Turnschuhe gegen die UBS
Kundgebung: Die Demonstranten zogen gestern Abend vom Barfüsserplatz via Freie Strasse und Mittlere Brücke zum Claraplatz. Foto: Henry Muchenberger
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Bei jedem anderen Anlass in dieser Stadt müsste man spätestens heute von einer Tradition reden. Was bei einer Anti-WEF-Demo natürlich nicht geht. Doch Ritualcharakter, das hat der jähr- liche Stopp der Demonstranten beim Bankenplatz ganz sicher. Die Rollläden der UBS sind unten (wie jedes Jahr), per Megafon werden der Kapitalismus im Allgemeinen und die Boni im Spezi- ellen gegeisselt – und das Grüppchen schwarzvermummter Menschen im vorderen Teil des Demonstrationszugs beginnt auf die Bank loszurennen. Eben, wie jedes Jahr. Neu – und bei- nahe schon orginiell – waren am Mitt- wochabend die Wurfgegegenstände, mit denen die Demonstranten gegen die Bank vorgingen. Nach dem Vorbild des irakischen Journalisten, der bei ei- ner Pressekonferenz in Bagdad George W. Bush mit seinen Schuhen bewarf (und verfehlte), warfen die Demons- tranten Turnschuhe, Absatzschuhe und Halbschuhe gegen das UBS-Gebäude (und trafen). Dazu flogen einige Farb- beutel, und ein akrobatisch begabter Demonstrant löschte das Licht der UBS- Werbetafel über dem Eingangstor der Bank mit einem Fusstritt.
Friedlicher Umzug
Zwei Stunden danach – auch das hat fast schon rituel- le Züge – war von den Beschädigungen am Gebäude nichts mehr zu sehen. Län- ger hält da wahrscheinlich die Parole «Wipe out WEF», die während des Stopps auf dem Marktplatz ans Rathaus gesprüht wurde. Abgesehen von diesen Zwischenfäl- len blieb die Demonstration friedlich. Kurz nach 18.30 Uhr zogen rund 400 Menschen (die Organisatoren sprachen von 500) vom Barfi über den Banken- platz, die Freie Strasse hinunter und über die Mittlere Brücke zum Clara- platz, wo sich die Kundgebung kurz nach 20 Uhr auflöste. Via Megafon und mit Sprechchören brachten die Teilneh- mer ihre Anliegen unter die Leute: Kampf dem WEF, Kampf dem Kapitalis- mus, Kampf den Kriegstreibern. Die Polizei hielt sich während der Demonstration im Hintergrund. «Das war unsere Absicht», sagte Sicherheits- direktor Hanspeter Gass (FDP) nach der Kundgebung auf dem Claraplatz. Man habe nicht unnötig provozieren wollen. Gass hatte die Demonstration während der gesamten Dauer begleitet und machte einen zufriedenen Ein- druck. Genau wie sein Polizeikomman- dant ad interim, Rolf Meyer, der sich nach dem Einsatz in der Clarastrasse einen Imbiss gönnte: «So muss das sein. So sind alle glücklich», sagte er und nahm einen weiteren herzhaften Biss von seinem Dürüm.
Das Gesuch für die Bewilligung der Demo hatte BastA!-Grossrat Urs Müller eingereicht. Er begleitete den Zug an der Spitze und war – wie die Vertreter des Sicherheitsdepartements – zufrie- den mit der Demonstration. «Wir haben gezeigt, dass eine solche Demo in einem vernünftigen Rahmen in Basel durch- geführt werden kann.»
Überwachung aus der Luft
Die Kundgebung in der Innenstadt hatte auch Auswirkun- gen auf die Menschen in den Aussen- quartieren. Um die Demo besser über- wachen zu können, hatte die Polizei bei der Armee einen Helikopter bestellt, der während zwei Stunden Kreise über der Stadt zog. Eher mühsam war auch die Situation im ö fentlichen Verkehr: Wäh- rend der Demonstration waren die In- nenstadt-Linien unterbrochen, und auch bei den Trams ausserhalb soll es zu län- geren Wartezeiten gekommen sein, wie verschiedene Anwohner gestern Abend der BaZ meldeten. (Basler Zeitung)
Erstellt: 29.01.2009, 11:26 Uhr
Basel
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