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Sicherheitsguru Eugene Kaspersky warnt Apple
Interview Maxim Roubintchik, Manfred Kohlen (Gizmodo). Aktualisiert am 18.03.2010 3 Kommentare
Jewgeni «Eugene» Kaspersky gehört zu den weltweit führenden Spezialisten im Bereich Virenschutz. Der «Bill Gates von Russland» («Frankfurter Allgemeine Zeitung») forscht bereits seit 21 Jahren nach Computerviren und gründete 1997 zusammen mit seiner Frau Natalja 1997 das Unternehmen Kaspersky. Unsere Partnerpublikation Gizmodo hat den 45-jährigen Internetpionier getroffen.
Die Frage, die uns alle bewegt, ist: Wie unsicher ist das Internet?
Die Basis des Internets birgt bereits viele Gefahren. Es wurde ursprünglich für den Militäreinsatz und den Austausch zwischen kleinen Gruppen gedacht. Von daher bietet es keinerlei Sicherheitsrichtlinien. Dass es so beliebt ist und verbreitet, birgt viele Gefahren. Eigentlich müsste eine komplett neue Basis her.
Ein Internet-Ausweis zum Beispiel?
Nun, wir reden schon lange mit den Regierungen und sind bislang noch zu keinem finalen Ergebnis gekommen. Ich glaube der Internet-Ausweis an sich ist eine gute Idee. Allerdings wird er nicht alle Cyberkriminellen aufhalten. Der Grossteil wird dadurch blockiert, aber nicht alle. Eigentlich braucht man keinen solchen Ausweis, weil die Regierungen bereits anhand der IP-Adresse meist wissen wer dahintersteckt. Kriminelle, die Ahnung haben, werden immer eine Möglichkeit finden unterzutauchen – das können sie auch heute schon. Jemand, der es nicht kann, wird sofort geschnappt. Aber durch einen Ausweis erhöht sich für das Risiko und der Aufwand für die Hacker – verkehrt ist er also nicht.
Wie stellen Sie sich eine Umsetzung vor?
Dazu müsste ein internationales Gremium geschaffen werden, das man vielleicht dem Interpol unterstellen könnten. Auf jeden Fall muss es etwas internationales sein und nicht auf Landesebene funktionieren, weil es uns sonst nicht weiterbringt.
Was uns schon immer interessiert hat: Haben Sie als Sicherheitsexperte eigentlich jemals einen Virus auf dem eigenen Rechner gehabt?
(lacht) Ja, ich hatte sogar zwei. Das ist aber schon lange her. Einmal, weil ich einen infizierten USB-Stick angesteckt habe und ein anderes Mal, weil ich auf meinem Rechner beim Scannen aus Versehen einen Virus installiert habe – sowas kommt vor.
Anderes Thema: Sie haben in Barcelona eine neue Version ihrer Smartphone-Security vorgestellt. Sind Handys für Sie die Zukunft?
Ja, auf lange Sicht werden wir keine PCs und Notebooks mehr haben, sondern kleine portable Geräte. Handys sind also ganz klar die Zukunft – nicht nur für uns. Das haben wir bereits vor vier Jahren erkannt und eine Sicherheitslösung vorgestellt. Die gab es auf dem Mobile World Congress zu sehen. Die ersten zwei Jahren haben uns alle schief angeschaut und lediglich den Kopf geschüttelt oder gefragt: «Habt ihr sie noch alle?». Doch im dritten Jahr haben alle angefangen zu begreifen warum wir diese Software anbieten. Dieses Jahr haben wir bereits viele Gespräche mit Providern geführt. Das Thema ist also interessant!
Wenn Sie in Ihre magische Kristallkugel blicken: Wann werden die Handys die Computer überholt haben?
Bald!
Das ist aber eine ungenaue Zeitangabe.
Ich schätze mal in 10 Jahren wird man im täglichen Leben keinen Computer mehr brauchen und mit den Fingern telefonieren können.
Ihre Software gibt es für Windows Mobile aber nicht für Android und das iPhone. Warum?
