General, ledig, sucht ...
Von David Schaffner. Aktualisiert am 14.10.2009 14 Kommentare
Das Original, das die Betrüger verwenden: General John P. Abizaid. (Bild: Keystone)
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Seriöse Sites prüfen Profile
Um Betrugsversuche zu verhindern, schalten seriöse Singlebörsen wie Friendscout neue Profile erst dann auf, wenn der Kundenservice die dazugehörenden Texte und Bilder überprüft hat. Dabei bleiben laut einer Firmensprecherin rund 0,3 Prozent der betrügerischen Profile unerkannt. Dank Hinweisen von Kunden würden solche Profile jedoch im Normalfall nach einigen Tagen auffliegen und dann sofort gesperrt. Daten der Betrüger wie beispielsweise Kreditkarten- oder Kontonummern setzt Friendscout auf eine Blacklist, damit sie nicht erneut verwendet werden können. Wenn die Börse feststellt, dass ein Nutzer die Bilder von fremden Menschen verwendet, sperrt sie sein Profil ebenfalls. Die Site Elitepartner gibt an, noch nie Beschwerden wegen Versuchen von Romance Scam erhalten zu haben. Die Problematik sei in der Branche jedoch bekannt. Bei Parship wurden bisher zwei Fälle registriert. (dav)
Wie viele alleinstehende Frauen träumen wohl von einem solchen Mann? Beruflich erfolgreich, mit seinen über 50 Jahren immer noch gut aussehend, ausgezeichnet mit den höchsten Ehren seines Heimatlandes und doch etwas verloren im Leben. Die Ehefrau, mit der er lange glücklich verheiratet war, hat er bei den Attentaten auf das World Trade Center unter tragischen Umständen verloren. Seither sucht er nach der zweiten grossen Liebe. Um den elfjährigen Sohn, den er über alles liebt, kümmert er sich alleine.
Auf der Online-Singlebörse Friendscout24.ch versuchen momentan Betrüger mit genau dieser Masche – als «Romance Scam» oder «Love Scam» bekannt – an die Ersparnisse von Schweizerinnen im mittleren Alter heranzukommen. Sie benützen dabei – wohl neben anderen – den Profilnamen Curtis und bandeln mit Frauen an, die auf der Website einen Partner suchen. Um möglichst authentisch und echt zu wirken, bedienen sich die Betrüger teilweise der Identität eines der höchsten amerikanischen Militärs: des pensionierten Generals John P. Abizaid.
Schöne, gefühlvolle Worte
Der echte Abizaid ist ein waschechter amerikanischer Held: Er war der jüngste US-General mit vier Sternen, führte Militäroperationen in 25 Ländern und kommandierte zuletzt mehr als 250'000 Soldaten. Die Friendscout-Betrüger verwenden mehrere Bilder Abizaids und geben an, dass es sich dabei um Porträtaufnahmen ihrer selbst handelt. Im Mailverkehr mit den Frauen erfinden sie eine Biografie, die jener Abizaids gleicht. Nur den Namen Abizaid verwenden die Betrüger nicht – wohl aus Angst, dass der Bluff allzu schnell auffliegen könnte. Namen lassen sich im Internet schnell überprüfen, die Fotos von unbekannten Personen jedoch nicht.
Der Betrugsversuch auf Friendscout beginnt mit unzähligen Mails voller schöner, gefühlvoller Worte. Die Betrüger schreiben Frauen an, die neu ein Profil auf der Website eingerichtet haben. Sie geben sich zuerst zurückhaltend, schicken mehrere Fotos des attraktiven Abizaid. Dann kommen die Komplimente, wie ein dem TA vorliegender Fall zeigt. «Wunderschön» seien sie, schreiben die Betrüger den Schweizer Bekanntschaften, «nett, ehrlich, vertrauenswürdig und intelligent».
Der angebliche General und alleinerziehende Vater «wünscht sich von Herzen», dass «sie ihn genauso sehr mag wie er sie». Er erkundigt sich ausführlich nach ihrem Leben; will wissen, wie es den Kindern geht, wie das Leben während ihrer ersten Ehe war und seit wann sie wieder auf Partnersuche sei.
Eine Kiste voller Dollarnoten
Die neue Bekanntschaft wirkt lange angenehm, der Kontakt wird intensiver. Nach vielen Mails über die persönlichen E-Mail-Adressen folgen nächtelange Chats. Dann plötzlich wirkt der General aufgeregt. Er schreibt von einer grossen und wichtigen Auszeichnung, die er als Dank für seine militärischen Dienste im Irak vom irakischen Präsidenten erhalten habe. Mit dazu gehört die Summe von 500'000 US-Dollar in bar. Diese möchte er, weil Bankverbindungen aus dem Irak in die USA unsicher seien, per Kurier an seine Herzdame in die Schweiz schicken.
Als Überbringer beauftragt der angebliche General einen befreundeten Iraker, der in diplomatischen Diensten stehe. Als Attachment schickt er zwei Fotos: Eines zeigt einen unbekannten Mann, der gut leserlich einen diplomatischen Pass in das Bild hält. Das andere zeigt eine Kiste voller Dollarnoten.
Kurz darauf meldet sich der Diplomat per E-Mail bei der Schweizerin. In zwei Stunden reise er los. Er werde über Schweden in die Schweiz fliegen und ihr das Geld persönlich übergeben. Einige Stunden später schickt der angebliche Diplomat eine verzweifelte Mail: Er sitze fest am schwedischen Zoll, da der Stempel auf seinem Diplomatenpass abgelaufen sei. Um diesen kurzfristig erneuern zu können, müsse er ein Pfand in der Höhe von 11'500 Franken hinterlegen. 6000 habe er selber bezahlen können. Nun brauche er dringend die übrigen 5500 Franken.
