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«Lassen Sie Ihr Kind nicht mit einem Smartphone alleine!»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 02.11.2010 6 Kommentare

Kinder wachsen heute mit iPhones und Tablets auf. Immer mehr Eltern lassen ihre Sprösslinge denn auch mit den elektronischen Geräten spielen. Medienpsychologe Daniel Süss, weiss, was es dabei zu beachten gibt.

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Faszinierend: Kleinkinder fühlen sich von Smartphones sofort angesprochen.

«Das Smartphone ist als Ergänzung denkbar»: Daniel Süss ist Medienpsychologe und Dozent am Institut für Angewandte Psychologie an der ZHAW sowie am Institut für Publizistikwissenschaft IPMZ der Uni Zürich. (Bild: Keystone )

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Herr Süss, immer mehr Eltern lenken ihre Kinder mit dem iPhone ab oder setzen dieses gezielt als Spielzeug ein. Wie finden Sie das?
Das Smartphone ist per se nicht als Spielzeug konzipiert. Natürlich gibt es spielerische Elemente, die aber nur einen Bruchteil seiner Funktionen ausmachen. Kinder können grundsätzlich mit allem spielen. Und die Einfachheit der Bedienung macht die heutige Technologie noch zugänglicher für Kleinkinder, die schon von den intensiven Farben auf dem Bildschirm fasziniert sind. Nach dem Motto Trial and Error probieren sie aus und lernen, was sie mit ihren Handlungen bewirken.

Also sind Handys pädagogisch wertvoll?
Ein Smartphone ist primär kein entwicklungsförderliches Spielgerät. Vor allem Kleinkinder brauchen in den ersten Lebensjahren taktile Erfahrungen, dank denen sie die Dreidimensionalität und die Beschaffenheit von Objekten erfahren. Diese Erfahrungen machen sie auf virtuellen Ebenen nicht.

Das bedeutet?
Es ist so, als würde man mit einem Kleinkind ein Bilderbuch oder ein Video anschauen. Es bereitet dem Kind sicherlich vergnügen, bringt es aber im Umgang mit Objekten nicht vorwärts.

Ist das problematisch?
Nur, wenn man das Kind zu lange und oft mit solchen Geräten alleine lässt. Dann geht das zulasten der taktilen Erfahrung. Andererseits kann sich ein Kleinkind auch lange mit einer Pet-Flasche beschäftigen. Wenn es dabei nicht gefördert wird oder soziale Zuwendung bekommt, ist das ebenfalls nicht angemessen.

Es gibt gar spezielle Spiele-Apps für Kinder.
Wahrnehmungs- und Reaktionsübungen sind im Spiel durchaus simulierbar: Welches Klötzchen kommt in welche Öffnung? Das kann die kognitiven Fähigkeiten fördern. Dazu braucht es zusätzlich aber auch immer noch dreidimensionales Spielzeug und vor allem Bezugspersonen, die als lebendige Interaktionspartner zur Verfügung stehen.

In Kombination mit realem Spielzeug taugt also auch ein Smartphone als Kinderspiel?
Ja. Wenn ein Kind ab und zu mit einem Smartphone spielen kann, aber grösstenteils mit realen Objekten spielt, kann das durchaus förderlich sein. Das Handy darf jedoch nicht als Ersatz für reales Spielzeug eingesetzt werden. Dann ist es eher eine Verarmung als eine Bereicherung.

Gilt das nur für Kleinkinder?
Nein, das gilt auch für Kinder im Vorschulalter. Kinder können mit elektronischen Spielzeugen angeregt und neugierig gemacht werden. Solange ein Smartphone ergänzend und begleitend eingesetzt wird, kann es eine Bereicherung darstellen. Wenn es lediglich als Beschäftigungstherapie eingesetzt wird, nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.11.2010, 07:00 Uhr

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6 Kommentare

Ulrich Scheidegger

02.11.2010, 07:21 Uhr
Melden

Was Herr Daniel Süss verschweigt -es fehlt auch vielen Erwachsenen an taktilen Erfahrungen -also auch für diese -vorerst Hände weg von Smartphone. Antworten


Mark Salzmeister

02.11.2010, 09:46 Uhr
Melden

Wer gibt sein teures Smartphone schon seinem sabbernden Klienkind in die Hände?! Antworten



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