Die Zahl der Studierenden stagniert

Die Universität Basel muss sich 2016 auf eine Konsolidierung beschränken.

«An der unteren Grenze eines idealen Umfangs.» In der Strategie setzte sich die Uni höhere Ziele.

«An der unteren Grenze eines idealen Umfangs.» In der Strategie setzte sich die Uni höhere Ziele. Bild: Christoph Stulz

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Die Wachstumsstrategie der Universität Basel ist definitiv ins ­Stocken geraten: Auch im dritten Jahr der Leistungsperiode 2014–2017 ist die Universität Basel nur leicht gewachsen. 12 852 Studierende und Doktorierende waren im vergangenen Jahr immatrikuliert, nur 123 mehr als im Vorjahr. Dies geht aus dem letzte Woche veröffentlichten Jahresbericht der Universität Basel hervor (BaZ vom 13. April). Die in der Strategie 2014 formulierte Zielsetzung einer moderaten Wachstumspolitik erfüllte sich damit nicht. Dies dürfte vor allem dem finanziell gebeutelten Kanton Baselland entgegenkommen. Finanziell schloss die Universität Basel mit einem Minus von 0,6 Millionen Franken ab.

Die Entwicklung der Zahl der Studierenden entspricht dem Szenario Midi, auf das sich die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland geeinigt hatten. Die Universität selber strebte ein stärkeres Wachstum an. Die Zahl von gegen 13 000 Studierenden liegt «an der unteren Grenze eines idealen Umfangs», wie es in der Strategie 2014–2021 der Universität heisst.

Stagnation akzeptiert

Realistischerweise setzte die Universität in der Strategie auch nicht auf ein inländisches Wachstum. «Deshalb gilt es, eine moderate Wachstumspolitik zu verfolgen, welche die Attraktivität der Universität Basel auch für ausländische Studierende insbesondere auf Master- und Doktoratsebene stärkt», heisst es in der Strategie. Letzteres ist durchaus umgesetzt: 49,9 Prozent der für die Universität so wertvollen Doktorierenden stammen aus dem Ausland. Insgesamt ist die Zahl der Bachelor-Studierenden leicht zurückgegangen, während die Zahl der Master- und Doktoratsstudierenden leicht angestiegen ist.

Die eingetretene Stagnation wird vom Universitätsrat akzeptiert. «Die Universität anerkennt die aktuell schwierige Finanzlage des Kantons Baselland», schreibt Präsident Ulrich Vischer in seinem Grusswort zum Jahresbericht. Die Universität werde sich auch in der nächsten Leistungsperiode «zur Decke strecken». Gleichzeitig stellt Vischer aber auch klar, dass die Universität Basel ab 2022 wieder mehr finanzielle Mittel braucht. Nach mehreren Jahren der Stagnation brauche es ab 2022 wieder einen Globalbeitrag, «der die Weiterentwicklung der Universität Basel erlaubt».

2016 resultiert ein Minus von 0,6 Millionen Franken, bei einem Aufwand von 753 Millionen Franken. Die Rechnung enthält dabei 19,5 Millionen Franken an Sonderbeiträgen für die Pensionskasse. 361 Millionen Franken tragen die beiden Trägerkantone zum Ergebnis bei, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. 103 Millionen steuert der Bund bei, 75 Millionen kommen von den übrigen Kantonen. Die Semester­gebühren der Studierenden brachten nur gerade 18 Millionen Franken ein.

147 Millionen Franken, leicht weniger als im Vorjahr, trugen Dritte für konkrete Projekte bei, darin eingeschlossen die Leistungen des Schweizerischen Nationalfonds. Gemäss einem Fact­sheet der Universität, das den Jahresbericht begleitet, ist dies das beste Resultat aller Schweizer Universitäten, nämlich 765 100 Franken pro Professur. Dabei hat die Universität allerdings einen Trick angewendet. In der von der FDP Baselland in Auftrag gegebenen Studie des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) hatte es die Universität Basel mit diesem Drittmittel-Betrag nur auf Rang sieben geschafft.

Hohe Wertschöpfung

Anders als die Universität selber stellte die IWSB-Studie die Zahl nicht in Bezug auf die Anzahl Professuren, sondern auf die Anzahl Vollzeitstellen – um die Forderung nach stärkeren Bemühungen um Drittmittel aufzustellen. Nun, im Verhältnis zur Zahl der Professuren liegt Basel tatsächlich sogar vor der ETH Zürich und der ETH Lausanne.

Am wichtigsten erscheint der Uni ohnehin die qualitative Leistung. Sie habe ihr Profil geschärft, schreibt Präsident Vischer. Im Jahresbericht wird insbesondere auf die Initiative «Perso­nalized Health Basel» hingewiesen, einen strategischen Schwerpunkt im zukunfts­­trächtigen Gebiet der personalisierten Medizin, bei dem insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Basel und Zürich von Bedeutung ist.

Mit Blick auf die politische Debatte weist die Uni ausserdem in einem Factsheet auf die Wertschöpfung in den beiden Basel hin. Gemäss einer Studie von BAK Basel schafft die Uni eine Bruttowertschöpfung von 743 Millionen, was einem Faktor drei der Aufwendung entspricht. 5850 Arbeitsplätze sind in der Region damit verbunden.

Umfrage

Die Wachstumsstrategie der Universität ist ins Stocken geraten. Soll die Uni deshalb ihr Konzept anpassen?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 20.04.2017, 07:26 Uhr

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