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Es gibt noch Leute, die backen Omeletts so: eine nicht näher definierte Menge Eier, Milch, Mehl und Salz in eine Rührschüssel kippen, quirlen, die zähflüssige Masse in eine heisse Pfanne giessen, nach ein paar Minuten wenden. Fertig.
Doch diese Vorgehensweise kommt aus der Mode. Stattdessen stehen Kochsendungen und Ratgeber immer höher im Kurs. Millionen Menschen in Deutschland und der Schweiz tauschen sich inzwischen im Internet in sogenannten Food-Blogs über die perfekte und individualisierte Zubereitung von Gerichten aus.
Das funktioniert so: Ein Nutzer erstellt ein Online-Tagebuch, einen sogenannten Blog, und veröffentlicht dort regelmässig Rezepte, die er selbst einmal gekocht hat. Die simple Kochanleitung wird angereichert mit selbst geknipsten Fotos und weiteren Informationen zum Gericht. Dazu zählen nicht nur Kniffe bei der Zubereitung oder das eigene Geschmackserlebnis. Auch persönliche Geschichten – wie die nervige Supermarktschlange, die Hochzeit eines Freundes oder die eigene Kindheit – werden in den Beiträgen thematisiert. Weltweit können Internetnutzer all das dann kommentieren und bewerten.
Die persönliche Note macht den Unterschied
Auf diese Weise wird selbst das Backen eines einfachen Pfannkuchens zu einem kleinen Event, einer Kunst für sich – ähnlich wie bei einem geselligen Kochabend mit Freunden. «Es ist der persönliche Kontakt, der die Blogs so interessant macht. Die Nutzer tauschen sich untereinander aus, können nachhaken, wenn sie etwas nicht verstehen», sagt Food-Bloggerin Christina Pfister aus Darmstadt. Das gebe es bei Kochbüchern nicht.
Besonders beliebt sind Autoren, die ihre Leserschaft mit spannenden, witzigen und kurzweiligen Texten unterhalten können. «Die Kontinuität dieser Blogs ist fesselnd, bei manchen bin ich immer schon gespannt, wie es weitergeht, und kann ein neues Posting manchmal kaum abwarten», sagt die leidenschaftliche Blog-Leserin Pfister. Ihr eigener Blog New Kitch on the Blog, den sie 2009 ins Internet gestellt hat, wird inzwischen täglich rund 1000-mal aufgerufen.
Unternehmen haben den Markt für sich entdeckt
Längst haben auch Verlage die wachsende Bedeutung der individuellen Rezeptsammlungen erkannt. So werden auf der Frankfurter Buchmesse spezielle Veranstaltungen angeboten, die Blogger und Verlage zusammenbringen. Der deutsche Marktführer im Bereich Kochbücher, der Verlag Gräfe und Unzer (GU), hat bereits zwei Food-Blogger unter Vertrag genommen und eine eigene Food-Blog-Plattform aufgebaut.
«Damit tragen wir dem geänderten Mediennutzungsverhalten Rechnung, wir wollen unsere Kunden und Zielgruppen auf allen relevanten Medienkanälen erreichen», sagt die GU-Verlagsleiterin online, Beate Muschler. Vier Jahre gibt es die Plattform Kuechengoetter.de nun schon, heute wird sie nach Angaben des Verlages 800'000-mal im Monat besucht.
Auch die Fotobranche hat das Thema Esskultur für sich entdeckt. Viele Kameras sind inzwischen mit speziellen Modi ausgestattet, mit denen auch der Laie sein Essen ansehnlich abbilden kann. «Das Fotografieren von Essen ist zu einer eigenen Kunstform geworden. Die Menschen haben Gefallen daran gefunden, Essen schön darzustellen», sagt der Sprecher des Kameraherstellers Nikon, Markus Hillebrand.
Zwischen Normen und Alltagsstress
Was sind das für Menschen, die ihre kulinarischen Errungenschaften in einem Tagebuch mit der ganzen Welt teilen? «Wir haben eine typische Altbauküche mit knarrenden Dielen und einer wilden Patina», sagt Christina Pfister, die Kulturmanagement und Literaturwissenschaften studiert hat. Die 30-Jährige isst für ihr Leben gerne Kekse, ihre Spülmaschine trägt liebevoll den Namen Emma, und ihr Lieblingsmesser ist eines mit einem gammeligen, knallroten Plastikgriff.
«Man braucht kein teures Handwerkszeug, um ein gutes, liebevolles Gericht zuzubereiten», sagt Pfister. Unterstützt wird die Hobbyköchin von ihrer Familie, die neue Rezepte beisteuert oder Obst und Gemüse vom Land schickt. Vielleicht liegt hier das Geheimnis des Erfolgs: Geselligkeit und Liebe zum Detail. Dinge, die in der heutigen Zeit allzu oft zwischen Normen und Alltagsstress zu kurz kommen. Auch beim Kochen.
Bildhinweis: 131011SJL701 (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.10.2011, 18:12 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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