Das Beben kann Urs Fischers grosse Chance sein

Vieles deutet darauf hin, dass der Trainer des FC Basel im Juni gehen muss – aber nicht alles.

Souveräner Leader in der Liga – und umstritten. FCB-Trainer Urs Fischer steht im Zentrum der Spekulationen.

Souveräner Leader in der Liga – und umstritten. FCB-Trainer Urs Fischer steht im Zentrum der Spekulationen. Bild: Keystone

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Etwas verwirrt blickt ganz Fussball-­Basel auf das aufregendste Wochenende seit Jahren zurück. Präsident Bernhard Heusler und seine gesamte Crew gehen, Bernhard Burgener kommt. Und bringt frische Kräfte mit, die den FC Basel sportlich neu ausrichten.

Wie viel Kraft dieser FCB hat, wie viele Menschen er bewegt, wie hoch die Wellen der Empörung oder der Freude auch immer gehen: Sie bringen eindrücklich zum Ausdruck, in welcher Fussball-Hochburg die rotblauen Herzen zu Hause sind, wie tief die Verbundenheit der Stadt mit ihrem Club ist.

Während die meisten noch nach Luft japsen und nicht begreifen können, warum nun plötzlich alles so schnell gehen muss, zeichnet sich das Konzept ab, das Bernhard Burgener, der intelligente und erfolgreiche Mister Undercover, Anfang März auf den Tisch legen wird. In seinen Plänen spielen Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni die Hauptrollen im Tages­geschäft.

Obwohl noch nichts unterschrieben oder von einem Gremium durchgewunken worden ist, leuchtet bereits jetzt die nächste Königsfrage am rotblauen Himmel: Ist Urs Fischer auch in den Augen der neuen Clubführung der richtige Mann auf der Trainerbank? Ginge es streng nach der Dynamik des Augenblicks und betrachtet man die Ideen und Werte, die Typen wie Streller, Frei oder Ceccaroni in den letzten Jahren verkörpert haben, lässt dies nur einen Schluss zu: Nach zwei Jahren und zwei Meistertiteln wird Fischer im Juni seine Zukunft hinter sich haben und trotz Vertrag bis 2018 – der sich dank dem Titel verlängern wird – gehen müssen.

Frei und Streller stehen für Mut

Marco Streller und Alex Frei, die einst so begnadeten Stürmer in Rotblau, haben auf Profiebene Unmengen Tore geschossen. Zeit ihrer Karrieren standen sie für offensiven Fussball. Sie liebten das Risiko. «Ich habe es gerne, wenn ein Team hoch steht und den Gegner presst», sagte Streller im Herbst während eines verpatzten Champions-­League-Abends in die Mikrofone des Schweizer Fernsehens. Es klang wie eine Abrechnung mit Fischer, der für vieles steht, nur nicht für mutigen Fussball.

Alex Frei setzte einst in Rennes alles auf eine Karte, als er ins Büro seines Trainers Laszlo Bölöni stürmte und sagte: «Geben Sie mir fünf Spiele. Wenn ich in diesen Matches nicht zu Ihrer Zufriedenheit spiele, nehme ich meinen Vertrag, zerreisse ihn und kehre in die Schweiz zurück.» Frei schaffte das Wunder, aus dem Reservisten wurde ein Torschützenkönig in Frankreich und der Schweizer Nationalelf.

Und Massimo Ceccaroni? Der einstige Publikumsliebling hat in den letzten Jahren nichts anders gemacht, als junge Fussballer auszubilden und ihre Karrieren weiterzuentwickeln. Wenn Urs Fischer beim FC Basel etwas nicht bewiesen hat, dann, dass er junge Fussballer ausbilden und ihre Karrieren entwickeln kann. Fischer ist ein sehr guter Trainer für die Super League, aber im Kern nicht mehr als ein zuverlässiger Verwalter; ganz sicher kein Entwickler.

Auch das Momentum würde im Juni für einen Neuanfang auf dem Trainerposten sprechen – erst dann könnte man von einem Neustart auf allen Ebenen sprechen, auf den sich alle freuen. Verlockend bei diesem Gedanken ist für die neue Crew die Tatsache, dass die Mehrheit der rotblauen Supporter bei Fischers Abgang erst noch applaudieren würde. Die Herzen der Fans hat der Smalltownboy bis heute nicht erobert.

Mit der Inthronisierung des Quartetts Burgener-Streller-Frei-Ceccaroni wird sich das Jobprofil des Cheftrainers grundsätzlich verändern, das ist klar. Die Durchlässigkeit zwischen Profi- und Nachwuchs­abteilung soll höher werden, es braucht mehr Identität, das Team ist momentan zu international. Vor allem braucht es wieder stärkere Charaktere zwischen den Strafräumen, Profis mit Profil, Flugzeugträger, keine Segelflieger, die Leidenschaft verbreiten und den Funken zum Publikum zünden. Demütige Dauerläufer, die rennen und grätschen, hat es genug.

Trainermarkt gibt nicht viel her

Wer nun jedoch davon ausgeht, dass Fischers Schicksal besiegelt ist, der irrt sich. Die Königsfrage ist im neuen Gremium erst unter Kollegen bei einem Kaffee besprochen worden, mehr nicht. Zu viel Neuanfang kann im Joggeli auch kontraproduktiv sein. Streller ist als Sportdirektor ein Grünschnabel. Fischer wird in zwei Jahren zwei Meistertitel eingefahren haben, beide mit klarem Abstand, das spricht für seine tägliche Arbeit auf dem Platz. Das Beben in der Führungsetage kann daher seine grosse Chance werden.

Der Druck auf Streller & Co. wird sehr früh sehr gross, wenn keine valable Alternative präsentiert wird. Hand aufs Herz – viel gibt der Schweizer Trainermarkt momentan nicht her. Die interessanteste Option ist Adi Hütter von den Young Boys. Der Österreicher lässt in Bern jenen Offensiv­fussball spielen, den sie in Basel im Herbst vermisst haben. Doch mehr als ein Gedankenspiel ist Hütter aktuell nicht.

Deshalb hat Fischer intakte Chancen, im Sommer in sein drittes Jahr zu steigen. Noch bleiben ihm 15 Liga-Spiele sowie der Cup, um seine Kritiker Lügen zu strafen. Er steht unter strenger Beobachtung von Burgener, Streller, Frei und Ceccaroni. Der Frühling wird spannend. marcel.rohr@baz.ch (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.02.2017, 07:39 Uhr

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