Google in Zürich: «Hier hätte sich auch Michael Jackson wohl gefühlt»

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 17.02.2010 102 Kommentare

Arbeiten wo und wann man will, Gratisverpflegung und ein grosses Spassangebot rund um die Uhr: Der Artikel über Googles Arbeitswelt in Zürich wirft bei den Lesern hohe Wellen.

1/30 Ein Radfahrer vor dem Google-Logo am Schweizer Sitz in Zürich: Wie lange gibt es das Unternehmen in der Schweiz noch?
Bild: Keystone

Das ausgefallendste Büro der Schweiz steht in Zürich Google in Zürich: «Hier hätte sich auch Michael Jackson wohl gefühlt»

   

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Google (GOOG 591.53 -2.01%) polarisiert, zweifellos: Entweder man liebt den Internetriesen oder verabscheut ihn. Das zeigt sich auch in den Reaktionen auf die Bilder und den Artikel zum Innenumbau der Google-Niederlassung in Zürich (siehe baz.ch/Newsnet vom Dienstag).

Leser Gérard Gohl etwa lobt die arbeitspsychologischen Massnahmen des US-Konzerns. Hier werde der Arbeitnehmer «als Individuum ganzheitlich angenommen» und bei Entscheidungen und Projekten miteinbezogen. Auch hinsichtlich der angenehmen Gestaltung des Arbeitsplatzes habe die Konkurrenz Nachholbedarf: «Viele andere Firmen ziehen einzelne Aspekte aus Googles Philosophie ernsthaft in Erwägung.»

Ein Wunsch, den auch Peter Müller hegt, aber «in jedem normalen Bünzli-Betrieb» sei Arbeitsplatzergonomie leider ein absolutes Fremdwort. Peter Meyer ist Google gegenüber ebenfalls sehr positiv eingestellt: So ein Umfeld sei «sicher stressabbauend» – wenn auch «nicht geeignet für Bünzlis».

Der Vergleich mit Bünzlis und Banken

Letzteres Stichwort fällt mehrmals, so auch im Beitrag von Hans Schmid. «Die dauernde Erreichbarkeit müsste nicht sein, aber immer noch das kleinere Übel als in irgendeinem Bünzli-Betrieb jeden Tag morgens um halb acht am Schreibtisch sitzen zu müssen, weil die Meinung vorherrscht, dass nur jene etwas leisten, die mitten in der Nacht aufstehen um früh am Arbeitsplatz zu sein.»

Von den Lesern wird zudem der Unterschied dieser Arbeitskultur mit derjenigen der Schweizer Finanzwelt betont. Von «solch schönen Zuständen» könne man bei den Banken nur träumen, dort sei es «eher wie die Hölle auf Erden»», schreibt Dani Müller. Ähnlich argumentiert Christian Hauser: «Es ist schön zu sehen, dass es doch noch eine Firma gibt, die einen kleinen Teil ihrer Mega-Gewinne direkt – und in welcher Form auch immer! – denjenigen zu Teil werden lässt, die dazu beigetragen haben; nämlich jedem einzelnen Mitarbeiter.»

«Google macht alles richtig»

Peter Bieler schliesslich argumentiert aus der Sicht der Lernpsychologie. «Das Hobby zum Beruf machen (oder umgekehrt) bringt am meisten», schreibt er und lobt: «Bravo!» Wirklich gute Ideen entstünden zu über 75 Prozent nicht am Arbeitsplatz. «Darum macht Google alles richtig.»

Ganz anders sehen das Kommentator Marco Lardi, der das Zürcher Office als «modernen Hundezwinger» bezeichnet oder Kommentatorin Farra Ojoni, welche sich «eher an ein Umfeld in einer Sekte» erinnert fühlt («möglichst kein Kontakt zur Aussenwelt und alles auf das Unternehmen fokussiert»).

Die Arbeitswelt als Kompensation?

Können nur Asoziale für Google arbeiten? Diese Frage wirft Leo Nauer auf: Um hier glücklich zu arbeiten, brauche es eisernen Leistungswillen, den Vorzug der Google-Familie sowie Ideenlosigkeit zur Gestaltung der Freizeit. «Gibt es überhaupt Googler in privaten Vereinen?», will er wissen. Ins gleiche Horn bläst Hans Widmer: «Meine Freizeit teile ich lieber mit Leuten aus meinem privaten Umfeld. Google hingegen verschiebt die Freizeit seiner Mitarbeiter ins Büro und macht so noch abhängiger vom Arbeitgeber.»

Dieter Ritter schliesslich sieht das grösste Problem vor allem in einem Mangel an Glaubwürdigkeit gegenüber dem Unternehmen: «Wenn sich Google nur nicht zu einer der weltweit grössten Datenkrake entwickelt hätte – Googles Firmenmotto «Sei nicht böse» ist nur ein schlechter Witz», schreibt Ritter in Anlehnung an die Kritik von Google-Konkurrent und Apple-Chef Steve Jobs.

Fast keine Grautöne

Nur wenige der unzähligen Kommentatoren weichen von diesem «Gut- oder-Böse»-Schema ab. Einer von ihnen ist Tom Berger, der schreibt: «Im Prinzip kann man ein solches benutzerfreundliches Arbeitsumfeld nur befürworten. Ob allerdings die totale Verschmelzung von Arbeitsplatz und Privatleben so positiv ist, wie sie auf den ersten Blick aussieht, ist eine andere Frage.» Am einfachsten sei dies wohl für junge, ungebundene Berufseinsteiger sei das sicher kein Problem.

Auch Cornel Wick sieht beide Seiten der Medaille. Positiv sei, dass Google auf Eigenverantwortung setze – «solange die Ziele erreicht werden: warum nicht? Faule Eier werden sehr schnell durch die eigene Belegschaft erkannt». Allerdings sei die Gefahr des Mobbings sehr gross: «Da braucht es Fingerspitzengefühl der Entscheidungsträger.»

Remo Suter schliesslich mag dem Thema durchaus eine humoristische Seite abgewinnen: «Hier hätte sich auch Michael Jackson wohl gefühlt.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2010, 10:30 Uhr

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102 Kommentare

Robert Rieder

17.02.2010, 21:45 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Das ist doch wiedermal typisch: Da macht eine Firma etwas nicht nach dem schweizerischen Schema F und schon sind sie eine Sekte. Die vom Neid zerfressenen Schweizer können es einfach nicht ausstehen, dass bei Google die Mitarbeiter gewisse Extras kriegen und vor allem, dass Google auch noch erfolgreich damit ist. Das muss doch mit dem Teufel zugehen - anders wäre das ja gar nicht möglich. Antworten


Detlev Küntzel

17.02.2010, 20:05 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Man sollte erwähnen, dass dieser Service eher für die Besten der Besten sein dürfte und es nicht nur einen Mitarbeiter-Wettbewerb zw. Unternehmen, sondern auch zur OpenSource-Community gibt. Bei diesen Freaks ist Arbeit = Freizeit und Beruf = Berufung; das ist auch Hobby und Idealismus pur; auch die Trennung zw. Betrieb und OpenSource wird aufgeweicht. Hier wird mehr geboten als "nur Boni". Antworten



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