nt/Areal – Die Party geht vorerst weiter

In den Nächten auf Samstag und Sonntag wird die Erlenmattstrasse geschlossen. Damit soll verhindert werden, dass lärmende Partybesucher die Bewohner der Erlentor-Überbauung stören.

Partyzone: Drei Zugänge bleiben offen, die Erlenstrasse wird gesperrt. (Karte: BaZ/reh)

Partyzone: Drei Zugänge bleiben offen, die Erlenstrasse wird gesperrt. (Karte: BaZ/reh)

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Wenn die Besucherzahlen Rekordhöhen erklimmen, dann freuen sich Barbetreiber und Partyveranstalter normalerweise. Nicht so auf der Erlenmatt. «Es war nie das Ziel, derart viele Leute anzuziehen, wir waren darauf nicht vorbereitet», sagt Cécile Grieder, welche die Sonnendeck-Bar auf dem nt/Areal betreibt. Aus dem subkulturellen Freiraum ist längst ein Massenbetrieb geworden.

Diesen Sommer ist der Besucherzustrom besonders gross. «Schuld» daran ist offenbar der neue Citybeach auf dem Messeparkplatz. Dieser schliesst jeweils um 24 Uhr – und danach pilgert das Partyvolk in Scharen auf das nt/Areal. An schönen Wochenenden bevölkern mehr als 2000 Menschen die Erlenmatt. Das sorgt für Probleme. Denn diesen Monat sind die ersten Mieter im Erlentor eingezogen. Da waren Lärmklagen programmiert.

Rasche, gemeinsame Reaktion

Die Reaktion darauf erfolgt rasch – und es ist eine gemeinsame Reaktion der Basler Behörden, der diversen Veranstalter auf der Erlenmatt und der Vivico Real Estate GmbH, der grössten Grundeigentümerin auf dem Areal. «Wir waren uns einig: Diesen Zustand können wir nicht akzeptieren», sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements.

Entschärft werden soll der Lärmkonflikt mit einer Strassensperre. Künftig bleibt an den Wochenenden jeweils ab Mitternacht die Erlenmattstrasse geschlossen. Denn dort steht die neue Erlentor-Überbauung – und über diese Strasse verliess bislang der Grossteil der Partybesucher das Areal. Keller ist überzeugt, dass mit der Strassensperre das Erlenmatt-Quartier beruhigt werden kann.

«Die Anwohner stören sich jedenfalls nicht an den Veranstaltungen, sondern an den Dutzendschaften von Leuten, die zwischen zwei und sechs Uhr morgens lärmend durch ihre Strasse ziehen.» Zusätzlich angestelltes Sicherheitspersonal soll dafür sorgen, dass die Strassensperre respektiert wird. Die Partybesucher können das Areal durch drei alternative Eingänge betreten, wo sie keine Anwohner stören (siehe Karte).

Keine Radikallösung

Damit haben sich die Basler Behörden für eine sanfte Problemlösung entschieden. Im Raum stand in den vergangenen Tagen auch eine Einschränkung des nächtlichen Kulturbetriebs. Nun darf die Party auf der Erlenmatt vorerst weitergehen. Denn Basels Behörden wollen, dass das nt/Areal kulturell genutzt wird. «Der Betrieb auf dem Areal soll weiterhin möglich sein», sagt Keller und betont: «Es gibt keinerlei Konflikte zwischen der Verwaltung und den Veranstaltern auf dem Areal.» Dies bezeuge das gemeinsame Vorgehen bei der Lärmbekämpfung.

Tatsächlich steht auch Dominik Bissegger vom Restaurant Erlkönig hinter den Massnahmen. «Diese könnten bei unseren Besuchern das Bewusstsein schärfen, dass wir Sorge tragen müssen zum Areal.» Andernfalls, so befürchtet er, «wird es den Ort so bald nicht mehr geben.» Die Sperrung der Erlenmattstrasse ist denn auch eine Massnahme auf Bewährung. «Nach jedem Wochenende evaluieren wir die Situation», sagt Keller: Falls sich die Situation nicht entschärft, könnte der Open-Air-Betrieb auf der Erlenmatte schneller zu Ende sein, als den Partybesuchern lieb ist.

Den Tageskommentar zum Thema können Sie in der Basler Zeitung von Donnerstag lesen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.09.2009, 10:46 Uhr

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12 KOMMENTARE

Ran J. Suter

30.07.2009, 20:35 Uhr

Eine interessante Geschäftsidee, Saufen als Kultur verpackt zu verkaufen. Und die Freilufturinierer sollen wohl den Rasen pflegen? Flaschenscherben als kontemporäre Bodeninstallation? Auf einmal haben alle Betreiber Verständnis mit den Einwohnern? Das wird nicht mehr lange benötigt.


