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Max tanzt Facebook auf der Nase herum
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Will Facebook zur Transparenz zwingen: Max Schrems, 23-jähriger Jus-Student aus Wien. (Bild: gutjahr.biz)
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Um herauszufinden, was auf den Servern von Facebook (FB 25.66 -0.38%) so alles über einen herumliegt, gibt es einen einfachen Weg: In den Kontoeinstellungen drückt man auf den Link «Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter». So weit, so transparent? Ganz so einfach ist es nicht. Denn was dabei herauskommt, ist nur ein kleiner Teil der Informationen, die Facebook tatsächlich abspeichert.
Welche Datenmenge der Konzern hortet, erfuhr der 23-jährige Wiener Student Max Schrems, als er den umständlicheren Weg über ein gut verstecktes Formular im Hilfebereich von Facebook beschritt – eine Möglichkeit, die Facebook nach europäischem Recht gewähren muss. Dazu muss man neben den persönlichen Angaben (die mit jenen im Facebook-Profil übereinstimmen müssen) auch eine Kopie eines Personalausweises hochladen und das Gesetz zitieren, nach dem man seine eigenen Daten beansprucht.
Dicke Post aus Übersee
Einige Wochen später, so schreibt etwa die «taz», erhielt Schrems Post aus den USA: Eine CD-ROM mit über 1200 A4-Seiten mit persönlichen Daten, Chat-Protokollen, angenommenen oder abgelehnten Einladungen und Freundschaftsanfragen, persönlichen Nachrichten und Pinnwand-Einträgen.
Der Umfang des PDF-Dokuments und die Detailgenauigkeit der Informationen ist erschreckend. Schrems hat eine geschwärzte Version auf der Website seines Vereins Europe vs. Facebook öffentlich gemacht. Doch auch das ist noch nicht alles: Auf welchen Seiten ein Nutzer etwa den «Gefällt mir»-Button gedrückt hat, behält der Datenkrake für sich.
Auch Daten aus der Gesichtserkennungs-Funktion, Videos, Einträge auf Seiten anderer User, Indikatoren für die Intensität von Beziehungen sind Informationen, die Facebook mit seinen Algorithmen generiert – und auch bei einer Anfrage mit dem Formular zurückbehält.
Klagen werden geprüft
Zusammen mit seinen Mitstreitern bereitet der Jus-Student 22 Anzeigen gegen das Netzwerk in Irland vor oder hat sie bereits eingereicht. Über die Facebook-Tochter auf der Grünen Insel laufen sämtliche Verträge – und ein solcher ist eine Facebook-Anmeldung – zwischen dem Netzwerk und Nutzern in Europa.
Damit geniesst Facebook nicht nur Steuervorteile, sondern unterliegt auch europäischem Datenschutzrecht. Die irische Datenschutzbehörde ist von Rechts wegen verpflichtet, allfällige Verstösse zu prüfen und zu verfolgen – was sie, wie kürzlich angekündigt, auch tun wird.
«Verbessern statt verweigern»
«Social Media ist ein cooles Prinzip», sagte Schrems in einem Interview mit der «Süddeutschen». Deshalb sei er auch noch immer auf Facebook angemeldet. Denn: «Verbessern ist besser, als sich zu verweigern.» Und verbessern hiesse im Fall von Facebook: ein Ende der wahllosen Speicherwut und den Nutzern die Macht über ihre Inhalte.
Deshalb rufen Schrems und seine Mitstreiter dazu auf, bei Facebook die eigenen Daten anzufordern – und geben die Anleitung dazu gleich mit.
Facebook selbst lässt wissen: 1200 Seiten müssten doch als Antwort auf das Anfrageformular genügen. Es sei «Unsinn» zu behaupten, das Unternehmen sei nicht bereit, dem Nutzer seine Informationen herauszugeben. Die darin nicht enthaltenen Informationen seien «Firmengeheimnisse und intellektuelles Eigentum» von Facebook, zitiert der Blogger Richard Gutjahr aus einem Schreiben.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2011, 10:07 Uhr
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