Apple beerdigt den MacPro (fast) – und entschuldigt sich

Apple will den Mac Pro als modularen Computer neu erfinden. Apple-Manager haben offenbar eingeräumt, dass der Mac Pro von 2013 eine Fehlkonstruktion war.

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Was die Smartphones angeht, da läuft Apples Entwicklungsabteilung wie ein gut geöltes Ührchen: Jedes Jahr gibt es ein neues Modell, und manchmal gibt es sogar zwischendurch ein Produkt-Update – wie jüngst mit dem roten iPhone 7.

Bei den Macs ist das Stottern bei Apple längst unüberhörbar. Die Profi-Linie bei den Laptops wurde Ende 2016 nach zweijähriger Durststrecke aufgefrischt. Doch der leistungsfähigste Mac ist inzwischen uralt: Seit Dezember 2013 hat Apple den Mac Pro nicht mehr überarbeitet. Das hat die Befürchtung genährt, Apple habe stillschweigend den Schritt zur Smartphone- und Tablet-Company vollzogen und das Interesse am Profi-Markt verloren. Viele Käufer der teuren Macs für Videoschnitt, Softwareentwicklung, Grafik und Musik haben sich die Frage gestellt, ob der Wechsel auf Windows unvermeidlich ist. Und manche werden den Schritt auch vollzogen haben.

«Spannende Desktop-Computer in der Mache»

Apple hat seinerseits versucht, das Vertrauen aufrechtzuerhalten. Ende letzten Jahres hat Tim Cook öffentlich gesagt, Apple halte am Mac fest und habe spannende neue Desktop-Computer in der Mache. Doch auch das hat die Profis nicht beruhigt. Denn weil der Mac Pro nicht explizit erwähnt worden war, galt er weiterhin als todgeweiht.

Bereits sind erste (nicht ganz ernst gemeinte) Designvorschläge für den neuen Mac im Umlauf.

Nun hat Apple enthüllt, wie es mit dem Mac Pro weitergehen wird – und zwar auf höchst untypische Weise. Das Unternehmen hat fünf Journalisten eingeladen, die von den Chefs für Marketing, Software und Hardware, Phil Schiller, Craig Federighi und John Ternus, persönlich instruiert wurden, wie es weitergehen soll, ausführlich nachzulesen bei John Grubers Daringfireball.net:

«Nicht mehr dieses Jahr»

Der Mac Pro wird als modularer Computer neu erfunden. Er wird so konstruiert, dass er mit der technischen Entwicklung einfacher wird Schritt halten können. Und Apple will einen eigenen Bildschirm mit dem neuen Computer anbieten. Doch bis diese Geräte erhältlich sind, wird es noch dauern. Der neue Mac Pro werde «nicht mehr dieses Jahr erhältlich sein». Ob das bedeutet, dass man ihn 2018 kaufen kann, wäre zu hoffen, doch Apple hat explizit keine Jahreszahl genannt.

Bis dahin sollen neue iMacs erscheinen, die auch professionellen Ansprüchen genügen, und der bestehende Mac Pro wird leicht angepasst. Das Modell für 3399 Franken erhält einen Xeon-Prozessor von Intel mit 6 Kernen und zwei AMD FirePro D500 Grafikprozessoren. Die Variante für 4499 Franken wird mit 8 Kern-Prozessor und D700 GPU ausgeliefert. Weitere Konfigurationsmöglichkeiten mit bis zu zwölf Kernen und 64 GB RAM bleiben erhältlich, teilt Apple mit.

Laut der sehr ausführlichen Schilderung Grubers haben die Apple-Manager offen eingeräumt, dass der Mac Pro von 2013 eine Fehlkonstruktion war. Er sei zwar klein und optisch ansprechend, doch wegen der ausgeklügelten Integration von Hardware und Gehäuse nur schlecht weiterzuentwickeln. Ausserdem habe sich die Industrie bei den Grafikprozessoren in eine andere Richtung entwickelt, als Apple erwartet habe. Gruber erwähnt, die Manager hätten das Wort «Fehler» vermieden, doch Federighi wird mit den Worten zitiert, sie hätten sich in «eine thermische Ecke manövriert». Sprich: Das Design des Mac Pro funktioniert auf Dauer nicht, weil es die Wärme nicht so ableitet, wie es nötig wäre.

«Die bittere Pille geschluckt»

Eine veritable Sackgasse, aus der sich auch ein Weltkonzern nicht so ohne weiteres befreit. «Deswegen hat Apple die bittere Pille geschluckt und jetzt die Pläne über die Neuentwicklung öffentlich gemacht, obwohl das gegen eine jahrelange Tradition verstösst, nur über fertige Produkte und nicht über Versprechen zukünftiger Produkte zu sprechen», schreibt Gruber.

Und Phil Schiller hat etwas gemacht, was für Apple-Verhältnisse höchst ungewöhnlich ist – man erinnere sich an Steve Jobs, der nach den Antennenproblemen beim iPhone 4 behauptet hatte, die betroffenen Nutzer würden das Telefon «falsch halten». Er hat sich nämlich entschuldigt: «Wir waren in unseren Möglichkeiten eingeschränkt, den Mac Pro weiterzuentwickeln, und wir bedauern, unsere Kunden deswegen enttäuscht zu haben.» Deswegen werde der Mac Pro neu entwickelt und in Zukunft nicht nur erweiterbar, sondern auch leicht weiterzuentwickeln sein. Wie weit diese Entwicklung bis jetzt fortgeschritten ist, hat Apple aber nicht gesagt.

Während des Gesprächs haben die fünf Journalisten auch einige interessante Einblicke über die professionelle Anwenderschaft der Apple-Produkte erhalten:

  • 15 Prozent aller Mac-Anwender nutzen mindestens eine professionelle Anwendung täglich oder fast täglich. Dazu zählen Anwendungen für die Softwareentwicklung, Grafikdesign, Videoschnitt und Musikkomposition.
  • Weitere 15 Prozent verwenden mindestens einmal pro Woche eine Profi-Anwendung. Das heisst: Etwa 30 Prozent der Apple-Anwender zählen zum Profi-Segment.
  • Bei den Macs verkauft Apple 80 Prozent Laptops und 20 Prozent Desktop-Rechner. Viele Leute, auch Gruber, hätten den Anteil der Laptops höher geschätzt.
  • Wie gross der Anteil des Mac Pro ist, wollte Apple nicht sagen. Aber auch bei den Desktop-Computern ist der iMac zahlenmässig überlegen. Gruber schätzt das Verhältnis von iMacs und Mac Pros zehn zu eins.
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.04.2017, 18:18 Uhr

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