«Das ist sicher extrem hart für ihn»

Von Thomas Ley. Aktualisiert am 21.09.2012

«Tages-Anzeiger»-Reporter Iwan Städler machte als Erster die internen Befunde über Christoph Mörgelis Arbeit öffentlich. Er vermutet, dass Mörgeli ohnehin hätte gehen müssen, allerdings ohne diese Eskalation.

Er muss gehen: SVP-Nationalrat und Medizinhistoriker Christoph Mörgeli wird von der Universität Zürich per sofort freigestellt. (Foto: 4. April 2008)

Er muss gehen: SVP-Nationalrat und Medizinhistoriker Christoph Mörgeli wird von der Universität Zürich per sofort freigestellt. (Foto: 4. April 2008)
Bild: Sigi Tischler/Keystone

Iwan Städler ist Reporter beim «Tages-Anzeiger». Er machte den Fall Mörgeli am 11. September 2012 publik. (Tages-Anzeiger)

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Herr Städler, Christoph Mörgeli muss seine Stelle aufgeben. Hätten Sie dieses Ergebnis erwartet, als Sie Ihre Recherchen begannen?
Ich hätte nicht gedacht, dass es derart eskalieren würde. Ich merkte zwar während meiner Recherchen, dass ich in ein Wespennest gestochen hatte. Aber ich konnte nicht ahnen, dass am Ende Mörgeli sofort freigestellt und Bildungsdirektorin Regine Aeppli zum Rücktritt aufgefordert würde. Schnell klar wurde dagegen, dass seitens seiner Vorgesetzten und Fachkollegen grosse Vorbehalte gegenüber Mörgeli bestehen.

Wie zeigte sich Ihnen das zuerst?
Ziel meiner Recherche war ja, einmal ganz nüchtern der Frage nachzugehen, wie Christoph Mörgelis Arbeit als Wissenschafter und Konservator beurteilt wird. Zur Vorbereitung konsultierte ich seine eigene Website. Diese wiederum verwies auf den Akademischen Bericht des Instituts, doch der Link zum jüngsten Jahresbericht ging ins Leere. Nachfragen bei Mörgelis Chef Flurin Condrau ergaben, dass der Bericht zwar geschrieben, seit langem eingereicht, aber noch nicht freigegeben war. Da war klar, dass die Geschichte brisant ist.

Haben Ihre Artikel nun womöglich die Universität unter den Druck gesetzt, Konsequenzen aus der Beurteilung von Mörgelis Arbeit zu ziehen?
Während meiner Recherchen hatte ich den Eindruck, die Uni wolle das Problem unter dem Deckel halten. Erst später erfuhr ich von der ausserordentlichen Leistungsbeurteilung und dem Termin von heute Freitag, der offenbar schon im Februar feststand. Meine Artikel waren also sicher nicht das auslösende Moment. Es wäre wohl ohnehin zur Trennung gekommen.

Einfach unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Nein, das hätte man bestimmt mitbekommen. Aber vielleicht hätte man einen Weg gefunden, um sich im gegenseitigen Einverständnis zu trennen. Einfach wäre dies aber wohl nicht gewesen, denn Christoph Mörgeli hängt stark am Medizinhistorischen Museum.

Mörgelis Unterstützer sagen, er habe es als SVP-Politiker schwieriger gehabt als andere. Manche seiner Gegner kontern: Im Gegenteil, als Nationalrat sei er zu lange geschont worden. Was stimmt?
Wahrscheinlich beides. Als prominenter und potenter Politiker wurde er womöglich lange grosszügig beurteilt. Aber unter seinen Fachkollegen war er immer mehr isoliert, wenn auch mehr wegen seines Zugangs zur Medizingeschichte als wegen seiner politischen Ausrichtung. Man wirft ihm vor, er habe zu wenig Distanz zu den Ärzten und zur Pharma.

Wie eng hatten Sie in der ganzen Sache Kontakt mit ihm?
Vor der Veröffentlichung des ersten Artikels konnte ich drei Stunden mit ihm reden. Damals war er noch eher defensiv und wollte zu den heiklen Punkten nicht viel sagen – auch nichts zu seinem Chef. Am Tag danach wechselte er dann die Strategie und ging in die Offensive. So konnte ich im zweiten Artikel auch seine Vorwürfe gegenüber den Fachkollegen thematisieren.

Jetzt hat er seinen Uni-Job verloren. Was sagen Sie eigentlich persönlich dazu?
Das ist sicher extrem hart für ihn. Denn ihm liegt sehr viel an diesem Medizinhistorischen Museum. Was er nun machen wird, weiss ich nicht. Ich kann ihm nur wünschen, dass er in seiner künftigen Arbeit und in der Politik dieselbe Erfüllung finden wird. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2012, 14:54 Uhr