Basler Chaoten feiern die Gewalt

Nach den Ausschreitungen am G-20-Gipfel sind die meisten Krawalltouristen wieder daheim.

«Welcome to Hell».Tausende gewaltbereite Aktivisten lieferten sich Schlachten am Rande des G20-Gipfels. Foto Keystone

«Welcome to Hell».Tausende gewaltbereite Aktivisten lieferten sich Schlachten am Rande des G20-Gipfels. Foto Keystone

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Die Bilanz der Demonstrationen rund um den G-20-Gipfel in Hamburg ist ernüchternd. Fast 500 Polizisten wurden verletzt, viele Geschäfte geplündert. Der Sachschaden der Ausschreitungen unter dem Motto «Welcome to Hell» liegt in Millionenhöhe. 186 Demonstranten nahm die Polizei fest, weitere 225 in Gewahrsam, was einer vorläufigen Festnahme entspricht. Wie die Hamburger Polizei gestern bekannt gab, sind darunter neun Schweizer. Noch ist unklar, ob auch Basler in Haft sitzen – das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten war gestern offenbar noch nicht über die Festnahmen informiert worden.

Fest steht, dass letzte Woche Hunderte G20-Gegner aus der Schweiz nach Hamburg reisten, um zusammen mit Zehntausenden anderen gegen das Treffen von 20 Staatschefs zu demonstrieren. Darunter waren auch Basler. Im Nachgang der Ausschreitungen posteten Anhänger des Revolutionären Aufbaus Basel im Internet Bilder der Ausschreitungen. Zu sehen sind zum Beispiel Vermummte, die Blockaden errichten oder vor brennenden Gegenständen Fahnen mit revolutionären Symbolen schwenken.

Die linksextreme Szene in Hamburg war auf die Krawalltouristen aus dem Ausland vorbereitet. Auf einer eigens für den G-20-Gipfel eingerichteten Webseite fanden diese Infos und Tipps zur Situation in Deutschland. Unter anderem geht es da um das Vorgehen der deutschen Polizei: «Pfefferspray wird sehr häufig eingesetzt, des Weiteren Schlagstöcke und Wasserwerfer mit Reizstoffen, keine Gummigeschosse», heisst es. Ausserdem sollten Anreisende prüfen, ob sie in Deutschland krankenversichert sind.

«Die Ideologie macht sie blind»

Sowieso schienen die linken Aktivisten sehr gut organisiert zu sein. Da war beispielsweise der Sonderzug von Basel nach Hamburg vergangenen Mittwoch, mit dem 210 Personen aus der Schweiz in die Hansestadt fahren wollten. 33 wurde die Einreise nach Deutschland verwehrt. Sofort waren Anwälte zur Stelle, um die Entscheide anzufechten. Für in Hamburg Festge­nommene gibt es nebst einem ­Verhaltensleitfaden die Hotline des Ermittlungs-Ausschusses, der kostenlos anwaltschaftliche Unterstützung organisiert. Verletzten Aktivisten stand während der Ausschreitungen zudem ein breites Netz an inoffiziellen Sanitätsstützpunkten zur Verfügung.

Der Basler Extremismusexperte Samuel Althof bestätigt: «Die linksextreme Szene ist sehr gut organisiert.» Dass die Situation in Hamburg zufällig eskaliert ist, glaubt er nicht. «Während rechtsextreme Gewalt punktuell auftritt, folgen Linksextreme einer klaren Gewaltprogrammatik.» Angegriffen werden sollen etwa Banken, gewisse Firmen und die Polizei. Zur Ideologie gehört, Polizisten als Teil des feindlichen Systems zu sehen und damit zu entmenschlichen. «Die linken Aktivisten kämpfen in ihren Augen also nicht gegen Menschen, sondern ein System.»

Über die Basler Szene kann Althof sich nicht im Detail äussern. Sie sei unterschiedlich gross, habe eine starke Fluktuation und sei sehr konspirativ, daher schwer einzuschätzen. Der Revolutionäre Aufbau sei eher in Zürich und Bern daheim, in Basel hingegen eher klein und die Mitglieder meist schon älter. «Sie probieren aber immer wieder, Junge für ihre Sache zu begeistern.» Es gelte auch innerhalb des sogenannten Schwarzen Blocks, der an Demos vermummt und militant auftritt, zwischen Linksextremen, Plünderern und einfachen Gewaltfans zu unterscheiden.

Von härteren Strafen für Chaoten, wie sie die SVP fordert, verspricht Althof sich nichts. «Linksextreme glauben an eine Ideologie und sind dadurch blind. Vor Konsequenzen schrecken sie nicht zurück.» Das lassen auch Worte auf der Facebook-Seite des Revolutionären Aufbaus Basel erahnen: Sinngemäss steht da, Hamburg sei nur Teil des Kampfes gewesen, der weitergehe, Tag für Tag.

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Lassen sich Gewaltexzesse wie beim G20-Gipfel in Hamburg durch härtere Strafen verhindern?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 11.07.2017, 07:14 Uhr

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