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Web-Piraten provozieren Musikindustrie
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 16.04.2009
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Begriffserklärung
Filesharing heisst Datentausch. Genauer: Die Möglichkeit, von zwei oder mehreren vernetzten Computern aus auf dieselben Dateien zuzugreifen und diese untereinander auszutauschen. Dafür gibt es verschiedene Methoden, sei es über einen Server oder über ein Peer-to-Peer.
Peer-to-Peer (von gleich zu gleich): Über diese Netzarchitektur teilt man die Daten auf dem eigenen Computer mit allen anderen Benutzern, die an das Netzwerk angeschlossen sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich beim getauschten Material um Musik-, Video-, Bild- oder Softwaredateien handelt.
Bittorrent (Bit: kleinste Daten-Einheit, Torrent: reissender Strom): Ein Filesharing-Protokoll, das sich besonders für die schnelle Verteilung grosser Datenmengen eignet. Im Gegensatz zu anderen Filesharing-Techniken setzt Bittorrent auf kein übergreifendes Filesharing-Netzwerk, sondern baut für jede Datei ein separates Verteilnetz auf.
«The Pirate Bay» (TPB) ist eine Website, die es Internet-Nutzern erleichtert, Dateien auszutauschen. Ob die TPB-Macher für die Inhalte dieser Dateien in irgendeiner Form verantwortlich gemacht werden kann, darüber wird seit zwei Monaten in Schweden vor Gericht gestritten. Das Urteil, welches morgen Freitag erwartet wird, hat Auswirkungen für Millionen von Internetnutzern. Das Gericht wird festlegen müssen, an welchem Punkt genau beim Herunterladen einer Datei das Urheberrecht verletzt wird – und bis wohin ein Betreiber nur eine technische Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Es geht weiter, so oder so
Gegenüber der BBC gibt sich Mitgründer Peter Sunde optimistisch: «Wir sind nach wie vor nicht der Ansicht, dass wir etwas Illegales im Sinne der schwedischen Gesetze getan haben. Wir verbreiten keine Dateien, wir verlinken nur zu Material. ‹The Pirate Bay› wird weiterleben. Nichts wird geschehen, wenn wir verlieren, aus einer Vielzahl von Gründen, nicht zuletzt, weil wir dann in Berufung gehen.»
In einem Interview mit dem Internetportal Welt.de verteidigt Buchautor und File-Sharing Experte Jan Krömer die Angeklagten: Pirate Bay sei «kein Teil der eigentlichen Szene. Diese agiert anonym im Untergrund und ist, auch wenn das erst einmal seltsam klingen mag, an der Verbreitung von Raubkopien nicht interessiert.» Pirate Bay stelle nur Informationen darüber zu Verfügung, wer welche Dateien anbietet.
Enormes Interesse an Anonymisierungsdienst
Nicht nur die TBP-Macher geben sich zuversichtlich. An ein Weiterbestehen des schwedischen Bittorrent-Trackers glauben auch die Nutzer: Die schwedische Zeitung «The Local» berichtet, dass sich bereits 113'000 Kunden für den neuen Pirate-Bay-Dienst Ipredator registriert haben, der monatlich umgerechnet 7,50 Franken kostet.
Über Ipredator können Mitglieder ab dem 22. April anonym untereinander Dateien tauschen. Das ist möglich, weil statt der echten Netzwerk-Adresse der benutzten Computer lediglich die vom Dienst vergebene IP-Nummer nach aussen sichtbar wird. Pirate Bay garantiert, keinerlei Login-Dateien und Daten an Dritte weiterzugeben. Ipredator ist eine Reaktion auf die Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie zur Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte. Ipredator funktioniert jetzt schon als Testversion. Dass die TPM-Macher noch vor der Urteilsverkündung den Starttermin eines Dienstes bekannt geben, der es der Musik- und Filmindustrie unmöglicht macht, Filesharer zu identifizieren, ist für die Rechteverwertungsgesellschaften allerdings eine krasse Provokation. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.04.2009, 12:28 Uhr





















































































