In den Ruinen des bürgerlichen Basel

Der zweite Wahlgang rettet Baschi Dürr – aber nur ihn allein. Die SVP hatte offensichtlich den schwächsten ­Kandidaten und verdurstet in der Wüste der Regierungslosen.

Baschi Dürr, der unglückliche Sicherheits­direktor, entging nur knapp der Abwahl.

Baschi Dürr, der unglückliche Sicherheits­direktor, entging nur knapp der Abwahl. Bild: Keystone

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In diesen Stunden der Niederlage muss man ehrlich sein: Die Bürgerlichen, und zu denen zähle ich mich, haben sämtliche Wahlziele, die sie sich gegeben hatten, nicht erreicht. Man strebte in Basel-Stadt eine bürgerliche Wende an, und zwar sowohl im Grossen Rat als auch im Regierungsrat, man stellte einen Kandidaten fürs Regierungs­präsidium, mit der Absicht, dieses undankbare, aber prestigereiche Amt der Linken zu entreissen, man schloss sich zum ersten Mal zusammen und suchte den Schulterschluss – und fand gemeinsam das Desaster. Die FDP ist dezimiert, die Mehrheit glitzert in ­weiter Ferne, die SVP, obwohl stärkste bürgerliche Kraft im Kanton, hatte offensichtlich den schwächsten ­Kandidaten und verdurstet in der Wüste der Regierungslosen. Baschi Dürr schliesslich, der unglückliche Sicherheits­direktor, entging nur knapp der Abwahl. Vom Präsidium redet ohnehin niemand mehr, es scheint für immer den Grünen zu gehören. Man sprach von vielem und erzielte nichts.

Dumme BaZ

Gibt es Ursachen? Gibt es Schuldige? Gewiss, es mag für die bürgerliche Sache nicht hilfreich gewesen sein, dass wir von der Basler Zeitung Baschi Dürr, den Freisinnigen, so hart untersucht haben – doch hätten wir es nicht getan, wäre uns zu Recht der Vorwurf gemacht worden, parteipolitisch motiviert zu recherchieren: Wenn es uns passt, bohren wir unerbittlich, wenn es uns widerstrebt, blicken wir weg. Das mögen andere tun – wir tun es nie. Hilfreicher für die Bürgerlichen wäre in diesem Zusammenhang aber bestimmt gewesen, wenn Baschi Dürr die Fehler, die ihm unterlaufen waren, rechtzeitig korrigiert hätte, statt sie zu bagatellisieren oder zu beschweigen. Wenn für die Polizeiaffäre jemand verantwortlich war, dann Dürr – und kein anderer.

Doch Wahlen werden nicht verloren, weil ein einzelner Kandidat Fehler begeht. Chancen werden auch nicht verspielt, weil man Spassismus statt Substanz bietet – Wahlen werden ver­loren, weil man vier Jahre lang versagt. Versagt haben die Bürgerlichen, weil es dem unbefangenen Wähler nie ganz klar war, was denn die Alternative wäre zum rot-grünen Regiment – man hat es vier Jahre lang versäumt, das klarzumachen. Kurz vor den Wahlen herauszustreichen, was man als Bürgerlicher anders tun würde, reicht nicht; obschon zuzugeben ist, dass die ­Bürgerlichen nicht einmal das zustande brachten. Der Spassismus der vier ­jungen Schwiegersöhne aus bürger­lichem Hause verdeckte ein ernsthafteres Problem: Den drei bürgerlichen Regierungsräten im Amt war vier Jahre lang zuvor nicht viel gelungen, was man als besonders bürgerlich hätte bezeichnen müssen.

Machte es überhaupt einen Unterschied, dass sie an der Sitzung der Regierung sassen und sich am Ende überstimmen liessen? Oder dienten sie der Linken nicht eher dazu, ihre Alleinherrschaft zu bemänteln? Von bürger­lichen Akzenten, von bürgerlichem Widerstand, von liberalen Prinzipien, die man bis zum letzten Blutstropfen verteidigt hätte, um dann ehrenvoll massakriert zu werden: Davon war wenig zu sehen und zu spüren. Ein gutes Beispiel ist Christoph Eymann, der abtretende Bildungsdirektor von den Liberalen, der seit Jahren eine Bildungspolitik betreibt, die kein Sozialdemokrat sozialdemokratischer gestalten könnte. Warum also bürgerlich wählen, wenn sowieso alles links bleibt?

Ehre, wem Ehre gebührt

Basel tickt links – damit haben sich die Bürgerlichen längst abgefunden, es scheint sie gar nicht mehr zu quälen, ja zuweilen beschleicht mich der Verdacht, man habe den Sieg gar nicht richtig gewollt, weil man in einem ­solchen Fall nämlich in der Verantwortung gestanden hätte. Was für ein bedrohlicher Gedanke: Alles, was in Basel-Stadt in Zukunft nicht sehr ­bürgerlich ausgefallen wäre, hätte man den Bürgerlichen anlasten müssen. Heute dagegen nach einer weiteren ­fulminanten Niederlage lebt es sich für die drei jungen Bürgerlichen in der Regierung bequemer: Die Linke nimmt, die Linke gibt, die Linke ist schuld.

Deshalb zum Schluss ein Wort zu den Siegern. Es gibt nichts Über­zeugenderes als einen Sieg – wes­wegen ich mich hier für ein Mal zurückhalte. Wer eine monatelange Kampagne der BaZ gegen sich überlebt, wie etwa der unzerstörbare Hans-Peter Wessels, ­verdient jeden Respekt. Das Gleiche gilt für Eva Herzog und ­Christoph ­Brutschin, die wir in der Regel genauso wenig ­schonen wie Baschi Dürr oder Sebastian Frehner. ­Offensichtlich macht es die Linke in Basel gut – aus meiner Sicht kommt es zwar nicht gut, aber das ist heute nicht das Thema. Die Linke kann noch ­einmal vier Jahre lang zeigen und ­prägen, was sie unter einem erfolg­reichen Basel versteht. Wir wünschen viel Glück. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.11.2016, 22:15 Uhr

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