Gelebter Konsumterror im Web 2.0

Über fast alles kann man sich online mit Gleichgesinnten austauschen. Dank Blippy.com selbst über das Shopping.

Blippy.com funktioniert ähnlich wie Twitter. Meldungen über Transaktionen erscheinen chronologisch in der Zeitleiste jedes Benutzers.

Blippy.com funktioniert ähnlich wie Twitter. Meldungen über Transaktionen erscheinen chronologisch in der Zeitleiste jedes Benutzers.
Bild: Blippy.com

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Soziale Netzwerke haben in den letzten fünf Jahren das Web beherrscht. Es gibt nichts, was man nicht gemeinsam mit Gleichgesinnten online betreiben könnte. Neuerdings tauscht man sich sogar auch über die Shopping-Gewohnheiten aus: Blippy.com verbindet seit Ende 2009 Konsum mit Web 2.0. Der Name des Dienstes stammt vom englischen Wort für Piepsen und spielt auf das Geräusch an, das die Kasse bei jedem gescannten Gegenstand macht.

Blippy veröffentlicht gnadenlos jeden Kauf, den man im iTunes Store, bei Audible, via Amazon oder über Winelibrary.com tätigt. Das geschieht automatisch, indem man die Zugangsdaten zu seinen Benutzerkonten bei diesen Onlineshops im Blippy-Konto hinterlegt. Manche Nutzer verlinken sogar ihr Bankkonto, den Zugang zur Online-Kreditkartenabrechnung oder den Paypalaccount in der Community. In diesem Fall erscheint jede Belastung im Internet.

Das Sammeln von Daten

Blippy funktioniert ähnlich wie Twitter. Meldungen über Transaktionen erscheinen chronologisch in der Zeitleiste jedes Benutzers. Indem man anderen Nutzern folgt, sieht man deren Einkäufe in seiner Zeitleiste: «macstash hat 180 Dollar bei winelibrary.com ausgegeben.» «Leo Laporte kaufte für 1.29$ das Stück Blueberry Hill von Fats Domino als Musikdownload». «NikhilVerma hat 4452 Dollar bei Amazon rausgehauen.» Knapp 14'000 Käufe von 1400 Kunden sind bis dato registriert. Selbstverständlich darf man die Einkäufe der anderen Anwender kommentieren.

Ist das nun Realsatire, materialistischer Exhibitionismus, die Verhöhnung jeglichen Datenschutzes oder gar gelebter Konsumterror? Die Betreiber der Website jedenfalls lassen keinen Zweifel offen, welche Interessen sie verfolgen: Im Kleingedruckten heisst es, das Ziel sei das Sammeln von personalisierten Marketing-relevanten Daten und es wird auch erklärt, dass diese an Dritte weitergegeben werden können.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 08:00 Uhr


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