«Ich entdecke immer wieder neue Kunst»

Vito Schnabel, der Sohn des Künstlers Julian Schnabel, ist in New York und St. Moritz als Kunsthändler und Galerist erfolgreich.

Ein klingender Name. Vito Schnabel (30) mischt sich mit Neugierde und Spass unter die internationale Kunstszene.

Ein klingender Name. Vito Schnabel (30) mischt sich mit Neugierde und Spass unter die internationale Kunstszene. Bild: Evan Amzuri/BFA

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BaZ: Sie haben sich schon sehr früh für die Kunst interessiert und erste Ausstellungen gemacht. Wie hat das alles begonnen?
Vito Schnabel: Meine Schwester Lola ist eine Künstlerin. Sie macht Musikvideos und sie malt, sie ist sehr talentiert. Durch sie kam ich in eine Kunstszene, die mich faszinierte, und ich beschloss, für sie eine Ausstellung unter dem Titel «Incubator» zu organisieren. Ich fand einen Raum und dort zeigte ich Künstler wie Luigi Ontani, Jorge Galindo oder Vahakn Arslanian und natürlich meine Schwester.

In New York machen Sie heute Kunstprojekte und in St. Moritz haben Sie Ihre eigene Galerie. Wie unterscheiden sich diese beiden Orte voneinander?
Der Raum, den ich in New York habe, funktioniert nicht wie eine normale Galerie. Es gibt dort nicht ständig Ausstellungen. Ich finde es interessanter, für eine Show einen eigenen Raum zu finden. So habe ich ja auch begonnen.

Und wieso sind Sie nach St. Moritz gekommen?
Ich habe Räume ausserhalb New Yorks gesucht. Zuerst habe ich an San Francisco gedacht und wollte dort eine Galerie mit dem Restaurant Carbone nebenan eröffnen. Doch an der Art Basel hat mich mein Pate und Freund Bruno Bischofberger vor zwei Jahren gefragt, ob ich nicht seine Räumlichkeiten in St. Moritz übernehmen möchte, da er in Zürich ein ganzes Haus für seine Kunst baut. Er hatte für die Galerieräume zwar bereits Interessenten, meinte aber, ich solle mir das in Ruhe überlegen. Nach einigen Stunden habe ich ihm gesagt, ja, ich übernehme deine Räume. Es ist für mich perfekt.

Weshalb?
Zürich mit dem internationalen Flughafen ist nah, aber auch Mailand oder München. Zudem hat St. Moritz eine sehr interessante Geschichte, was die Kunst betrifft. Künstler wie Alberto Giacometti, Jean Michel Basquiat, Andy Warhol und auch mein Vater haben in dieser Region gearbeitet.

Glauben Sie immer noch an das Gale­rien-Modell oder hat es sich inzwischen überholt?
Es braucht noch immer einen Ort, um Kunst zu zeigen. Ich suche die passende Plattform, wo ich die Künstler, die ich schätze und fördere, vorstellen kann. Dazu eignet sich eine Galerie bestens.

Sie verstehen sich mehr als Kunstförderer denn als Kunsthändler?
Ich arbeite sehr eng mit meinen Künstlern zusammen. Das ist es, was Spass bereitet und was ich liebe bei dem, was ich mache. Mir gefällt die Idee, ihre Arbeit nach aussen tragen zu können. Imi Knoebel und Walton Ford machen völlig verschiedene Dinge. Doch durch so unterschiedliche Künstler lerne ich wieder ganz andere Kunst kennen. Ich gehe oft in Ateliers und entdecke dadurch immer wieder neue Kunst.

Welche verstorbenen Künstler verehren Sie?
Vor Andy Warhol und Jean Michael Basquiat habe ich grössten Respekt. Ich bin ein grosser Fan von Warhol, er beeinflusst bis heute sehr viele Kunstschaffende. Basquiat habe ich als Baby kennengelernt, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. Barnett Newman und Sigmar Polke sind ebenfalls grossartig.

Und welche zeitgenössischen Künstler schätzen Sie persönlich?
Bob Colacello hat zum Jahresbeginn in meiner Galerie eine Gruppenausstellung kuratiert. Einer der Künstler war Borna Sammak, ein junger Iraner, der in der Nähe von Philadelphia aufgewachsen ist. Ich kenne ihn jetzt seit bald fünf Jahren. Ich halte ihn für sehr talentiert und ich möchte mit ihm jetzt auch eine Einzelausstellung machen. Ich suche immer nach neuen Künstlern. Die erste Einzelausstellung, die ich gemacht habe, war mit Ron Gorchov. Ich habe ihn in der «Incubator»-Ausstellung kennengelernt und in seinem Atelier in Brooklyn besucht. Was ich dort sah, hat mich umgehauen, ich habe in diesem Moment etwas völlig Neues gesehen. Zu diesem Zeitpunkt war Gorchov 76 Jahre alt.

