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Die Probleme des Internets

Aktualisiert am 01.09.2009

Am 2. September 1969 startete das Internet als militärisches Computernetz - 40 Jahre später kämpft es mit mehreren, gewichtigen Schwierigkeiten.

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Kurz nach dem Sputnik-Schock 1957 wurde von US-Präsident Dwight D. Eisenhower (Bild) nicht nur die Nasa, sondern auch die Advanced Research Projects Agency (ARPA), eine Forschungs- und Entwicklungsbehörde des Verteidigungsministeriums, gegründet. Eine ihrer Aufgaben war es, ein dezentrales Netz zum Datenaustausch zu schaffen. 1969 ging schliesslich das Arpanet online.

   

Sie wollten nur ein offenes System schaffen, um Computer zu vernetzen und Informationen auszutauschen. Mit dieser Offenheit legten sie aber den Grundstein für das heutige Internet und für die zahlreichen Entwicklungen, die noch kommen sollten.

Für Innovationen ist zwar sicher immer noch genug Raum da, aber die Offenheit scheint doch zu schwinden. Vielleicht erlebt das Internet ja gerade so etwas wie seine Midlife-Crisis. Es steht zwar an immer mehr Orten zur Verfügung und ist schneller denn je, aber künstliche Barrieren könnten das Wachstum gefährden. Dabei spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle: Spam und Hackerangriffe zwingen die Betreiber von Netzwerken zu verstärkten Kontrollen, autoritäre Regime blockieren in ihren Ländern den Zugang zu vielen Websites und Angeboten und wirtschaftliche Überlegungen fördern Vorgehensweisen, mit denen Konkurrenten ausgeschlossen werden sollen.

«Der normale Internetnutzer hat mehr Freiheit zu spielen und zu kommunizieren, mehr Möglichkeiten als je zuvor», sagt Jonathan Zittrain, Rechtsprofessor und Mitgründer des Berkman Zentrums für Internet und Gesellschaft. «Allerdings gibt es einige beunruhigende längerfristige Trends, die auf die Kontrolle von Informationen zielen.»

Durchbruch erst in den 90er Jahren

Alles begann damit, dass am 2. September 1969 rund 20 Leute in Kleinrocks Labor zusammenkamen, um zu sehen, wie durch ein etwa fünf Meter langes, graues Kabel zwischen zwei riesigen Computern sinnlose Testdaten hin und her wanderten. Es war der Beginn eines Netzwerkes, das den Namen Arpanet bekam. Das Forschungsinstitut der Universität Stanford kam einen Monat später hinzu, bis zum Jahresende folgten noch die Universität in Santa Barbara und die Universität von Utah.

In den 70er Jahren kamen die Kommunikationstechniken für E-Mail und TCP/IP hinzu, so dass sich mehrere Netzwerke zusammenschliessen und das Internet bilden konnten. In den 80er Jahren wurden die Adress-Systeme mit Endungen wie .com oder .org entwickelt, die auch noch heute in Einsatz sind. Es dauerte aber noch bis zu den 90er Jahren, dass das Internet in der Allgemeinheit zu einem Begriff wurde. Da entwickelte der britische Physiker Tim Berners-Lee das World Wide Web, eine Unterform des Internets, die den Zugriff auf die verschiedensten Quellen im Internet einfacher machte. Anbieter wie America Online brachten dann zum ersten Mal Millionen Menschen ins Internet.

«Zeit um zu zeigen, dass es funktioniert»

Dabei war es gerade die anfängliche Unbekanntheit, die Unklarheit, was diese Netzwerke eigentlich sind, was sie können und was mit ihnen möglich ist, die dem Internet zu seiner Blüte verhalfen. Es gab keine Vorschriften oder wirtschaftlichen Einschränkungen, die von den ersten Experimenten abgeschreckt oder sie gar verhindert hätten. «Für den grössten Teil der Geschichte des Internets gilt, dass niemand je davon gehört hatte», sagt Zittrain. «Damit hatte es Zeit zu zeigen, dass es funktioniert.»

Selbst die US-Regierung, die den Grossteil der frühen Entwicklung des Internets als Militärprojekt finanzierte, kümmerte sich kaum darum. So konnten die Techniker ihr Ideal eines offenen Netzes durchsetzen. Als Berners-Lee das World Wide Web entwickelte und es freigab, brauchte er niemanden um Erlaubnis zu fragen und musste sich auch nicht um Firewalls kümmern, die heute jede unbekannte Art des Internetverkehrs als verdächtig einstufen.

Auch die Verbreitung pornografischen Materials, die schon bald begann, führte zu einigen Innovationen zum Beispiel bei den Bezahlsystemen, bei Videoübertragungen und andere Techniken, die heute üblich sind. «Erlaube einen offenen Zugang und tausend Blumen werden blühen», sagt Kleinrock. «Im Internet wird man immer wieder von Programmen überrascht, die man nicht erwartet hat.» Dieser Idealismus schwindet langsam, aber sicher.

Rufe nach gesetzlicher Garantie einer Netz-Neutralität

Der jüngste Konflikt zwischen Google und Apple zeigt beispielhaft, wie Barrieren entstehen. So erlaubt Apple (wie auch andere Hersteller) auf seinem iPhone nur Programme, die explizit zugelassen wurden. Ein Google-Kommunikationsprogramm bestand diesen Test offenbar nicht und wurde ausgeschlossen. Kritiker vermuten dahinter aber den Versuch, den rivalisierenden Telefondienst von Google vom iPhone und exklusiven Vermarktung durch einzelne Telekom-Anbieter fernzuhalten. Ein anderes Beispiel sind die Versuche einiger Provider in den USA, ihren Kunden den Zugang zu File-Sharing-Diensten, die viel Bandbreite verbrauchen, zu erschweren. Dem setzte dann aber die US-Kommunikationsbehörde (FCC) ein Ende.

Der Vorfall führte dazu, dass der Ruf nach einer gesetzlichen Regelung laut wurde, die eine «Netz-Neutralität» gewährleisten soll. Das bedeutet, dass Zugangsprovider nicht eine bestimmte Art des Datenverkehrs bevorzugen beziehungsweise ausschliessen sollen. Anderseits will wohl niemand mehr auf gewisse Kontrollen und Filter verzichten, die Spam-Mails aussortieren oder Hackerangriffe verhindern. Denn mit seinem Wachstum hat das Internet auch kriminelle Elemente angezogen, die das Netz für ihre Zwecke nutzen wollen. Der Abbau aller Schranken würde die Probleme wohl nur grösser machen.

Ziel der Internet-Techniker ist es deshalb derzeit, zu versuchen, dass die Barrieren nicht so gross werden, dass sie neue Ideen unterdrücken, bevor sie eine Chance hatten, sich zu beweisen. Denn dann werden wir wohl nie wissen, was wir sonst noch alles eigentlich schon lange vermissen. (ap)

Erstellt: 01.09.2009, 14:53 Uhr

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