Wie das Internet das Auto erobert

Von Leon Sanders. Aktualisiert am 26.01.2010

Mercedes Benz wird dieses Jahr erstmals ein Gerät in der Aufpreisliste anbieten, welches es ermöglicht, während der Fahrt per WLAN online zu gehen.

1/6 Ungewohnter Anblick
Das Internet im Auto eröffnet ganz neue Möglichkeiten.
Bild: Leon Sanders

Wofür braucht man WLAN im Auto?

   

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Das System ist problemlos, innerhalb von zwei Stunden, einbaubar. Der Preis bei Mercedes beträgt 1699 Franken. Zusätzlich muss noch ein Abonnement eines UMTS-Providers, wie beispielsweise der Swisscom, vorhanden sein, um sich zu verbinden.

Mobiles Internet noch zu langsam

Die mobilen Internetnetze sind momentan noch relativ langsam auch wenn in besagtem Testgerät auf der Autobahn Spitzen von bis zu 270 KB/s gemessen werden konnten. Aufgrund unzureichender Abdeckung und der Tatsache, dass sich das Modem immer neue Antennen suchen muss fiel die Geschwindigkeit teilweise auf 25 KB/s.

Internet für die Verkehrssicherheit

Car-to-Car Communication ist ein Konzept, das eng mit der Nutzung des WLANs zusammenhängt: Es nimmt Daten über die Strassen- und Verkehrsverhätnisse auf und sendet diese an andere Fahrzeuge. So kann ein schleuderndes Auto an den Hintermann einen Warnhinweis senden.

Nachdem es im indonesischen Dschungel Internet gibt und man seine Fotos direkt nach Hause schicken kann, verwundert es fast, dass wir im Auto noch keines haben. Eine der letzten internetfreien Bastionen fällt jedoch jetzt: Mercedes-Benz bietet ab sofort ein UMTS-Modem an, das im und um das Auto ein WLAN-Netz aufbaut. baz.ch/Newsnet hatte die Möglichkeit, ein Fahrzeug mit dem neuen System zu testen.

Youtube während der Fahrt

So können sich Passagiere im Auto direkt mit dem Internet verbinden. Die Nutzung ist denkbar einfach: Alles funktioniert genauso, wie wir es von unserem WLAN-Netz zu Hause kennen. Die Welt des Internets ist riesig und voller Möglichkeiten. So können Passagiere im Fond beispielsweise einen Film direkt aus dem Internet streamen.

Ein neues Hörbuch kann ebenso wie ein Album per iTunes gekauft und im Auto abgespielt werden. Internetradios, die bisher in Europa eher ein Nischendasein fristen, können dem breiten Markt zugänglich gemacht werden. Eine Studie ergab, dass sich Radiosender nur durchsetzten können, wenn sie im Auto gehört werden können – dies scheint also die grosse Chance der Internetradios zu sein.

Das mobile Büro

Auch die Kommunikationsmöglichkeiten im Auto können so revolutioniert werden. Wenn E-Mails, Kalender und Kontakte vom heimischen Server synchronisiert werden, ist ein mobiles Büro nicht mehr fern. Als Fahrer lässt man sich von einer Computerstimme seine E-Mails einfach vorlesen und diktiert die Antworten. Und mit Videokonferenzen über das Internet kann man auch vom Auto aus an Sitzungen teilnehmen.

Internet im Auto wird auch unsere Navigationssysteme verändern: Anstatt ständig neue CDs kaufen zu müssen, um aktuelle Karten nutzen zu können, kann eine Strassenänderung direkt auf das Navigationssystem heruntergeladen werden. Oder sogar vom Auto zum Navigationsanbieter hochgeladen werden, wenn das GPS merkt, dass es sich auf einer unbekannten Strasse befindet. Bei Gefahrenstellen, vor denen die Polizei mit Blitzkästen «warnt», könnte das Navigationssystem ebenso den Fahrer vorwarnen wie ihm Stauwarnungen mit nie gekannter Aktualität zeigen.

«Big Brother is watching you»

Da die GPS-Systeme und -Modems ständig die Position des Autos und auch weitere Informationen senden, ist es leicht dieses nachzuverfolgen. Das hat den Vorteil, dass ein gestohlenes Auto geortet werden kann. Der Nachteil: Es kann relativ einfach in die Privatsphäre des Fahrers eingegriffen werden.

Wie in Holland bereits geplant, könnte man über bestehende GPS-Geräte Verkehrssünder büssen, ohne diese bei ihrem Verstoss beobachtet zu haben. Die Gefahr von Hackern, die sich über das Auto sensible Informationen beschaffen, ist zwar nicht grösser als bei normalen WLAN-Netzen, da im Auto dieselbe Verschlüsselung herrscht – nichtsdestotrotz besteht sie.

Rahmenbedingungen noch nicht gegeben

Zudem sind noch einige andere Probleme zu bewältigen, bevor die beschriebenen Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden können: Die Mediensysteme der aktuellen Autos sind noch nicht bereit für das Internet. Momentan können die Weiten des Internets «nur» über einen Laptop im Auto genutzt werden. Die Kommunikationssysteme sind ebenso wenig bereit wie die Navigationssysteme. Auch die mobilen Internetnetze sind noch zu langsam (siehe Kasten).

Hinzu kommt, dass erst einmal die Probleme des Datenschutzes gelöst werden müssen. Auch Satelliten für die GPS-Ortung und in Zukunft möglicherweise auch solche für die Internetnutzung unterliegen momentan etlichen Beschränkungen, da sie vom Staat und speziell vom Militär genutzt werden.

Erster Schritt ist getan

Die Autohersteller wären grundsätzlich bereit für die Entwicklung: Mercedes betreibt in den USA eine Flotte zum Test der Car-to-Car Communication (siehe Kasten), welche in der Front ein Gerät, eingebaut hat, das oben genannte Funktionen bieten kann. Die Rahmenbedingungen stimmen jedoch noch nicht. Der erste Schritt ist aber bekanntlich der schwierigste. Und dieser ist nun getan. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2010, 13:23 Uhr

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