Plötzlich jammert der General
Die Frau solle das Geld doch bitte umgehend per Western Union an eine Offizierin der schwedischen Zollbehörde schicken. Angefügt ist die Adresse einer Frau, die nach Recherchen des TA tatsächlich in der angegebenen Gemeinde in Schweden lebt. Nachdem die Single-Frau aus der Schweiz nicht umgehend bezahlt hat, erhält sie mehrere Anrufe mit unterdrückter Nummer: Der angebliche Diplomat und später der angebliche General versuchen sie dazu zu drängen, doch noch zu zahlen. Der General jammert, er würde alles verlieren, wenn sie ihn nun im Stich lasse.
Die Schweizerin, die den TA auf diese Betrugsversuche aufmerksam gemacht hat, wurde schon vor den Anrufen skeptisch. Sie recherchierte im Internet und fand heraus, dass unter den Opfern der Terroranschläge in New York keine Frau mit dem Namen der angeblichen Ehefrau des Betrügers war. Sie stellte fest, dass die angeblichen Porträtbilder John Abizaid zeigen und nicht ihre Internetbekanntschaft. Nach den Anrufen schrieb sie den beiden Betrügern, dass sie die Polizei eingeschaltet habe. Seither hat sie nichts mehr gehört von ihrem ruhmreichen General auf der Suche nach der Liebe seines Lebens.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.10.2009, 08:19 Uhr
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14 KOMMENTARE
Es wäre bestimmt nicht schlecht im Fernsehen vor Betrügern, im speziellen den Enkeltrickbetrügern zu warnen. Zeitungen werden offenbar nicht gelesen, also sollten vor Sendungen für ältere Leute Informationen eingeblendet werden, ähnlich den Vermisstenhinweisen. Mit den älteren Leuten habe ich Mitleid, hier hält es sich jedoch in Grenzen...
Hm. Wer steckt hinter den Maschen? Wahrscheinlich irgendwelche afrikanischen Desperados. Und wenn man denen Geld schickt, so kann man das immerhin als Entwicklungshilfe verbuchen...
Es ist schade, dass immer wieder Menschen auf solche Betrüger reinfallen. Werden wir nie klüger? Ältere Menschen auf diesen Enkeltricks - wobei nicht immer alle und dies freut mich sehr! Doch leider ist es so: Liebe und Geldgier machen ein bisschen blind. Ich finde es trotzdem traurig, dass sich Menschen Hoffnungen machen und diese so grausam enttäuscht werden. Hoffentlich fasst man diese Täter!
@Michael Trümmer: Erstens hat Markus Weber nicht behauptet, dass das Zitat von Einstein stammt, nur dass er es einmal sagte. Und zweitens könnten Sie doch wenigstens erklären, von wem das Zitat tatsächlich stammt, sollte es nicht von Einstein sein.
Schon vor mehr als 25 Jahren wurden ähnliche Abzockversuche gemacht. Natürlich nicht per Internet, mit "normaler" Briefpost hat das aber auch schon gut funktioniert. Die Dummen werden nie aussterben.
Markus Weber, dumm ist auch, wer den abgelutschten Spruch mit dem Universum und den Menschen zitiert, ohne zu hinterfragen ob dieser wirklich von Einstein stammt - und warum überhaupt den Namen einer anderen, angeblich berühmten Person erwähnen und diesem noch mehr "Macht" geben?
Wie entschied das Bundesgericht in manchen "Betrugs"-Fällen? > Wer sich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit selbst hätte schützen bzw. den Irrtum durch ein Mindestmass an zumutbarer Vorsicht hätte vermeiden können, wird strafrechtlich nicht geschützt. < Wer also auf einen derart offensichtlichen Trick reinfällt ist selber schuld. Aber auch Scout24 müsste die eingestellten Daten genauer prüfen.
Wie kann man auch...? Wenn es Zwischenmänner (oder ---frauen gibt), dann ist alles faul. Unterdrückte Telefonnummern soll man gar nicht erst annehmen. Selber *99# wählen und unterdrückte Telefonnummern läuten erst gar nicht bei Ihnen. Das verhindert auch dass Callecenters mit unterdrückter Nummer Sie erreichen können.
Ein bisschen Liebe und vor allem Einsamkeit sind gute Ingredienzen um jemanden zu manipulieren. Gelingt es aber dann auch noch die Gier zu wecken ist der/die Arme schon verloren. Ich wäre schon Milliardär hätte ich auf all die e-mails geanwortet, welche mit ähnlichen Maschen versuchen einen Dummen zu finden. Die kommen jetzt sogar auf Deutsch und der Fächer der Varianten wird auch immer breiter.
Nigeria-Connection vom Feinsten! Ob mit lukrativen Schnäppchen auf Immo-Scout oder mit rührseligen Storys von Generälen auf Friendscout: Die nigerianischen Betrüger versuchen auf immerwieder neue Art und Weise an das Geld der Blauäugigen zu kommen!
Jeder gute (Gratis-) Spamfilter erkennt direkte "Glückspost"aus (z.B.) Nigeria. Nur Kontaktbörsen wie Friendscout.ch, selber mit undurchsichtigem Hintergrund, ermöglichen den Heiratsschwindlern den Eintritt durch die Hintertür. Zu sagen, die User seien selber schuld, greift zu kur. Mein Vorschlag: eine "Hall of Shame" für solche Plattformen (Arbeit für Konsumentenschutz, wie Kassensturz und Co.)
Der Fuchs ist immer nur so schlau, wie die Hühner dumm sind. oder wie Albert Einstein sagte; Nur zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit
Die Dummen werden nie alle. Solange mit solchen plumpen Tricks den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen werden kann, kann man nur sagen, die sind selber schuld, ein bisschen vorsichtiger sollte man schon sein !
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