Basel

Zu Besuch bei einem Dealer

Von Nina Jecker. Aktualisiert am 09.10.2012 11 Kommentare

Roland* versorgt seit über zehn Jahren Basler Kiffer mit Gras, Haschisch und Blütenstaub. Und er ist bei weitem nicht der Einzige.

White Widow. Der Dealer kauft den Stoff fu?r 8500 Franken pro Kilo und schlägt zwei Franken pro Gramm drauf.

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Bild: Nina Jecker

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Er stellt zwei Flaschen Bier auf den Sofatisch, setzt sich und beginnt, einen Joint zu drehen. Roland* empfängt die BaZ bei sich zu Hause, in einer Zweizimmerwohnung in Basel. Ausser einem teuren Fernseher und einem neuen Computer sucht man in der aufgeräumten und zweckmässig eingerichteten Wohnung vergeblich nach Luxusgütern. Ein Streichholz wird angerissen, die ersten Züge des Joints inhaliert. «Magst du?», fragt Roland die Journalistin. Doch diese bleibt lieber beim Bier.

Es klingelt. Ein Kunde steht vor der Türe. Er ist um die 30, gross, Brillen­träger. Er komme direkt von der Arbeit in der Kantonsverwaltung, erzählt er. Weil man sich kennt, gibts ein Bier und natürlich wird gekifft. Dann präsentiert Roland das aktuelle Sortiment – aufbewahrt in einer Kartonkiste neben dem Sofa. B52, Orange Butt, White Widow, Zero-Zero sowie gelber und schwarzer Afghane: So heissen die verschiedenen Sorten Marihuana und Haschisch im Angebot. Das Sortiment wechselt ­laufend, je nachdem, welcher Stoff auf dem Markt in guter Qualität zu haben ist. Will heissen, dass die Droge einen Gehalt des Cannabis-Wirkstoffs THC von mindestens fünf Prozent hat und somit «gut einfährt».

Briefwaage und Gefrierbeutel

Roland ist Mitte 30, blond, schlank, mittelgross. Seit über zehn Jahren dealt er mit Gras, Haschisch und Blütenstaub. Er befindet sich am Ende einer langen Kette von Händlern, verkauft die Produkte an die Endverbraucher, die Basler Kiffer. Nur manchmal nimmt ein Kunde etwas mehr mit, um es seinerseits an Kollegen weiterzugeben.

Für den aktuellen Kunden wiegt ­Roland die Bestellung, sechs Gramm Marihuana der Sorte B52, auf einer Briefwaage ab und packt den Stoff in ein kleines Plastiksäckchen. Die typischen Tütchen gibts im Supermarkt, es handelt sich um simple Gefrierbeutel. Der Käufer legt 50 Franken auf den Tisch, packt den Stoff ein und verabschiedet sich. Jeden Abend klingelt es an Rolands Tür. Davor stehen Leute zwischen 20 und 55 Jahren, darunter ein Türsteher, ein Schreiner, ein Informatiker. 80 Prozent der Kunden sind männlich. Roland beliefert nur Bekannte, etwa fünfzehn Leute kaufen regel­mässig bei ihm ein. «Die ganze Szene in Basel ist seit der Schliessung der Hanfshops so organisiert. Kunde und Verkäufer kennen sich meist gut», sagt er.

«Das meiste stammt aus Holland»

Die Drogen bekommt der Teilzeit-Dealer von einem Bekannten. «Das meiste stammt aus Holland, manchmal ist auch Schweizer Gras dabei.» Das holländische sei aber qualitativ besser. Wer den Stoff über die Grenze bringt, weiss Roland nicht. Zwischen dem Schmuggler und ihm sind drei weitere Personen zwischengeschaltet – jeder einzelne verdient an der Lieferung.

Roland zahlt um die 8500 Franken pro Kilo. Auf jedes Gramm schlägt er im Schnitt zwei Franken drauf. «Im Jahr verdiene ich damit ungefähr 12'000 Franken.» Die meisten Cannabis-Dealer in Basel würden in einer ähnlichen Grössenordnung agieren, alle, die er kenne, hätten daneben noch Jobs. «Ich kenne einen Zahnarzt, der nebenbei Gras vertickt.»

Jeden Tag mehrere Joints

Die Motivation, zu dealen, sei meist der eigene hohe Konsum. «Da hat man sowieso immer grössere Mengen zu Hause. Also kann man gleich mehr ­einkaufen und damit Geld verdienen.» Roland raucht selber täglich vier Joints, das entspricht einem wöchentlichen Gegenwert von rund 50 Franken. Angst vor der Polizei habe er keine. «Ich bewahre jeweils nur etwa zwei Kilogramm zu Hause auf, da rechne ich nicht mit grossem Ärger, sollte ich auffliegen.» Dennoch würde er eine Legalisierung befürworten. «Dann käme ich an noch bessere Qualität heran.»

Nach einer Stunde in Rolands Wohnung ist das Bier ausgetrunken, der zweite Joint fertig geraucht. Beim Weggehen klingelt es erneut. Zwei junge Männer kommen die Treppe hoch. Auch sie werden begrüsst und herein­gebeten. Die Tür geht wieder zu, in der Nase bleibt der würzige Geruch von ­Marihuana.

* Name geändert (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.10.2012, 12:53 Uhr

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11 Kommentare

Beat Bannier

09.10.2012, 16:47 Uhr
Melden 138 Empfehlung 12

Ein Besuch beim Dealer und man trinkt lieber ein Bier, na sowas von Zeitverschwendung. Antworten


Markus Canali

09.10.2012, 22:13 Uhr
Melden 70 Empfehlung 11

Legalisieren wäre der beste Weg. So könnte sogar der Staat etwas verdienen wie beim Alkohol. Der nebst dem, mehr Leid verursacht wie Canabis oder Marihuana. Antworten



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