Telebasel gibt es jetzt zum Lesen

Eine Verordnung des Bundesamts für Kommunikation verlangt Untertitel bei Regionalsendern. Für Telebasel bedeutet das massive Mehrkosten.

Eine grosse Umstellung bei Telebasel. Ab April werden die Hauptnews beim Regionalsender mit Untertiteln versehen.

Eine grosse Umstellung bei Telebasel. Ab April werden die Hauptnews beim Regionalsender mit Untertiteln versehen. Bild: Lucian Hunziker

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Wer zahlt, befiehlt. Das zeigt sich jetzt auch beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom), das einige Regionalfernsehsender mit Gebührengeldern unterstützt. Es verlangt nun von Telebasel, seine Hauptnachrichten ab der ersten Wiederholung mit hochdeutschen Untertiteln zu versehen. Bereits vor einem Jahr gab es beim Regionalsender Telebasel eine grosse Umstellung im Programm, der Fokus wurde auf digitale News für Online- und App-Nutzer gelegt, dafür wurde das altbewährte «7 vor 7» ersetzt. Mit der Untertitelung steht ab April die nächste grosse Veränderung an.

2015 hatte das Schweizer Stimmvolk Ja zur Revision des Radio- und Fernsehgesetzes gesagt. Damit wurde nicht nur die Billag für alle Schweizer Haushalte Pflicht, sondern es gab auch neue Vorschriften für die 13 vom Bund unterstützten Regionalfernsehsender. Telebasel profitiert seit 2008 von den Konzessionen, rund 30 Prozent des jährlichen Budgets (8,5 Millionen Franken) kommt aus dem Topf des Staates. Mit dem Gesetz zur Untertitelung von Hauptnachrichtensendungen kommt der Bund Forderungen des Gehörlosenverbands nach. Hörbehinderte Menschen sollen mit diesen Massnahmen besser integriert werden, wie das Bundesamt für Kommunikation mitteilt.

Grosser Mehraufwand

Was bedeutet dies nun konkret für Telebasel? Laut Dominik Prétôt, Ge­schäftsführer des Senders, vor allem viel Aufwand für den Betrieb. Das Personal musste aufgestockt, bestehende Mitarbeiter mussten ausgebildet und neue Computerprogramme angeschafft werden. Ausserdem bedeutet die Bestimmung einen erheblichen Zeitdruck bei der Produktion der Sendungen. Die Hauptnachrichten sendet Telebasel jeden Tag um 19 Uhr, um 20 Uhr wird die erste Wiederholung ausgestrahlt. Besonders aktuelle Berichte der Nachrichten werden erst kurz vor der Erstausstrahlung fertiggestellt. So muss ein Teil der Nachrichtensendung in einer einzigen Stunde übersetzt und untertitelt werden.

Laut Prétôt habe sein Sender den Aufwand der Untertitelung anfangs deutlich unterschätzt. Erst in der momentan laufenden Probezeit wurde klar, was für eine Belastung und welchen Zeitdruck die Untertitelung für den Sender wirklich bedeuten.

Zusatzarbeit bedeutet natürlich auch Mehrkosten. Alleine die Anschaffung von Software und Material löste laut Prétôt Kosten im hohen fünfstelligen Bereich aus. Hinzu kommen dann noch die laufenden höheren Personalkosten: Für die Untertitelung setzt Telebasel täglich einen zusätzlichen halben Arbeitstag ein. Die Kosten werden mit den Billag-Gebührengeldern gedeckt.

Eine Inhouse-Lösung

Freiwillig hätte Telebasel die neue Bakom-Bestimmung nicht eingeführt. Wie der Telebasel-Geschäftsleiter an­deutet, habe man der Regelung des Bundes nicht ausweichen können. Die Frage, wie Prétôt ausführt, sei höchstens gewesen, ob die ganze Untertitelung von einem externen Unternehmen übernommen werden solle. Telebasel habe sich aber dagegen entschieden und dafür das eigene Personal aufgestockt und ausgebildet.

Beim Schweizer Fernsehen (SRF) ist das Untertiteln schon seit Längerem zur Normalität geworden. Ohnehin gelten für die ganze Gesellschaft höhere Anforderungen. Der SRF-Online-Player erlaubt es schon seit Januar 2014 bei verschiedenen Sendungen Untertitel zuzuschalten. Laut SRF wird dieser Service von Gehörlosen und Hörgeschädigten sehr geschätzt. Beim nationalen Medienunternehmen werden nicht nur alle Newssendungen untertitelt, sondern auch beliebte Unterhaltungssendungen wie «SRF bi de Lüt» oder auch «Der Bestatter».

Mundart übersetzen

Für Telebasel ist die Untertitelung im Vergleich zu anderen Regionalsendern eine besondere Herausforderung. Prétôt betont, dass man hier im Unterschied zur französischsprachigen Schweiz nicht alles Gesprochene eins zu eins übernehmen kann. Bei Telebasel müsse man zuerst noch das Schweizerdeutsch aufwendig ins Hochdeutsche übersetzen und zusammenfassen.

Gemäss Prétôt bringt die Regelung aber auch viele Vorteile für das Medienunternehmen. Er hofft, mit den Untertiteln mehr Zuschauer ansprechen zu können, welche kein Schweizerdeutsch verstehen. Das könnten Einwanderer in Basel sein oder auch Personen aus dem nahen Ausland, die sich auch für die News in der nahen Region interessieren. Falls die Untertitel auf grosse Beliebtheit stossen würden, überlege man sich sogar, weitere Sendungen freiwillig mit Untertiteln zu versehen.

Umfrage

Der Lokalsender Telebasel wird ab April seine Sendungen untertiteln. Ein sinnvoller Service fürs TV-Publikum?

Ja

 
29.2%

Nein

 
70.8%

472 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 08.03.2017, 06:52 Uhr

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