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Willkommen im Dschungel von Google Zürich

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 16.02.2010 102 Kommentare

Exklusive Bilder des grössten Google-Forschungszentrums ausserhalb der USA lassen erahnen, warum der Internetgigant für viele Jobsuchende die erste Wahl ist – und für Kritiker eher ein Spielplatz.

1/30 Ein Radfahrer vor dem Google-Logo am Schweizer Sitz in Zürich: Wie lange gibt es das Unternehmen in der Schweiz noch?
Bild: Keystone

Das ausgefallendste Büro der Schweiz steht in Zürich Google in Zürich: «Hier hätte sich auch Michael Jackson wohl gefühlt»

   

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Ende Januar publizierte die amerikanische Zeitschrift «Fortune» die neuste Rangliste der beliebtesten Arbeitgeber der Welt. Google (GOOG 591.53 -2.01%) belegt dabei den vierten Platz. In der Schweiz ist Google laut einer Studie des Great Place to Work Institute sogar der beliebteste Arbeitgeber schlechthin.

Was macht das einstige Garagenunternehmen für Jobsuchende so attraktiv? «Bei Google arbeiten wir daran, die Informationen dieser Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen. Das ist eine Herausforderung, die viele reizt», sagt Mattias Meyer, Pressesprecher von Google Schweiz, in bester PR-Manier.

Das Büro als Dschungel

Am Forschungsstandort Zürich, wo 500 Frauen und Männer aus 40 verschiedenen Nationen arbeiten, gibt es keine Trennung zwischen Pause und Arbeit. Für die meisten Arbeitnehmer der reinste Horror – offenbar aber nicht für den typischen Googler. «Bei uns kommt es nicht drauf an, wo man arbeitet. Denn gute Ideen entstehen nicht notwendigerweise am Pult», ist der Luzerner Meyer überzeugt. «Jeder Mitarbeiter kann hier im Office arbeiten, wo er will: An seinem Pult, in der Bibliothek, im Palmenraum namens Jungle, auf der Terrasse – einfach dort, wo man sich am wohlsten fühlt.» Als Wellness-Oase will Meyer den Forschungsstandort Zürich, der grösste ausserhalb der USA, indes explizit nicht verstanden wissen. «Hier wird genau so viel gearbeitet wie anderswo.»

Gegen 10 Uhr zum Frühstück ins Büro

Das ist vielleicht die Untertreibung des Jahres – tatsächlich macht es den Anschein, als werde bei Google fast rund um die Uhr gearbeitet. 12- bis 14-Stunden-Tage scheinen die Regel zu sein und fast jeder muss ständig erreichbar sein – das wenigstens wird in US-Blogs kolportiert. «Bei Google sind auch nach 19 Uhr noch die Lichter an, das stimmt», so Meyer. Der Grund dafür liege aber in der Zusammenarbeit mit den Teams in den USA respektive den Videokonferenzen aufgrund der Zeitverschiebung. Diese Arbeitnehmer kämen dafür erst gegen zehn Uhr zum Frühstück ins Büro.

Zwei weitere Faktoren zeugen von der ganz und gar nicht althergebrachten Unternehmenskultur: Die Bottom-Up-Organisation und die Möglichkeit, eigene Projekte zu entwickeln. Bottom-Up heisst: Nicht das Unternehmen definiert die Ziele, die es zu erreichen gibt, sondern der Mitarbeiter. «Intern haben wir sehr flache Hierarchien. Das zeigt sich darin, dass man als Googler keine Ziele bekommt, sondern diese in Absprache mit dem zuständigen Manager selber erarbeitet.»

Es passt, oder es passt nicht

20 Prozent ihrer Arbeitszeit darf – soll – man zudem auf Projekte nach Wahl verwenden. «Jeder Programmierer», erklärt Meyer, «hat im Schnitt einen Tag pro Woche frei, um an einem eigenen Projekt zu arbeiten.» Dabei entstünden häufig nützliche Tools und oft sogar das nächste grosse Projekt. «In Zürich ist etwa auf diese Weise der in Google Earth integrierte Flugsimulator entwickelt worden.» Weitere Anwendungen, die als 20-Percent-Project das Licht der Welt erblickten, sind etwa Gmail oder Google News.

Am Schweizer Google-Sitz in Zürich, der 2004 eröffnet wurde, gibt es Gratisverpflegung rund um die Uhr, arbeiten kann der Arbeitnehmer wo er will, er bekommt Massagen, kann sich an «Guitarhero» üben (siehe Bildstrecke) oder beim Yoga die Seele baumeln lassen. Hat man da als Chef keine Angst, dass bei der Mitarbeitersichtung danebengegriffen wird und Leute ausgewählt werden, die eher an Billardkugeln denn an Bits und Bytes interessiert sind?

Ein steiniger Weg

Matthias Meyer sagt nur: «Bis zur Einstellung müssen viele Interviewhürden gemeistert werden. Der angehende Googler lernt dadurch das Unternehmen besser kennen.» Die Vorstellungsgespräche sind hart, Bewerber werden von verschiedenen Google-Managern in die Zange genommen, immer und immer wieder – es ist ein steiniger Weg, der zum Traumjob führt.

Oder, je nach Sichtweise, zum arbeitgeberfinanzierten Terror der Spasskultur. Ehemalige Google-Mitarbeiter in den USA berichten anonym in Blogs: «Als ich drin war, hatte ich das Gefühl von einem grossen Monster verschluckt zu werden», oder: «Ich hatte das Gefühl nicht mehr zu existieren». Auch beim Thema Arbeitskultur spaltet Google offenbar die Gemüter.

Würden Sie sich in diesem Umfeld wohl fühlen? Ihre Meinung interessiert uns: Schreiben Sie uns. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2010, 12:48 Uhr

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102 Kommentare

Robert Rieder

17.02.2010, 21:45 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Das ist doch wiedermal typisch: Da macht eine Firma etwas nicht nach dem schweizerischen Schema F und schon sind sie eine Sekte. Die vom Neid zerfressenen Schweizer können es einfach nicht ausstehen, dass bei Google die Mitarbeiter gewisse Extras kriegen und vor allem, dass Google auch noch erfolgreich damit ist. Das muss doch mit dem Teufel zugehen - anders wäre das ja gar nicht möglich. Antworten


Detlev Küntzel

17.02.2010, 20:05 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Man sollte erwähnen, dass dieser Service eher für die Besten der Besten sein dürfte und es nicht nur einen Mitarbeiter-Wettbewerb zw. Unternehmen, sondern auch zur OpenSource-Community gibt. Bei diesen Freaks ist Arbeit = Freizeit und Beruf = Berufung; das ist auch Hobby und Idealismus pur; auch die Trennung zw. Betrieb und OpenSource wird aufgeweicht. Hier wird mehr geboten als "nur Boni". Antworten



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