Eine Android-Version ist in Arbeit. Das iPhone ist aber ein schwieriges Thema. Apple ist ziemlich strikt was Software angeht. Das ist keine gute Strategie für ein so grosses und erfolgreiches Unternehmen und hat in der Vergangenheit schon anderen Grossen das Genick gebrochen.
Zum Beispiel?
Novell oder IBM. Durch strikte Richtlinien behindert man sich auf Dauer selbst. Entwickler brauchen Freiheit und die Möglichkeit eigene Anwendungen im vollen Umfang zu entwickeln. Microsoft hat das bereits vor vielen Jahren erkannt und eine riesige Entwickler-Community aufgebaut. Apple sollte das auch umgehend tun, sonst befinden sie sich auf dem absteigenden Ast.
Sie zweifeln an dem Erfolg des iPhones?
Nein, das iPhone ist ein sehr erfolgreiches Produkt. Jedoch sollte sich Apple nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern eine vernünftige Entwickler-Community ohne Beschränkungen aufbauen. Das iPhone hatte die Chance auf dem Mobilfunk-Markt das zu werden, was Windows auf dem Desktop-Markt ist. Diese Chance haben sie sich aber bereits fast vertan, weil auch die Konkurrenz nicht schläft. Jeder Versuch ein System strikt zu regulieren kann nur auf Dauer zum Misserfolg führen. Das ist auch der Grund warum Symbian eine 180-Grad-Wende gemacht hat und von strikt zu Open-Source gewechselt ist.
Eine persönliche Frage: Stellen Sie sich eine Welt ohne Sicherheitsbedrohungen vor. Welchen Job würden Sie dann machen?
Nun, ich stelle mir eine Welt ohne Feuer, ohne Kriminalität und ohne Viren und Trojaner vor. Dann würde ich vermutlich das machen, was alle Feuerwehrleute, Polizisten und Sicherheitsexperten in einer solchen Welt machen würden: Den ganzen Tag rumsitzen, Domino spielen und Bier trinken (lacht).
Wie ein professioneller Dominospieler sehen Sie nicht gerade aus.
Nein, ich spiele auch gerne mit Karten (lacht). Nein, mal im Ernst: Ich mag meinen Job und bin sehr damit zufrieden. Es ist das, was ich schon immer machen wollte. Ich hatte erst zwei Jobs in meinem Leben – denjenigen, den ich jetzt habe und mein Job als Verschlüsselungsexperte beim Militär.
Dann wissen Sie ja, wie man Truppen anführt.
Ich leite auch mein Unternehmen manchmal mit einem Militärdrill und schlage gerne mit der Faust auf den Tisch (lacht). (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 16:14 Uhr
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3 Kommentare
Nicht _auf_ dem Handy, sondern _mit_. Spracherkennung oder Tastatur-Projektion auf den Tisch, Gesten-Steuerung mit der eingebauten Videokamera, Wireless HDMI, Mini-Beamer im Handy selbst. Das sind alles Dinge, die schon heute in der einen oder anderen (meist noch rudimentären) Form existieren; sie werden reifen und Eingang in die Mobilgeräte finden. Antworten
Sicher werde ich in 10 Jahren meine Berichte auf einem Handy schreiben, das ist ja so bequem und geht so schnell. ;-) Sollte die Diktiertechnik bis dann schon brauchbar sein, freue ich mich darauf, Berichte und Tabellenkalkulationen auf einem mäusekinogrossen Bildschirm zu korrigieren. Programmieren werde ich auch mit Begeisterung auf einem bierdeckelgrossen Display 8-D Bye bye PC ROFL Antworten
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Hugo Müller
Klar ist der Herr dagegen, geht ihm doch ein riesiger Markt durch die Lappen. Malware ist auf iphones schlicht unbekannt, ausser man war so cool und hat durch einen jail-break die hosen runtergelassen. auf schmuddel-software kann ich verzichten und bin froh dass ich wenigstens mit diesem gerät keine patch/security update/viren scanner usw probleme habe Antworten