Digital

Im Schattenreich des Internets

Von Andreas Landwehr (dpa), Peking. Aktualisiert am 15.01.2010

«Patriotische Hacker» und «Geisternetze» machen Unternehmungen und Regierungen das Leben schwer. Für die USA besteht sogar die Gefahr eines Cyberkriegs.

2009 entdeckten kanadische Forscher ein grosses, international operierendes Spionagenetz, das 1295 Computer in 103 Ländern mit seiner Software angezapft hatte.

2009 entdeckten kanadische Forscher ein grosses, international operierendes Spionagenetz, das 1295 Computer in 103 Ländern mit seiner Software angezapft hatte.
Bild: Keystone

Interaktiv-Box

Artikel zum Thema

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Der Anstieg der Angriffe illustriert das Beispiel USA. Dort kam es innerhalb eines Jahres zu einer Verdoppelung auf mittlerweile 90'000 Angriffe.

Die Spionage über das weltweite Netz und die Gefahr eines Cyberkrieges zur Ausschaltung wichtiger Computernetze betrachtet die US-Regierung heute «als eine der grössten Bedrohungen für die Wirtschaft und die nationale Sicherheit».

Die Urheber der Angriffe werden vor allem in China und Russland vermutet. US-Experten gehen allerdings weiter und beschuldigen offen staatliche Stellen in China und Teile der Volksbefreiungsarmee.

Die Spuren der Hacker hätten es US-Ermittlern manchmal ermöglicht, «die chinesische Regierung direkt oder manchmal sogar spezielle Teile der Regierung wie die Volksbefreiungsarmee damit in Verbindung zu bringen», hiess es jüngst in einem Kongressbericht zu Chinas Cyberaktivitäten.

Internationales Spionagenetz

Die Ziele der Hacker enthüllten auch ihre politischen Motive - eben nicht übliche kriminelle Absichten wie etwa das Herausfinden von Kreditkarten-Informationen oder Konten.

Hinzu kämen noch «patriotische Hacker»: Sie seien nationalistisch und antiwestlich eingestellt. Sie wollten ihre Fähigkeiten beweisen, indem sie in Krisenzeiten ausländische Websites angreifen. Wie weit staatliche Stellen dahinter stünden, sei unklar, aber es gebe klare Hinweise für solche Verbindungen, heisst es in dem Bericht weiter.

Im vergangenen Frühjahr entdeckten kanadische Forscher sogar ein grosses, international operierendes Spionagenetz, das 1295 Rechner in 103 Ländern mit seiner Software angezapft hatte. Bis zu 30 Prozent der Ziele waren «hochrangige Ziele» wie Regierungsstellen, Aussenministerien, Medien, internationale Organisationen und Botschaften.

Selbst das Nato-Hauptquartier in Brüssel oder die Büros des von Peking als Separatisten verteufelten Dalai Lama wurden ausspioniert. Die Forscher sprachen von einem «Geisternetz» (Ghostnet). Das Programm hatte eine Bedieneroberfläche in chinesischer Sprache und wurde fast ausschliesslich von Rechnern in China kontrolliert.

Im Sommer flog ein gross angelegter Hacker-Angriff gegen rund 100 US-Technologiefirmen auf. Ziel war der Diebstahl von wichtigen Computerdaten.

Eine Frage des Überlebens

Die schädlichen Programme bekamen damals ihre Instruktionen von ähnlichen Servern wie jetzt auch bei dem Angriff auf Google. (GOOG 591.53 -2.01%) Dass diese Attacke auf den Internetkonzern allerdings einen Streit über Meinungsfreiheit und Zensur in China auslösen würde, hätten die Hacker aus China sicher nicht gedacht.

Doch für Google war damit das Mass voll - nach vier Jahren zähneknirschender Selbstzensur in China kündigte Google den chinesischen Behörden die ohnehin brüchige Freundschaft auf. Chinas Regierung allerdings zeigte sich bislang unbeeindruckt. Die harte Haltung verwunderte niemanden, denn die Meinungshoheit im Internet und seine Kontrolle sind für die Kommunistische Partei schlicht Überlebensfragen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.01.2010, 14:46 Uhr

Digital

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.