Basel

«Zum Glück war ich nicht zu Hause»

Von Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 21.08.2012 43 Kommentare

Der Mieter der Wohnung, durch deren Decke die drei Häftlinge flüchteten, ist noch recht mitgenommen vom Vorfall. Er ärgert sich, dass es trotz seiner Hinweise soweit kommen konnte.

1/6 Ausbruch dank Einbruch: Durch die Decke einer Wohnung im ersten Stock der Inneren Margarethenstrasse 24a sind die drei Ausbrecher am 19. August 2012 in die Freiheit gelangt...
Bild: Lukas Bertschmann

   

Gesuchter Ausbrecher: Nebojsa Gicic aus Serbien, Jahrgang 1975, aus Serbien. (Bild: Polizei BS)

Gesuchter Ausbrecher: Dejan Vipic, aus Serbien, Jahrgang 1975. (Bild: Polizei BS)

Gesuchter Ausbrecher: Bojan Strle aus Slowenien, Jahrgang 1979. (Bild: Polizei BS)

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Pascal Suter ist wütend. Vor einer Woche habe er der Gefängnisleitung des Waaghofs mitgeteilt, er höre in den letzten zwei bis drei Wochen gegen Abend wieder ein Kratzen und Hämmern im Innern der Wand – und zwar auf der Seite, wo die Liegenschaft Innere Margarethenstrasse 24a an das Untersuchungsgefängnis grenzt. «Es war unheimlich», so Suter. Es verwundert ihn sehr, dass man dies im Gefängnis selbst nicht habe feststellen können. Gefängnisleiter Jörg Degen bestätigt die Beschwerde gegenüber baz.ch. Trotz mehrerer täglichen Kontrollgängen sei nichts bemerkt worden.

Heimkehr in die verwüstete Wohnung

Als Suter am Sonntag nach 17 Uhr nach Hause kam, staunte er nicht schlecht, als er den Schlüssel im Schloss seiner Wohnungstür nicht drehen konnte – die Tür war offen. «Sie haben meinen Reserveschlüssel gefunden und diesen innen stecken lassen», so der geschädigte Mieter. Als er dann das Loch in der Decke sah, war ihm aber sofort klar, was geschehen war: «Zum Glück war ich nicht zu Hause, als die Gefangenen durch meine Decke brachen!» Er malt sich aus, wie er im Moment aus der Wohnung geflohen wäre, wenn er den ersten Fuss durch die Gipsdecke hätte stossen sehen.

Die Flüchtigen waren aber nicht augenblicklich verschwunden: «Sie haben sich noch bei mir im Badezimmer gewaschen und umgezogen», so Suter. Es hätten zerrissene Plastiktüten mit dem Signet des Waaghofs in der Wohnung gelegen. Die Flüchtenden hätten auch seine Schubladen durchsucht und 400 Franken, 30 Euro sowie die Büchse mit den 20-Rappen-Stücken für die Waschmaschine mitlaufen lassen – und einen Blazer. «Sie haben natürlich ausgerechnet meinen schönsten Kittel genommen. Wieso auch immer bei diesen Temperaturen», sagt Suter und zeigt, dass dennoch seinen Humor nicht verloren hat. Zu allem Unglück, wie er sagt, habe einer noch ein weisses Hemd mit Blut voll getropft. Auch auf dem Fussboden sind überall noch Blutspuren zu sehen. Im Gegenzug haben sie Suter einen Kehrichtsack mit Bauschutt und zerbrochenen Backsteinen im Wohnzimmer zurückgelassen.

Nachbarschafliche Hilfe

Als Suter das Geschehene umgehend der Polizei gemeldet habe, sei er gefragt worden, wieviele denn geflohen seien. «Wissen die denn eigentlich nicht, wie viele fehlen?», ereifert sich der 48-Jährige. Sein Nervenkostüm ist nach der letzten Nacht etwas dünn gepolstert. Er konnte am Abend während Stunden nicht in seine Wohnung, doch sein Nachbar stand im bei. «Auf den Schock hat mich der Nachbar auf ein Bier eingeladen», sagt Suter. Als die vielen Polizisten und Spurensicherer endlich fertig waren, konnte er aber kein Auge zutun.

Beim Einzug in die Zweizimmerwohnung im ersten Stock letzten November, wusste Suter zwar, dass genau hier schon mal Häftlinge in die Freiheit geflohen waren. «Gleich neben dem Loch der aktuellen Flucht, ist zu sehen, wie die Decke geflickt wurde», so Suter. Doch es sei ihm versichert worden, dass etliche bauliche Massnahmen getroffen worden seien und er sich keine Sorgen machen müsse. Er habe daraufhin mit Gefängnisleiter Jörg Degen noch gewitzelt, ob es nicht nötig sei, die Wohnungsdecke mit Metallplatten zu verstärken. Das wäre wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee gewesen, denn nach dem Ausbruch der drei Häftlinge ist Suters Fussboden im Wohnzimmer mit Schutt und Staub überzogen – und das Trio ist über alle Berge. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.08.2012, 17:11 Uhr

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43 Kommentare

Peter Hofer

20.08.2012, 17:39 Uhr
Melden 148 Empfehlung 0

Top Artikel! Spannend und unterhaltsam - gerade richtig für einen heissen Sommertag!
Aber moment mal, das ist doch nicht etwa die Realität ... ?
Antworten


Christian Schaub

20.08.2012, 19:15 Uhr
Melden 135 Empfehlung 0

der Hammer ist ja wohl, dass man den Mieter fragt, wieviele Personen ausgebrochen sind... unsere Justiz, eine Lachnummer sondergleichen. Wann werden hier die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen? Antworten



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