Digital
Wo Google das Nachsehen hat
Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 14.01.2010
Interaktiv-Box
Dossiers
Artikel zum Thema
- Bei der Zensur macht China keine Kompromisse
- So präsentiert sich die Online-Welt hinter der Firewall
- «China aufzugeben, heisst, die halbe Welt aufzugeben»
- Google droht mit Rückzug aus China
- Der IT-Freak aus der Zukunft
- Hacking für Peking
- Peking kommt Google entgegen
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Sollte Google (GOOG 591.53 -2.01%) China verlassen, wäre auf einen Schlag Chinas Suchmaschine Baidu ( 117.59 -0.57%) mit rund 300 Millionen Nutzern und einem Börsenwert von 13 Milliarden Dollar allein auf weiter Flur. Baidu wurde 1999 vom Chinesen Robin Li, der an der Pekinger Universität und in den USA studiert hat, gegründet. Heute besitzt Li gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» ein Vermögen von 3 Milliarden US-Dollar.
Mit 63 Prozent Marktanteil liegt das chinesische Unternehmen laut der Beratungsfirma iResearch weit vor Google mit 33 Prozent. «In China herrscht ein Duopol. Es gibt nur Baidu und Google. Und Baidu liegt weit vorne», so der Analyst Richard Ji gegenüber der «New York Times».
Robin Lis Unternehmen hat sich von Beginn weg an die Zensurforderungen der Pekinger Regierung gehalten und damit die Basis für die marktbeherrschende Stellung gelegt. Das neue, gewaltige Hauptquartier von Baidu zeugt von der wirtschaftlichen Stärke und politischen Nähe zum Regime. «Baidu hat grossartige Beziehungen zur Regierung. Wenn die Regierung etwas entfernt haben will, so tut das Baidu sofort. Bei Google hingegen läuft alles über den Hauptsitz in den USA», sagt Hong Bo von der Pekinger Beratungsfirma 5G. Dies mag mit ein Grund sein, weshalb Google trotz versprochener Selbstzensur in China nie wirklich zu Baidu aufschliessen konnte.
In Ostasien nur an zweiter Stelle
Ostasien hat sich ganz allgemein für Google als schweres Pflaster erwiesen. In Japan liegt das amerikanische Unternehmen abgeschlagen hinter Yahoo, das in Japan vom Telekomgiganten Softbank geführt wird. Mit 56,6 Prozent ist Yahoo der unbestrittene Marktführer in Japan. Google hat mit 33,7 Prozent das Nachsehen. In Südkorea sieht es für das amerikanische Unternehmen nicht besser aus. Dort liegt die lokale Suchmaschine Naver mit rund 60 Prozent Marktanteil an der Spitze. Google ist mit knapp 10 Prozent abgeschlagen an dritter Stelle.
Um nicht den Anschluss zu verlieren, hat sich Google in Japan vom traditionell spröden Design verabschiedet und ähnlich wie beim Konkurrenten verschiedene bunte Links von Youtube über Gmail bis zur Fahrplansuche unters Suchfeld gesetzt. Ein Ausstieg war nie ein Thema. «Japan ist ein Schlüsselmarkt für Google», betont Koichiro Tsujino von Google Japan gegenüber der «New York Times». Mit einem geschätzten Online-Werbevolumen von umgerechnet 75 Milliarden Franken ist Japan ein wichtiger Schlüsselmarkt.
Was sind Googles Absichten?
In China hat Google jedoch die Bereitschaft angedeutet, den chinesischen Markt zu verlassen. Ähnlich haben es Yahoo, Ebay und Amazon gemacht, die aus China ganz ausgestiegen sind oder nur noch eine marginale Rolle spielen. Zuletzt jedoch standen die Zeichen bei Google noch auf Marktoffensive. Erst vor wenigen Monaten hat die amerikanische Suchmaschine einen Musikservice gestartet und mit verschiedenen Plattenfirmen zusammengespannt.
Zyniker behaupten nun, dass Google aussteigen möchte, weil sich in China kein Erfolg eingestellt hat. Shaun Rein, Direktor des Forschungsunternehmen China Market Research Group in Shanghai meint gegenüber der britischen «Times»: «Ich denke Google sucht einen Weg, um aus China auszusteigen, ohne das Gesicht zu verlieren. Im Vergleich zu Baidu war Googles Geschäftsgang eine Katastrophe in China.»
Ob Google tatsächlich auf einen Zukunftsmarkt mit geschätzten 338 Millionen Internetnutzern verzichten möchte, bleibt jedoch höchst fraglich. «Die Konsequenzen, nicht im chinesischen Markt mitzuspielen, dürften für jedes Unternehmen sehr gross sein, aber besonders für ein Internet-Unternehmen, das seine Umsätze mit Anzeigen macht», sagt David B. Yoffie, Professor an der Harvard Business School. Und das Anzeigengeschäft spiele in China ein noch wesentlich grössere Rolle als zum Beispiel in den USA.
Ein Innovationsnachteil für China
Baidu würde finanziell zweifellos von einem Ausstieg Googles profitieren. Doch für gewisse Experten mag die Schadenfreude nicht von langer Dauer sein, sollte Google seine Drohung wahrmachen. Für Yu Yang, Chefanalyst des Pekinger Forschungsunternehmens Analysys, gibt es bei einem allfälligen Baidu-Monopol nicht zu unterschätzende Risiken für die künftige Internet-Entwicklung in China: «Der gesamten Industrie würde es schlechter gehen. Ohne die Konkurrenz von Google, könnte Baidu die Motivation zur Innovation verlieren.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.01.2010, 11:40 Uhr
Digital
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



