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Juden haben kein Problem mit «Jude oder Nichtjude»

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 22.09.2011

Mit einer App kann man herausfinden, ob ein Promi Jude ist. Das Programm wurde in Frankreich nach Protesten verboten. Das macht keinen Sinn – sagen ein US-Rabbiner und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund.

Marilyn Monroe war eine konvertierte Jüdin. Nur: Wer will so etwas wissen?<br> Screenshot: iPhone-App «Jew or not Jew».

Marilyn Monroe war eine konvertierte Jüdin. Nur: Wer will so etwas wissen?
Screenshot: iPhone-App «Jew or not Jew».

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Die iPhone-App «Jew or not Jew» (Jude oder Nichtjude) hat in Frankreich und Deutschland für Empörung gesorgt (baz.ch/Newsnet berichtete).

Das Miniprogramm, mit welchem man nach prominenten Juden suchen oder herausfinden kann, welche Namen jüdisch sind, musste in unserem westlichen Nachbarland nach einer Intervention von SOS Racisme aus dem App Store entfernt werden. Die Applikation verstösst laut der Antirassismus-Organisation gegen französisches Recht: Persönliche Informationen von Personen ohne deren Einverständnis zu sammeln, sei illegal.

Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus prüft rechtliche Schritte

Ronnie Bernheim, Präsident der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), missfällt die App, die in der Schweiz für zwei Franken heruntergeladen werden kann, ebenfalls. Er hat in der letzten Ausgabe der Zeitung «Sonntag» angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen. Wie Bernheim gegenüber baz.ch/Newsnet ausführt, prüft die GRA derzeit konkret, «inwieweit das Datenschutzgesetz verletzt wird», schliesslich handle es sich bei der Religionszugehörigkeit um eine «höchstpersönliche Information».

SIG sieht «keinen Handlungsbedarf»

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) jedoch sieht laut Generalsekretär Jonathan Kreutner derzeit «keinen Handlungsbedarf, in der Schweiz gegen die App vorzugehen». Mit ein Grund: Der Entwickler der App ist Johann Levy, ein Franzose jüdischer Abstammung. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP gab der Ingenieur zu Protokoll, in seinem Freundeskreis gebe es immer wieder Diskussionen darüber, welche Prominenten jüdisch seien. Für ihn sei nichts Beleidigendes daran, «wenn man sagt, jemand ist Jude oder nicht. Im Gegenteil, es kann einen stolz machen.»

Rabbiner Hirschfield: «Gut gemeint, aber naiv»

In den USA, wo ebenfalls eine heftige Debatte über Sinn oder Unsinn von «Jew or not Jew» tobt, hat sich mittlerweile ein prominenter Rabbiner zu Wort gemeldet. Buchautor Brad Hirschfield («You Don't Have to Be Wrong for Me to Be Right») schreibt in einem Beitrag für die «Huffington Post»: «Der französische Bann für diese App ist eine gut gemeinte, aber völlig naive Antwort auf ein absolut reales Problem.» Natürlich, so Hirschfield, könne die App von «hasserfüllten und bedrohlichen Typen» missbraucht werden, aber die App zu eliminieren, helfe nicht, Antisemitismus zu bekämpfen.

Für Hirschfield ist denn auch klar, dass die App nicht das Problem ist. «Sie ist nicht von sich aus abscheulich oder hässlich.» Im Grunde sei Jew or not Jew nichts anderes als eine Weiterführung eines Spiels, welches Juden in aller Welt spielen: «Raten, wer jüdisch ist – und die Antwort stolz oder enttäuscht zur Kenntnis nehmen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2011, 15:15 Uhr

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