Angespielt: Nintendo Switch

Die neue Spielkonsole der Japaner ist mobiler Handheld und stationäre Konsole in einem. Bringt es das?

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Nintendo hatte wieder mal eine neue Idee. Die Japaner wollen den Graben zwischen mobilem Gamen und Konsolenspiel schliessen und haben deshalb eine Videospielkonsole entwickelt, mit der man unterwegs und daheim spielen kann. Sie heisst Nintendo Switch und kommt am 3. März auf den Markt. Wir konnten sie gestern in Berlin schon einmal ausprobieren.

Nahtlos weiterspielen, ob daheim oder en route – diese Idee ist nicht neu. Neu aber ist, dass man das mit ein- und demselben Gerät machen kann. Kein Wunder deshalb, sieht die Switch ein bisschen aus wie ein Tablet. Schliesslich soll man mit ihr überall spielen können. Kommt man dann zu Hause an, steckt man das Tablet in die Switch Station und spielt am TV weiter. Das ist sicher praktisch, es fragt sich allerdings, ob unbedingt notwendig. Vielleicht täte ja eine Spielpause zwischendurch gar nicht schlecht? Aber das ist wieder eine andere Geschichte… Zurück zur Switch:

Dreh- und Angelpunkt: Die Joy-Con

Eine zentrale Rolle spielen im neuen Konzept die beiden Gamecontroller namens Joy-Con, die links und rechts am Tablet angebracht sind, und über die man das Spiel steuert. Um an Fernseher weiter zu zocken, nimmt man die Joy-Con ab (Mehrzahl gibt es nicht), steckt sie an die mitgelieferte Halterung und hat dann einen klassischen Gamecontroller in der Hand.

Fast klassisch auf jeden Fall: Er liegt weniger ergonomisch in der Hand und ist etwas kleiner, was bei manchen Testern Anlass zu Kritik gab. Sie monieren, die Knöpfe seien zu klein, und befürchten, über lange Strecken könnte das zu Schmerzen im Arm führen. Ich muss da abwinken: In meinen Händen fühlt sich das Joy-Con-Pad sehr gut an. Das Abenteuerspiel «The Legend of Zelda: Breath of the Wild», das zum Start erhältlich sein wird, lässt sich damit jedenfalls tipptopp spielen, die Form der Controller tritt absolut in den Hintergrund. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, der kauft sich einen «richtigen» Controller dazu und zahlt um die 70 Franken.

Nicht zu unterschätzen: Das Gewicht

Dass das Switchen zwischen mobilem und stationärem Gebrauch wirklich nahtlos funktioniert, davon konnte ich mich am Event überzeugen. Man nimmt die Switch aus der Station, drückt zwei Tasten auf den Joy-Con am Handheld, und weiter geht der Zockerspass. Umgekehrt schiebt man den Handheld einfach in die Station, und das Bild erscheint unmittelbar auf dem TV.

Nicht zu unterschätzen ist indes das Gewicht der Switch im Handheld-Modus, das man etwa bei «Super Mario Kart» austesten konnte. Bei allem Spass an der Freude dünkt mich das Tablet jedenfalls recht schwer, was ja auch der Wii U zum Verhängnis wurde: Der Gamepad mit dem Bildschirm wog einfach zu viel, besonders für Kinder – fatal für eine Familienkonsole!

Bei den neuen Joy-Con hingegen kann das nicht passieren. Sie sind nämlich winzig, kaum grösser als ein flaches Twix, fliegenleicht, aber oho. Mit ihnen kann man so einiges anstellen, da sie mit Bewegungssensoren ausgerüstet sind – seit der Wii ist die Bewegungssteuerung bekanntlich Nintendos Spezialität.

Melken, Safe knacken, schiessen

Einen ersten Eindruck bekam man gestern beim Partyspiel «1 2 Switch». Es umfasst sechs Mini-Games die man zu zweit spielt, bei denen besonders Reaktion, Feingefühl und Geschicklichkeit auf die Probe gestellt werden. So steht man sich etwa gegenüber, jeder mit einem Joy-Con in der Hand. Während der Gegner beide Hände über den Kopf hält und versucht, mich mit einem virtuellen Holzstockschlag, einem sogenannten Katana, zu treffen, muss ich den Angriff abfangen, indem ich im richtigen Augenblick auf mein Joy-Con klatsche. Man meint zuerst, den Controller kaputt zu klatschen, gewöhnt sich aber daran. Dann ist es witzig.

Oder zwei Cowboys stehen sich gegenüber, beide die Pistole bzw. den Joy-Con im Halfter. Auf ein Zeichen am TV ziehen wir beide die Waffe und schiessen – nur einer überlebt.

Geschicklichkeit wird beim Melken geübt. Wir ziehen den Joy-Con die Melkbewegung imitierend in der Luft von oben nach unten und drücken gleichzeitig nacheinander zwei Tasten auf der Längsseite des Sticks. Je schöner man das macht, desto mehr virtuelle Milch gibt es. Gewonnen hat der, der am Schluss mehr flüssiges Weiss im Kesseli hat.

Winzigkeit der Joy-Con ist ein Handicap

Das ist lustig, allerdings wird hier die Winzigkeit des Joy-Con zum Handicap. Es braucht einige Fingerfertigkeit, die eng liegenden, kleinen Tasten in der richtigen Reihenfolge zu tippen, und mehrmals droht der Stick aus der Hand zu rutschen. Zudem fühlt es sich an, als bekäme ich mit der Zeit den Krampf in der Hand.

Feingefühl schliesslich ist etwa beim Safe-Knacken gefragt. Hier laufen die eingebauten Bewegungssensoren der Joy-Con mit Rumble-Funktion zur Hochform auf. Es geht darum, das Safe-Rad (Joy-Con) vorsichtig zu drehen und den Code zu knacken, indem man spürt, wenn das Rad einrastet. Schwierig, aber möglich.

Nintendo ein Kränzchen winden

So richtig bewegen muss man sich auch noch: beim Boxspiel «Arms», bei dem man einen Joy-Con in jeder Hand hält. Es geht darum, durch gezielte Schläge den Gegner k.o. zu schlagen. Dabei geht es weniger um das richtige Tastendrücken als um die Ausführung der Bewegung: direkter Haken, Schlag von aussen, Griff mit beiden Händen und so weiter. Das macht richtig Spass, und man kann sich dank der präzisen Übertragung der Bewegungen durchaus einbilden, im Ring zu stehen. Allerdings sieht das Gebaren von aussen recht wild aus. Man kann das zu zweit mit gesplittetem Bildschirm spielen. Dann braucht es noch ein zweites Paar Joy-Con, die für rund 90 Franken zu haben sind.

Fazit: Die Spielnacht mit der Nintendo Switch hat Spass gemacht. Man muss den Japanern ein Kränzchen winden, weil sie trotz schweren Niederlagen – Stichwort Wii U – immer wieder neue Spielkonzepte ausprobieren und uns innovative Spielerfahrungen ermöglichen. Wie die Leute indessen auf die hybride Konsole mit den kleinen Joy-Con reagieren werden, ist schwierig vorauszusagen, zumal der Bildschirm für Games wie in «1 2 Switch» kaum noch eine Rolle spielt. Das ist absolut neu. Kommt dazu, dass der Preis von 350 Franken nicht gerade tief ist, ganz abgesehen davon, dass viele einen Controller noch dazukaufen werden. So oder so: Ich jedenfalls freue mich auf eine farbigere Game-Zukunft mit der Nintendo Switch.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2017, 10:35 Uhr

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