Künstler gegen Piraten: Wer gewinnt?

Aktualisiert am 08.07.2009

Am Sonntag wird die Schweizer Piratenpartei gegründet. Die Musikindustrie wappnet sich gegen den Angriff aufs Urheberrecht.

Das Logo der Schweizer Piratenpartei.

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Piratenpartei lehnt DRM ab

Mit sogenanntem Digital Rights Management (DRM) versucht die Musikindustrie, das uneingeschränkte (digitale) Kopieren rechtlich geschützter Inhalte zu verhindern. Die Konsumenten freut das wenig. Auch die Suisa ist skeptisch. DRM-Techniken (»digitale Rechteverwaltung») erlauben es Anbietern, auch mit technischen statt nur mit rechtlichen Mitteln zu bestimmen, wer, wie und wann ihre Inhalte nutzt.

Eine MP3-Datei, die man auf dem Internet kauft, kann zum Beispiel einen Kopierschutz aufweisen, der eine Kopie auf lediglich 2 oder 3 weitere PCs zulässt. Weniger restriktiv ist das digitale Wasserzeichen, das in zahlreichen Downloadshops eingesetzt wird. Für den Käufer unsichtbar, kann es urheberrechtliche Informationen beinhalten. Es können auch Hinweise auf den Käufer gespeichert werden.

Die Piratenpartei lehnt DRM konsequent ab und tritt für dessen Verbot ein. In diesem Punkt ist sie sich mit der Suisa einig. «DRM lehnen wir konsequent ab, nicht zuletzt aus Datenschutzgründen», sagt Mediensprecher Martin Wüthrich.

Die Tonträgerproduzenten sehen das anders. Wie die Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI) auf ihrer Homepage schreibt, erachtet sie Kopierschutzmechanismen als «massvolle Antwort auf den fortschreitenden Verlust des Wertes von Musik». Dieser Verlust wird nach Meinung der IFPI «durch massenhaftes Kopieren und Verbreiten sowie durch die organisierte Musikpiraterie verursacht».

«Privatkopien sind erlaubt», heisst es dagegen bei der Suisa. Allerdings müsse der Urheber dafür entschädigt werden. «Aus diesem Grund bezahlt man heute mit jedem gekauften CD-Rohling automatisch drei Rappen Urheberrechtsentschädigung», erinnert Wüthrich.

In Zürich wird am kommenden Sonntag die «Piratenpartei Schweiz» gegründet (baz.ch/Newsnet berichtete). Getreu ihrem schwedischen Vorbild haben sich die selbst ernannten Freibeuter den Kampf gegen das Urheberrecht auf ihre Fahne geschrieben - mit unabsehbaren Folgen für Künstler und die Musikbranche.

Der Begriff «Piratenpartei» ist derzeit in aller Munde. Unzählige Journalisten haben sich schon mit diesem jungen Phänomen beschäftigt - ein Phänomen, das ohne die Entwicklung des Internets und die grenzenlosen Möglichkeiten des digitalen Datenaustauschs so niemals möglich gewesen wäre.

2006 in Schweden gegründet, ist die Piratenpartei inzwischen auch in Deutschland, Österreich, Spanien oder Frankreich und nächstens auch in der Schweiz vertreten. Alle diese Parteien treten ein für die Stärkung der Privatsphäre im Internet, und sie alle haben sich dem Kampf gegen Monopole und Patente verschrieben.

Ganz oben in der Piraten-Agenda steht die Lockerung des geltenden Urheberrechts. Dieses erlaubt es zum Beispiel einem Komponisten zu bestimmen, ob seine Werke aufgeführt oder weiterverbreitet werden dürfen. Auf diese Weise kann er ein Einkommen erzielen.

Dass die Anhänger der Piratenpartei dagegen sind, hat seinen Grund: Viele von ihnen nennen das «Filesharing» über Internet- Tauschbörsen ihr Hobby. Nicht selten werden dabei Musikwerke oder Filme angeboten und heruntergeladen, die urheberrechtlich geschützt sind.

Es dürfe niemals illegal sein, schreibt die Piratenpartei Schweiz auf ihrer Homepage, Kopien zu teilen oder Werke für den gemeinnützigen Gebrauch anderweitig zu verbreiten oder zu nutzen. Dieser «faire Gebrauch», sind die Piraten überzeugt, komme letztlich der ganzen Gesellschaft zugute. Doch wie steht es um die Urheber selbst, die Künstlerinnen und Künstler?

Urheberrecht ist Menschenrecht

«Der Schutz geistiger Werke ist ein Menschenrecht», betont Martin Wüthrich, Sprecher der Urheberrechtsgesellschaft Suisa, welche die urheberrechtlichen Interessen von Komponisten und Musik-Verlegern in der Schweiz vertritt.

«Das Urheberrecht ist durch zahlreiche internationale Abkommen gesichert.» Über diese Grundlage werde nicht diskutiert, sagte Wüthrich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. «Es steht der Piratenpartei jedoch frei, auf gesetzlichem Wege eine Änderung des Urheberrechts zu erreichen.»

Wenn es jemandem gelinge - und das könnten nicht viele von sich behaupten -, sich eine musikalische Existenz aufzubauen, dann sei das mit dem erfolgreichen Aufbau einer Firma vergleichbar. «Es ist klar, dass die Wertschöpfung dem Firmeninhaber gehören muss.»

Altersvorsorge für Musiker

Eine Komposition ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt. Dieser Schutz sei - zusammen mit der Rente der Suisa - auch eine Altersvorsorge, meint Wüthrich.

Man müsse nämlich wissen, so Wüthrich, dass es in der Schweiz diverse ältere Suisa-Mitglieder gebe, die zu einem Teil von den Urheberrechtsvergütungen ihrer Werke leben können. Der Grund: ihre Werke werden auch nach Jahrzehnten noch immer gespielt, aufgeführt oder verlegt.

Ginge es nach der Piraten-Partei, so müssten die Rechte der Urheber indes stark eingeschränkt werden. Als besonders störend empfinden sie den Patentschutz, der die gewerbliche Nutzung einer Erfindung und damit eines Musikstückes ermöglicht: Nach Ansicht der Piraten soll dieser Anspruch fünf Jahre nach der Erfindung erlöschen.

Kostspieliges Unterfangen

Gar keine Freude an solchen Vorschlägen hat freilich die Musikindustrie: «Die Forderungen der Piraten-Partei sind nicht nur gegen die Interessen der Kulturschaffenden, sondern gegen die Interessen der Allgemeinheit gerichtet», sagt Wilfried Haferland von der Schweizer Landesgruppe des Verbandes der Musikindustrie, der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI).

Die Produktion von Musik sei eine kostspielige Angelegenheit, gibt Haferland zu bedenken. «Wenn sich dies nicht mehr lohnt, dann wird auch nichts mehr für die Allgemeinheit produziert», ist er überzeugt.

Ebensowenig hält die IFPI von der Idee, das Kopieren von Werken «für den gemeinnützigen Gebrauch» vollkommen zu legalisieren. In einem solchen Fall gebe es wohl niemanden mehr, der von der Musik leben könnte, sagt Haferland. (rek/sda)

Erstellt: 08.07.2009, 08:27 Uhr

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