Neuer Apple-Chef gesteht Missstände ein

Wegen der miserablen Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer wurde Apple bereits mehrfach kritisiert. Nun hat Tim Cook überraschend die Namen der Lieferanten bekannt gegeben.

Schlechte Arbeitsbedingungen: Chinesische Arbeiter sortieren Elektronikteilchen für Foxconn. (26. Mai 2010)

Schlechte Arbeitsbedingungen: Chinesische Arbeiter sortieren Elektronikteilchen für Foxconn. (26. Mai 2010) Bild: AFP

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Apple hat erstmals seine weltweite Zuliefererliste offengelegt. Der sonst so geheimniskrämerische US-Computerkonzern gab heute überraschend die Namen seiner 156 meist in Asien ansässigen Lieferanten bekannt.

Damit sind nun 97 Prozent der Unternehmen publik, mit denen die Amerikaner bei der Herstellung ihrer iPhones, iPads und Mac-Computer zusammenarbeiten. Apple will mit der Veröffentlichung der Kritik an Missständen und schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferern entgegentreten.

Verheerende Arbeitsbedingungen

Neben Foxconn ist beispielsweise Samsung Electronics aufgeführt. Auch die deutsche Infineon gehört dazu.

Zuletzt hatte vor allem Apple-Lieferant Foxconn immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Dort kam es im vergangenen Jahr zu einer Reihe an Selbstmorden. Zudem gab es Nachrichten von verheerenden Arbeitsbedingungen.

Regelmässige Kontrollen

Apple nimmt nach eigenen Angaben seit Jahren regelmässig Überprüfungen vor und fasste diese nun zusammen. Demnach fand der Konzern bei seinen Zulieferern sechs Fälle von Kinderarbeit sowie 13 Fälle, in denen zuvor Minderjährige als Arbeitskräfte eingestellt worden waren.

Zudem führte Apple in dem 500 Seiten umfassenden Bericht weitere Verstösse wie zu schlechte Bezahlung an. Auch hielten nur 38 Prozent der Zulieferer die von Apple festgesetzte Norm einer maximalen Wochenarbeitszeit von 60 Stunden und einem garantierten freien Tag pro Woche ein.

Ein Drittel der Zulieferer war nachlässig im Umgang mit gefährlichen Substanzen und ebenfalls ein Drittel hielt die Standards zur Verhinderung von Verletzungen nicht ein. Apple gab jedoch nicht an, wo welche Verstösse geschahen.

Neue Transparenz

«Mit jedem Jahr erweitern wir unser Programm, schauen uns unsere Zuliefererkette genauer an und machen es schwerer, die Auflagen zu erfüllen», sagte Apple-Chef Tim Cook der Nachrichtenagentur Reuters. All das bedeute, dass die Belegschaften «mit jedem Jahr besser und besser behandelt» würden. Allerdings müsse noch viel getan werden, gab Cook zu.

Die Veröffentlichung wird von Beobachtern als weiterer Hinweis gesehen, dass Cook den Konzern nach dem Tod von Steve Jobs transparenter ausrichten will. Während Jobs ein Verfechter davon war, so wenig wie möglich bekanntzugeben, beschreitet Cook mit der Veröffentlichung der Zulieferer-Kette einen neuen Weg.

(kle/sda)

(Erstellt: 14.01.2012, 19:00 Uhr)

Niederlage im Patentstreit

Im Patentkonflikt der Mobilfunk-Branche hat Apple einen weiteren Rückschlag erlitten: Die US-Handelskommission ITC fand in einer vorläufigen Entscheidung keine Patentverletzung durch mehrere Smartphones des Konkurrenten Motorola, wie am Freitag unter anderem der Branchendienst «CNET» berichtete.

In der im Herbst 2010 eingereichten ITC-Klage geht es um drei Patente. Die vorläufige Entscheidung des zuständigen Richters kann noch bei der Prüfung durch die gesamte Kommission geändert werden.

Die International Trade Commission (ITC) kann bei Patentverstössen die Einfuhr von Produkten in die USA verbieten. Da Smartphones inzwischen nahezu komplett in Asien produziert werden, würde ein Einfuhrverbot auch ein US-Unternehmen wie Motorola hart treffen.

Motorola wirft seinerseits Apple in einer ITC-Klage die Verletzung von 18 Patenten vor. Zugleich steht der Mobilfunkpionier auch im Visier von Microsoft. In diesem Fall entschied ein ITC- Richter kurz vor Weihnachten, dass Motorola gegen ein Patent des Windows-Riesen verstosse.


Für Apple mischen sich damit in dem Patentkrieg weiter Erfolge mit Rückschlägen. Im Dezember gelang es dem iPhone- und iPad- Hersteller zum Beispiel nicht, den Verkauf mehrerer Samsung-Geräte in den USA per einstweiliger Verfügung zu stoppen.

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