Was hat Sie an ihm so fasziniert?
Er war in den 60er- und 70er-Jahren eine grosse Nummer. Seine Werke hängen in Museen wie dem Moma, Whitney oder Guggenheim. Doch dann wollte er seine Bilder nicht mehr ausstellen. Er wartete auf einen jungen Kunsthändler, mit dem er neu beginnen wollte. Das Schicksal hat uns zusammengeführt. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, dass ich seine erste Solo-Ausstellung machen durfte. Von Ron konnte ich auch viel über die Kunst lernen.

Und wie hat Sie Bruno Bischofberger beeinflusst?
Er steht mir sehr nahe, nicht nur, weil er mein Pate ist, sondern weil ich ihn, wie ich bereits gesagt habe, als engen Freund betrachte. Wir arbeiten bei verschiedenen Dingen zusammen. Dass ich ihm jetzt in der Schweiz wieder näher bin als in New York, macht mich sehr glücklich.

Weshalb wurde er überhaupt Ihr Pate?
Mein Vater und er kennen sich schon sehr lange. Sie arbeiten sehr eng zusammen. Bruno ist eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Er hat viele wichtige Künstler nach Europa gebracht. Er ist von der Kunst besessen und auch ein echter Kunstsammler. Ich kann von Bruno nicht genug lernen. Er ist mein grosses Vorbild. Ich bewundere, wie er seine Künstler fördert und pflegt.

Hat Ihnen der Name Schnabel in der Kunstszene geholfen oder war er eher hinderlich?
Man muss das machen, was man liebt. Da spielt der Name keine Rolle. Ich liebe meine Arbeit und kann mich für alles Neue begeistern. Natürlich hat mich mein Vater beeinflusst. Er ist mit mir viel in der Welt herumgereist. Er ist mein Vater, aber er ist gleichzeitig auch mein Freund. Wir haben eine sehr schöne Beziehung. Es ist wunderbar, eine Leidenschaft gemeinsam zu teilen. Deshalb habe ich mit dem Namen Schnabel keine Probleme.

Hat er Sie bestärkt, ins Kunstbusiness einzusteigen?
Als ich 14 Jahre alt war, habe ich ihm gesagt, ich möchte Kunsthändler werden. Da meinte er, du bist verrückt, du hasst es doch, in Galerien zu gehen. Ich sagte ihm, ja, ich mag es nicht, mit vielen Leuten in Galerien herumzustehen. Aber ich habe einen Freund, René Richard – ein wunderbarer Dichter und Maler –, mit dem ich viele Museen und Galerien besucht habe. Da habe ich gemerkt, dass es das ist, was ich tun will.

Was halten Sie von Kunstmessen?
An solchen Messen treffe ich Freunde und Künstler. Wenn ich in Basel, Miami oder Hongkong bin, fühle ich mich in meiner Welt und ich kann hier auch wieder viel Neues ent­decken.

Welche Beziehung haben Sie zur Art Basel?
Sam Keller und Marc Spiegler sind gute Freunde und ich schätze ihre Arbeit. Beide haben mich auch schon in St. Moritz besucht und unterstützen mich.

Weshalb ist eine Teilnahme an der Art Basel so wichtig?
Eine Kunstmesse ist vielleicht nicht der schönste Ort, um Kunst zu sehen, doch hier kommen in kurzer Zeit sehr viele Menschen aus der ganzen Welt zusammen, die sich für Kunst interessieren. Deshalb ist eine Messe für den Künstler genauso wichtig wie für den Galeristen.

Künstler mögen aber Kunstmessen nicht sehr?
Das stimmt. Künstler machen ihre Arbeit und wollen gar nicht so genau wissen, was damit passiert. Natürlich hoffen sie, dass das Werk in einem schönen Heim oder in einem Museum seinen Platz bekommt. Doch in den Kunstmarkt möchten die meisten Künstler gar nicht involviert werden.

Welche weiteren Pläne haben Sie mit Ihrer Galerie in der Schweiz?
Ich möchte noch einen weiteren Raum eröffnen, aber ich kann Ihnen noch nicht sagen wo. Es wird aber bald geschehen.

Wie gross wollen Sie werden?
Es geht mir nicht um die Grösse. Mir ist es wichtig, dass ich zu all meinen Künstlern einen sehr engen, persön­lichen Kontakt habe. Ich habe kein grosses Team, wir sind elf Leute in New York und zwei in St. Moritz. Ich habe Mühe mit Galerien, die zu gross werden. Ich will mich selber um meine Künstler kümmern und in einem engen Dialog mit ihnen stehen. Das kann ich nicht delegieren. Ich versuche es eben auf meine Weise zu machen, aber ich bin immer noch am Lernen. Das ist auch der Spass. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.04.2017, 12:38 Uhr

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