschlag gegen die Kesb aus: «Diese Behörde ist nicht nur inkompetent und technokratisch, sondern vollkommen intransparent. Man bekommt keine vernünftige Auskunft, es ist, als wäre man in China.»

Die Basler Bestsellerautorin will das Erlebte nicht auf sich sitzen lassen. Sie forciert und organisiert den Widerstand gegen die Kesb, indem sie die Website www.kindergerechte-justiz.ch gegründet hat. Eltern, die ebenfalls betroffen sind, sollen sich mittels der Plattform austauschen und gegen Anordnungen der Behörde zur Wehr setzen können.

Erstellt: 07.10.2014, 14:10 Uhr

Artikel zum Thema

Das verweigerte Vaterrecht

Michael Ghebremeskel kämpft gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb für sein Recht. Doch Der Kampf um das Sorgerecht ist zu einer Paragrafenschlacht ausgeartet. Mehr...

Hoffnung auf den Vaterschaftstest

Der Eritreer Michael Ghebremeskel kämpft nach dem Tod seiner Frau um seine Kinder. Die tragische Geschichte über die Folgen eines Schicksalsschlags. Mehr...

Sozialausgaben treiben Gemeinden in Ruin

Eine Umfrage im Baselbiet zeigt Erschreckendes: Seit der Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutz­behörden haben sich die Kosten vervielfacht. Kleinere Gemeinden drohen unter der Finanzlast zusammenzubrechen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuer frei für Feuerwerk: Wenn die Griechen auf Hydra die Seeschlacht gegen die Türken vom 29. August 1824 nachspielen, versinkt die türkische Flotte mit viel Schall und Rauch im Meer (24. Juni 2017).
(Bild: Alkis Konstantinidis) Mehr...