Frank Wenzel

30.07.2009, 19:57 Uhr

"Basel, die Schlafstadt" - das höre ich nun schon seit 15 Jahren, habe es früher auch selber gesagt. Tatsache ist, dass zu oft Publikum dann fehlt, wenn es wichtig wäre. Die Frage ist auch: wer ruft? Partypeople, die den Effekt einer funktionierenden, kommerziellen, glamourösen Party herbeisehnen? Oder (Sub-)Kulturinteressierte, die zwischen Töggelikasten und Avantgarde erst glücklich werden.


Dominique Laleg

30.07.2009, 19:02 Uhr

Das NT-Areal ist in meinen Augen schon seit Jahren von der "alternativ" subkulturellen Insel zur völligen Mainstream Party Location geworden. Vor knapp 10 Jahren tolle Stimmung heute massentauglich wie jedes x beliebige Lokal. Es wird höchste Zeit, dass sich die "alternative" Szene einen anderen Ort sucht. (Deshalb heisst sie nämlich "alternative" Szene.) In jedem Ende liegt ein neuer Anfang


pat jenny

30.07.2009, 15:08 Uhr

quatsch; Basel die Schlafstadt! von wegen !!! klar ist : das nt-Areal ist eine kulturelle bereicherung. wenn es nicht möglich ist den lärm um 24.00 zu drosseln, muss dann halt schluss sein. aber schuld an alle dem ist die planung der stadt-verwaltung, der schlechte masterplan und die planer der wohnsiedlung. hrn. waldner geb ich recht : gut konstruktive lösung so !


Doris Eggenschwyler

30.07.2009, 15:00 Uhr

Die vergnügten Leute vom nt-Areal sind leider offensichtlich unwichtig für die Wirtschaft. Warum sonst werden wegen ein paar Lärmklagen einiger neuer Anwohner am Wochenende sofort Massnahmen ergriffen, während am andern Ende der Stadt trotz mehrerer Tausend Reklamtionen wegen dem Fluglärm einfach nichts geschieht?


Carlos Pérez

30.07.2009, 14:38 Uhr

Diejenigen, die Ruhe wollen, sollen aufs Land ziehen. Da ist es schön ruhig und gemütlich. Wieder einmal typisch Basel. Basel die Schlafstadt!


Peter Waldner

30.07.2009, 14:11 Uhr

Erfreulich konstruktive Lösung! Endlich mal gab es den "sofort-verbieten-"Reflex für einmal nicht. Dass in Basel nach wie vor keine gute, bleibende Lösung für diese Art von Kultur besteht, darf darüber nicht vergessen gehen. 2'000 Menschen an einem Wochenende können sich nicht täuschen! Vergleicht man mit (guten!) Investitionen der Stadt in "andere" Kulturbereiche, wird der Mangel überdeutlich!


Stephan Gassmann

30.07.2009, 14:01 Uhr

@S. Perrier und P Müller; Von anfang war klar, dass es auf dem nt/Areal nur eine Zwischennutzung geben wird. Das wussten auch die Betreiber. Dies wurde auch im Abstimmungskampf sokommuniziert. Die Betreiber wissen also schon lange, dass es einmal fertig sein wird. Die Erlenmatt-Überbauung will bewusst gehobenen Wohnraum anbieten. Auch diesen Teil der Bevölkerung braucht Basel!


Michael Trümmer

30.07.2009, 13:47 Uhr

Gibt's doch nicht. Es wird eine Wohnsiedlung neben einem etablierten Ausgeh-Ort gebaut und die Anwohner sind nun von den lauten Alkoholikern überrascht. Wobei manche der letzteren wirklich lernen sollten, sich zu benehmen.


Abdul R. Furrer

30.07.2009, 12:02 Uhr

Wenn die "guten neuen Steuerzahler" der Erlenmatt - welche notabene wussten, was sie erwartet - hüsteln, werden flugs Massnahmen ergriffen. Die "alten" Anwohner der Brombacher- und Horburgstrasse samt angrenzenden Nebenstrassen, welche jedes Wochenende von grölenden Heimkehrern aus dem Schlaf gerissen werden, sind hingegen keine Intervention wert, werden als lästige Nörgler betrachtet. Danke !


Serge Perrier

30.07.2009, 10:24 Uhr

Wieso baut man an so einen Ort eine neue Wohnsiedlung? Das nt Areal war ein Gebiet in dem man bisher feiern konnte ohne jemanden dabei zu stören, was in dieser Stadt nahezu unvorstellbar ist. Nun wurde auch dieses Refugium der Jugendkultur zerstört. Den Kürzeren ziehen definitiv immer die Jungen. Sie scheinen ihre Interessen nicht durchsetzen zu können.


Peter Müller

30.07.2009, 10:23 Uhr

Das ist schon amüsant: Da ziehen Reiche in schöne neue Luxuswohnungen, die damit werben urban und trendy zu sein. Und noch vor sie einziehen beklagen sie sich über den Lärm des wohl urbansten und trendigsten Teil der Stadt. Und die Reaktion? Die nächtlichen Besucher sollen am Riehenring lärmen, wo die Leute noch nichts wussten von NT als sie hinzogen, aber halt nicht gleich reich und umworben sind



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