Türkische Hacker greifen Website der Badi Wülflingen an

Einige Websites von kleineren Schweizer Unternehmen wurden in den letzten Tagen von Hacktivisten für politische Propaganda missbraucht.

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Zwei Tage nachdem ein Transparent mit der Aufschrift «Kill Erdogan with his own weapons» (zu Deutsch: Tötet Erdogan mit seinen eigenen Waffen) bei einer türkeikritischen Demonstration in Bern für einen diplomatischen Zwischenfall sorgte, wurden mehrere Websites kleinerer Schweizer Unternehmen entstellt und für politische Propaganda missbraucht. baz.ch/Newsnet sind insgesamt drei Fälle in der Schweiz bekannt. Die Angreifer identifizieren sich selbst als eine türkische Hackergruppe.

So erwartete Besucher der Website der Badi Wülflingen am Montagmorgen eine schwarze Seite mit türkischer Flagge in der Form der Schweiz. «Unsere internen Angelegenheiten gehen euch nichts an», stand darüber. Und: «Glaubt nicht, dass ihr mit eurer Solidarität mit den Terroristen ungeschoren davon kommt. Wir sind immer und überall bereit!»

Die Badi hat neben dem Freibad auch ein Wellnessangebot. Grosse Auswirkungen auf den Betrieb hatte der Angriff aber nicht, meint Betriebsleiter Urs Bösch gelassen. «Wir sind von der Website nicht sehr abhängig», sagt er auf Anfrage. Nachdem einige Kunden den Ausfall meldeten, stellte der IT-Support die Website nach rund einem Tag wieder her.

Keine spezifischen Angriffe

Wieso greifen Hacktivisten die Website einer Badi an? Das liege daran, dass die Angreifer nicht spezifische Websites auswählen und dann eine Sicherheitslücke suchen, erklärt Max Klaus, der stellvertretende Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) des Bundes. Im Gegenteil: Die Angreifer wählen zuerst eine Sicherheitslücke aus und suchen dann Websites, die auf diese Angriffsart anfällig sind. Solche Vandalenakte gebe es leider immer wieder.

Es ist denn auch nicht erstaunlich, dass die Websites grösserer Unternehmen nicht entstellt wurden. Denn diese aktualisieren ihre Systeme im Durchschnitt häufiger und investieren viel Geld in die Sicherheit. Deswegen ist es auch unwahrscheinlich, dass sie auf bekannte Sicherheitslücken anfällig sind.

Im Übrigen wird ein solches «Defacement» (englisch für «Entstellung», «Verunstaltung») im Vokabular des Melani gar nicht als Hackerangriff bezeichnet, wenn dabei keine Informationen gestohlen werden, stellt Klaus klar.

Ermittlungen wegen Transparents

Ob die Angriffe tatsächlich eine direkte Reaktion auf den Eklat um das «Kill Erdogan»-Transparent sind, ist nicht bekannt. Auf dem Transparent, das am Samstag bei einer friedlichen Demonstration vor dem schweizerischen Parlament hochgehalten worden war, war eine Pistole zu sehen, die auf den Kopf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigte. An der Demonstration waren auch Flaggen von Abdullah Öcalan zu sehen, dem Anführer der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Der Vorfall hat mittlerweile auch Ermittler auf den Plan gerufen. Sowohl in der schweizerischen Hauptstadt Bern, wo die Kundgebung stattgefunden hatte, als auch in Istanbul kündigten die Staatsanwaltschaften am Montag eine Untersuchung an. Den Personen, die für das Transparent verantwortlich seien, könnte eine Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Präsidentenbeleidigung und Verbreitung terroristischer Propaganda drohen, hiess es von der türkischen Seite.

Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland habe ein Verfahren wegen öffentlichen Aufrufs zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit eröffnet, sagte Dominik Jäggi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, am Sonntag.

(mch/ap)

Erstellt: 29.03.2017, 23:07 Uhr

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