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Rüebli, Bier vom Fass und Facebook

Von Peter Walthard. Aktualisiert am 29.12.2009 2 Kommentare

Seit gestern habe ich einen neuen Freund auf Facebook: Diego. Er ist der dickste Freund den ich je hatte: Satte 980 Kilo bringt er auf die Waage – obwohl er am liebsten gesunde Rüebli isst. Kein Wunder: Diego ist ein Pferd.

Voll vernetzt. Brauereipferd Diego berichtet im Internet u?ber sein Leben.

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Er ist unkompliziert, der Diego. Seine Interessen: Stuten. Sein Lieblingsessen: Rüebli. Sein Job: «Total viel schuften am Sechsspänner.» Das erfährt man auf Diegos Facebook-Profil. Vielleicht hat Diego deshalb so viele Freunde: Über 600 User verfolgen sein Pferdeleben auf Facebook. Und die Kommentare auf seiner Pinwand zeugen von Zuneigung: «Du bist mein schönster Freund auf Facebook», schreibt etwa Alexandra Zdovc aus Grindelwald.

Das ist kein Wunder. «Er hat ja so viele Fans», sagt Gaby Gerber. Die Feldschlösschen-Sprecherin hat den belgischen Wallach auf Facebook gebracht. Er ist einer von acht Kaltblütern, welche sich der Bierkonzern hält und die die Biermarke bei besonderen Anlässen vertreten – etwa wenn sie zum Rheinfelder «Weihnachtsfunkeln» das erste Winterbier ausliefern. Die Brauereipferde haben Tradition: Früher gehörten sie in mancher europäischen Metropole zum Stadtbild, als der Bier-nachschub noch nicht mit Lastwagen, sondern in Holzfässern auf Fuhrwerken in die Quartierkneipen geliefert wurden.

Ein Unikum

Was in Paris und Berlin der Vergangenheit angehört, lebt in Rheinfelden weiter: Zweimal in der Woche ziehen Diego und fünf seiner Mitstreiter am Sechsspänner den tonnenschweren Bierwagen durch die Altstadt und sorgen dafür, dass im Städtchen keine Kehle trocken bleiben muss. Daneben gehen die Kaltblüter auch auf Reisen: So treten sie etwa an der Basler Herbstmesse auf, in den letzten Monaten waren sie auch an der Olma in St. Gallen und am Rapperswiler Weihnachtsmarkt im Einsatz. Und immer ist er der Star: Diego. «Er ist einfach ein Unikum», sagt Gaby Gerber: «Manchmal steht er da, als ob er gerade einschlafen würde, dann hat er wieder den Schalk in den Augen und ist zu einem Streich aufgelegt», sagt sie.

Viele Fans seien Frauen zwischen 30 und 50, sagt Gaby Gerber. Mit dem Älterwerden verlagere sich das Interesse bei vielen Pferdefreunden von Ponys und Reitpferden zu den Arbeitstieren. Neben Pferdenarren begeistern Diego und sein Gespann auch Freunde alter Biertraditionen. Zwar gebe es viele Brauereien, die bei festlichen Anlässen mit ihren Pferden Bier anlieferten, weiss Gerber. Diese seien aber meist vom Bauern ausgeliehen. In Rheinfelden legt man aber Wert darauf, die Tiere selbst zu halten. «Wann immer es das Wetter zulässt, sind sie auf der Weide.»

Am liebsten Rüebli

Doch das Braupferd lebt nicht vom frischen Gras allein. Diego lässt sich seine Popularität sprichwörtlich schmecken: Wo immer die Rheinfelder Rosse vom Schloss auftreten, bringen seine Fans ihm seine geliebten Rüebli mit. Der Fuhrmann nimmt sie entgegen und gibt sie ihm nach getaner Arbeit – zumindest die meisten davon. «Wir schauen schon darauf, dass die anderen Pferde auch etwas bekommen», sagt Gerber. Damit hat Diego kein Problem. Ihn beschäftigt während den Festtagen etwas anderes: Die vielen Rüebli, die als Bratenbeilage geschmort und nicht gegessen werden. «Schade drum. Frisch sind sie besser und wenn ihr sie nicht mögt, kennt ihr ja einen Abnehmer», schreibt er auf Facebook. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.12.2009, 16:10 Uhr

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2 Kommentare

Hannes Estermann

29.12.2009, 16:56 Uhr
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Finde es höchst sympathisch-diese Pferdestory.Nur was der wöchentliche Sechsspänner anbelangt der durch die Stadt hofiert ist leider ungenau.Man geht mit zwei Gespann zu je 2 Pferden kleine Transporte ausführen-als Be- wegungstherapie für die Pferde und Training für die Karrer.Ein Sechspänner kommt bei einem grossen Anlass oder einem seltenen Trainings in die Altstadt.Trotz allem macht weiter so. Antworten


rene klingler

29.12.2009, 20:51 Uhr
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"Er ist der dickste Freund den ich je hatte" so eine dumme Aussage habe ich noch nie zu Ohren bekommen, Pferde sind im Gegensatz zum Menschen überhaupt nicht dick, ausser sie werden, was leider sehr oft der Fall ist, viel zuwenig bewegt oder müssen ihr Dasein im düsteren Stall fristen und gnädigst auf den Bereiter warten. Das Pferdedasein ist etwas vom Traurigsten was es überhaupt gibt! Antworten



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