Die beste Smartwatch, die ich je hatte

Unser Autor hat in den letzten Jahren fast jede smarte Uhr ausprobiert. Nun hat er selbst eine kreiert – und ist begeistert.

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Vor einem halben Jahr habe ich es getan: Ich hatte meine erste Smartwatch gebastelt («SonntagsZeitung» vom 20. September 2015). Sie bestand aus einer mechanischen Uhr und einer Apple Watch. Beide am selben Armband. Auf den ersten Blick sieht man die zuverlässige Zeit der Schweizer Uhr. Doch dreht man den Arm, kommt die Apple Watch mit ihren digitalen Vorzügen zum Vorschein.

Der Vorteil: Ich habe immer beide dabei und muss nicht an jedem Arm eine tragen. Der Nachteil: Die Kombiuhr ist doch etwas dick, und vor allem verdeckt das Armband die Unterseite der Apple Watch. Da deshalb der Biosensor blockiert ist, funktionierte der Vibra-Wecker (meine Lieblingsfunktion) nicht mehr. Zum Laden musste man die Smartwatch vom Armband lösen. Trotzdem, die Idee eines smarten Armbands für eine mechanische Uhr hat mich überzeugt.

IWC und Montblanc sind dran

Tatsächlich arbeiten Firmen wie IWC oder Montblanc an entsprechenden Bändern. Im Vorfeld der Baselworld, der wichtigsten Uhrenmesse, habe ich mir meine Bastelei vom letzten Jahr noch mal angeschaut. Dabei kam mir die Idee, statt eines Nylonarmbands und der Apple Watch mein Fitbit Charge HR, ein Tracker-Armband, das Puls, Schritte und Schlaf misst, mit meiner Uhr zu kombinieren (Das Gewissen am Handgelenk).

Das Gummiarmband des Fitbit passte zu meiner Überraschung perfekt an die Uhr, und auch die Länge des Bands war gerade richtig. Seither trage ich meine Uhr nur noch so. Einzig zum Laden muss ich sie ein-, zweimal pro Woche abnehmen.

Auf den ersten Blick eine normale Uhr mit normalem Armband.

Das Fitbit sieht man erst bei genauem Hinschauen.

Meine neue Smartwatch macht genau, was ich von einer Smartwatch möchte. Sie sammelt Fitnessdaten, weckt mich am Morgen geräuschlos und informiert mich, wenn das Telefon klingelt. Und da alle smarten Funktionen unauffällig hinter meiner Uhr versteckt sind, stört mich das Band kein bisschen. Und ich vergesse auch nicht mehr, es anzuziehen.

Zuverlässige Software

Ebenfalls praktisch ist die Softwareplattform von Fitbit. Sie ist nicht nur äusserst zuverlässig, sie funktioniert auch mit allen möglichen Geräten gleichzeitig. Egal ob Android-Telefon, iPad oder Surface – alle vertragen sich mit dem Fitbit. Selbst von meinem Büro-PC kann ich über die Website von Fitbit auf die Daten zugreifen oder einen Wecker stellen. Nicht schlecht für ein Armband, das gerade mal 130 Franken kostet. So viel bezahlt man sonst schnell einmal für ein besseres Uhrenarmband.

Technisch ist die Montage des Fitbit einfach. Man braucht eine Armbanduhr, die Armbänder zwischen 20 und 22 Millimeter und Federstege verwendet. Ist das alte Armband entfernt, setzt man die Federstege wieder ein und muss das Fitbit nur noch einfädeln. Fertig ist die beste Smartwatch, die ich je hatte.

Verbesserungspotenzial gibts reichlich

Natürlich gibt es noch Verbesserungspotenzial: Der Akku könnte gerne länger halten, und der Minibildschirm des Fitbit ist nicht ganz ideal platziert. Da ich den aber kaum verwende und stattdessen den Handybildschirm nutze, stört das nicht weiter. Zudem kann man die Uhr dank dem Gummiarmband auch leicht drehen. Dann sieht man den Bildschirm besser.

Wünschenswert wäre natürlich auch ein besseres Design. Aber die Tatsache, dass mein Gebastel mit aktuellen Smartwatches mithalten kann, sagt viel über deren aktuelle Situation aus. Trotzdem könnte ein Techkonzern oder ein Uhrenhersteller so ein smartes Armband für mechanische Uhren sicher noch deutlich eleganter und hochwertiger gestalten.

Bis es so weit ist, bin ich mit meiner neuen Smartwatch Marke Eigenbau ganz zufrieden.

Sind Smartwatches Fluch oder Segen? Sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren. Digial-Redaktor Rafael Zeier diskutiert gerne mit und beantwortet Fragen zu seiner Bastelei. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 06:28 Uhr

Anleitung

Hier gibt es die Anleitung in hoher Auflösung.

Fitbit und Uhr: So sieht die Eigenkreation am Arm aus. Foto: Reto Oeschger

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