Basel
Schwierige Nachzucht von Rentieren geglückt
Von Renato Beck. Aktualisiert am 26.03.2010
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Ausgesprochen zutraulich und neugierig ist die mittlerweile 16-köpfige Gruppe. Gleich fünf Rentiere sind im Mai dazugestossen: eigener Nachwuchs. «Endlich», Tierarzt Christian Wenker ist erleichtert und stolz. Vier Männchen und ein Weibchen sind es. Unter den wachen Augen ihrer Mütter falten sie ihre noch unverhältnismässig langen, knochigen Beine im Schatten der Bäume zusammen.
Es sind sensible Tiere, die viermal im Jahr von Wenker untersucht werden. Aufwendiger ist die Kontrolle bei keinem Huftier im Zoo Basel. Jahrelang litt der Basler Rentiernachwuchs an den Folgen der Inzucht. Die untergewichtigen Jungen starben meist schon kurz nach der Geburt. Fünf Kilo mindestens muss ein Rentierbaby nach der Geburt auf die Waage bringen, sonst wird das Überleben schwierig. Die Situation änderte sich erst mit der Integration eines neuen Hirsches aus einer Schweizer Zucht. Und wie heisst das Rentier mit dem eindrucksvollen Geweih? Wenker mit einem Lächeln: «Wie jeder andere Rentierbock auf dieser Welt.» Rudolf, klar.
Friedfertig
Rudolf war ein Wunschtransfer. Der Hirsch brachte nicht nur frisches Blut in die Herde, er ist auch pflegeleicht. Während manch einer seiner Vorgänger zu bestimmten Zeiten keinen Wärter in seiner Nähe duldete, nimmt es Rudolf ziemlich gelassen. Offenbar zufrieden ist er mit dem Futter, das man ihm in Basel vorsetzt. Anstelle der energiereichen Flechten, die in der Wildnis den Hauptbestandteil der Rentiernahrung bilden, serviert der Zoo gleich fünf Gänge. Lange haben die Fachleute an der richtigen Mischung getüftelt. In vier grossen Säcken und Töpfen steht die Tagesration: geschüttelte, von Stängeln befreite Luzerne, eingeweichte Rübenschnitze, Mischgemüse und Kraftwürfel. Zudem gibt es im Sommer frisch geschnittenes Gras. Anderes verschmähen die Feinschmecker unter den Huftieren. Weil ihr Maul verletzlich ist und das Gebiss relativ schwach, können die Rentiere mit hartem Futter nichts anfangen. Verschmäht werden auch spezielle Futterwürfel, extra für die Basler Herde entwickelt. Der Zolli gibt sie nun den Giraffen und Okapis, die sich für den Snack begeistern.
Schlachtung. Bereits nach einem Monat beginnt der Nachwuchs damit, Grünzeug zu fressen, sodass er in freier Wildbahn fähig wäre, die langen Wanderungen der Herde mitzumachen. Für die jungen Basler Tiere ist die Zukunft weniger verheissungsvoll. Voraussichtlich im Herbst werden die Männchen geschlachtet und in die Zoo-eigene Nahrungskette eingespiesen. Würden sie in einer Zucht in Lappland aufwachsen, könnte ihnen ein anderes Schicksal blühen. Wenker berichtet von der nordischen Kastrationsmethode. Die funktioniert – einmal an der richtigen Stelle fest zugebissen – ganz ohne Messer oder andere Instrumente. (Basler Zeitung)
Erstellt: 26.03.2010, 14:46 Uhr
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