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«Es darf keinen Freibrief für Datensauereien geben»

Interview: Anatol Heib. Aktualisiert am 03.02.2010 7 Kommentare

Frank Rosengart vom Chaos Computer Club über das Datensammeln der Suchmaschinen und was man als Nutzer tun sollte.

1/5 Die Mischung macht es
Nicht nur Google oder Bing, sondern möglichst verschiedene Suchmaschinen nutzen, damit nicht an einem einzigen Ort ein riesiges Profil entsteht.
Bild: Keystone

«Es darf keinen Freibrief für Datensauereien geben»

   
Die Mischung ist entscheidend: Frank Rosengart vom Computer Chaos Club über den Gebrauch von Suchmaschinen.

Die Mischung ist entscheidend: Frank Rosengart vom Computer Chaos Club über den Gebrauch von Suchmaschinen.

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Chaos Computer Club

Im deutschen Verein Chaos Computer Club (CCC) haben sich Hacker zusammengeschlossen. Die Informationsgesellschaft erfordere «ein neues Menschenrecht auf weltweite, ungehinderte Kommunikation», so der CCC. Der Verein setzt sich «grenzüberschreitend für Informationsfreiheit einsetzt und mit den Auswirkungen von Technologien auf die Gesellschaft sowie das einzelne Lebewesen beschäftigt».

Ob Google, (GOOG 591.53 -2.01%) Bing oder andere Suchmaschinen: Immer wieder flammt die Debatte auf, welche Daten die Betreiber von einem Nutzer sammeln und ob sie diese weiter verwenden. Was kann der einzelne Nutzer tun, um sich gegen eine mögliche Datensammlerei zu schützen? Die Suchmaschine Ixquick.com beispielsweise bietet nicht nur die Möglichkeit, anonym zu surfen, sondern erfüllt nach eigenen Angaben auch strenge Datenschutzrichtlinien.

baz.ch/Newsnet wollte von Frank Rosengart, Mediensprecher vom Chaos Computer Club, wissen, was von der Such-Alternative zu halten ist, und was jeder Nutzer beitragen kann, damit er bei Suchmaschinen-Anbietern weniger Informationen hinterlässt.

Ixquick gilt als Geheimtipp der Suchmaschinen. Sammelt sie wirklich keine Daten?
Ixquick ist eine Metasuchmaschine. Das heisst, meine Anfrage wird via Ixquick an andere Suchmaschinen geschickt und die Ergebnisse werden für mich aufbereitet. Da die Anfragen an die «echten» Suchmaschinen von Ixquick aus getätigt werden, taucht dort höchstens die IP von Ixquick auf. Die Suchmaschine scheint sich der Datenschutzproblematik bewusst zu sein, was zumindest hoffen lässt, dass sie die IP des Nutzers wirklich nicht speichert. Überprüfen kann man das aber nicht.

Welche weiteren Alternativen empfehlen Sie bei der Suche neben gängigen Suchmaschinen wie Google oder Bing?
Eine Mischung ist hilfreich. Empfehlungen möchten wir aber keine geben, da wir keine Suchmaschine von innen kennen. Wir wissen also nicht, was dort wirklich mit den Daten der Nutzer (Suchanfragen, IPs) gemacht wird.

Googeln Sie selbst überhaupt noch?
Wie gesagt: die Mischung macht es. Ich empfehle, möglichst verschiedene Suchmaschinen zu nutzen, damit nicht ein riesiges Profil an einer Stelle entsteht. Andererseits ist bisher kein Fall bekannt, wo Google die Suchanfragen gezielt personenbezogen ausgewertet und missbraucht hat. Insofern darf man ruhig fragen, ob die Panik gerechtfertigt ist. Fast jeder normale Serverbetreiber speichert die IP-Adressen und abgerufene Seiten.

Dann ist das Datensammeln also gar kein Problem?
Doch. Und es ist nicht zulässig, denn die Daten werden in der Regel nicht benötigt. Es gilt das Prinzip der Datensparsamkeit. Nur die Daten, die unbedingt für einen Dienst notwendig sind, sollten erhoben und gespeichert werden. Bei einer Suchmaschine gehört die IP-Adresse definitiv nicht dazu.

Wird das Datensammeln mit mobilen Anwendungen wegen den GPS-Daten in Zukunft nicht zum grösseren Problem?
Das Problem ist vor allem, dass der User den Überblick verliert, wer welche Daten sammelt und was damit passiert. Umso wichtiger ist es, dass der Gesetzgeber klar vorgibt, welche Daten gesammelt werden dürfen - egal, was der Kunde im Kleingedruckten erlaubt. Es darf keinen Freibrief für beliebige Datensauereien geben, nur weil man dem Kunden grossartige Dienste verspricht und man nicht überblicken kann, was alles mit seinen Daten angestellt wird. Man darf sich nicht darauf verlassen, dass der kritische Konsument den Markt regelt.

Was empfehlen Sie Nutzern, die sich zwar um ihren Datenschutz sorgen, aber beim Surfen trotzdem nicht auf den Gebrauch populärer Suchmaschinen verzichten wollen?
Das Einzige, was wirklich hilft, wäre ein Anonymisierungsdienst wie Tor, der schnell installiert ist. Google macht aber sogar die Suche praktisch unbenutzbar für Tor-Nutzer. Daher bleibt derzeit nur der Weg zu einer alternativen Suchmaschine.

Macht es Microsofts Bing beim Thema Datenschutz besser?
Bing hat gerade verkündet, dass sie die IP-Adressen der Nutzer «nur» noch sechs Monate statt 18 speichern. Trotzdem entsteht dort eine gigantische Datensammlung für eine halbe Ewigkeit. So etwas sollte vom Gesetzgeber verboten werden und gegen die Vertretungen der Firmen in der Schweiz durchgesetzt werden.

Was kann jeder einzelne Surfer mit ein paar Klicks tun, um ein Minimum an Datenschutz zu erreichen?
Eine Möglichkeit wäre, Cookies zu deaktivieren respektive auf Nachfrage anzunehmen oder abzulehnen. Aber das hilft nur begrenzt.

Sind die Suchmaschinen von Google und Microsoft sicherer als jene von kleineren Mitbewerbern?
Sicherheit ist hier ein falscher Begriff. Bei den grossen besteht zumindest die Hoffnung, dass es einen öffentlichen Aufschrei gibt, wenn dort bewusst die Privatsphäre der Nutzer verletzt wird.

Wie surfen Sie selber im Web?
Firefox bietet mir derzeit die besten Plug-Ins, um gleichzeitig bequem und im Zweifelsfall auch mal anonym im Netz unterwegs zu sein. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2010, 08:51 Uhr

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7 Kommentare

sonja meller

03.02.2010, 09:01 Uhr
Melden

ich hab mal im tagi magazin gelesen ein szenario, wie google eines tages alle daten und bilder und mails veröffentlichen wird für kurze zeit, die die menschen jemals geschrieben, gelesen, gepostet haben. in diesem szenario war das pure chaos. weiss leider nicht wo ich es online nochmals lesen kann. war hoch interessant. ich sags ja: im mail auch nur das schreiben, was auf eine postkarte hinwürde Antworten


Dragica Staukovic

03.02.2010, 09:16 Uhr
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Ich empfehle mit NetShade zu surfen. Die IP wird vertuscht und man surft z. Bsp. über einen iranischen Server... Antworten



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