Vier Apple-Schnäppchen

Geräte mit dem Apfel-Logo sind teurer als die der Konkurrenz. Wirklich?

Das Apfel-Logo, der Inbegriff für Hochpreisprodukte?

Das Apfel-Logo, der Inbegriff für Hochpreisprodukte? Bild: Reuters

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Während wild spekuliert wird, dass das nächste iPhone über 1000 Franken kosten könnte (was es je nach Speichergrösse zwangsläufig wird), ist die Entwicklung am anderen Ende der Preisskala viel spannender: Apple drückt die Preise.

Apple-Geräte sind etwas schöner und einfacher als die der Konkurrenz. Dafür kosten sie einen schönen Batzen mehr. Dieser Eindruck hat sich über die Jahre in den kollektiven Gehirnen festgesetzt.

Doch diese Gewissheit gerät ins Wanken, wenn man sich Apples wichtigste Neuheiten der letzten Jahre genauer anschaut. Vier Beispiele:

  • Bei keinem anderen Produkt mit dem Apfel-Logo wird das deutlicher als bei den Airpods. Während Apple die drahtlosen Kopfhörer im letzten September Feature für Feature vorstellte, ging ich im Kopf schon mögliche Preise durch. Irgendwo zwischen 250 und 300 Franken werden sie schon kosten, dachte ich. Schliesslich kosten die von Bragi über 300 Franken und die von Samsung 230 Franken. Da wird Apple wohl dazwischenliegen. Über 300 wäre dann schon etwas hoch. Oder nicht? Dann folgte die Überraschung: Mit 179 Franken unterbot Apple meine mutigsten Prognosen und die Konkurrenz deutlich. Positive Kundenfeedbacks und Lieferfristen von nach wie vor 6 Wochen belegen, dass Apple hier einen Nerv getroffen hat – auch wenn man sich optisch noch an die weissen Stäbchen gewöhnen muss.

  • Ein zweites Mal überraschte mich ein Apple-Preis, als es darum ging, für ein Familienmitglied ein neues Handy zu kaufen. Die Anforderungen waren klar: Es soll klein sein, bei der Kamera keine Kompromisse machen, und das Design muss gefallen. Budget: 400 Franken. Ich war selbst überrascht, dass mit dem SE ein iPhone auf meiner Liste mit vier Vorschlägen auftauchte. Dank dem aktuellen Prozessor, neuster Software und derselben Kamera wie im damals aktuellen Top-iPhone machte das SE schliesslich sogar das Rennen vor der vermeintlich billigeren Android-Konkurrenz. Und erst vergangenes Wochenende zeigte mir eine Nachbarin ihr neues iPhone SE. An die Software müsse sie sich zwar erst noch gewöhnen, aber da es gleich teuer wie ihre gewohnten Samsung-Handys war, habe sie jetzt zum ersten Mal ein iPhone gekauft.

  • Mit dem neuen iPad wiederholt Apple die Strategie vom iPhone SE. Etwas überspitzt gesagt, ist es nämlich ein iPad Air (2013) mit verbesserten technischen Innereien, mehr Speicherplatz und einem tieferen Preis. In der Vergangenheit musste man, um ein günstiges iPad zu bekommen, auf die Vorjahresmodelle ausweichen. Das barg jeweils das Risiko, dass das Gerät früher nicht mehr mit Updates beliefert wird. Mit dem neuen iPad gibt es nun ein Top-Tablet mit mehr als genug Speicher für unter 400 Franken, das auch mit teureren Konkurrenzprodukten mithalten kann. Ja, man muss schon genau hinschauen, um es vom deutlich teureren iPad Pro unterscheiden zu können.

  • Auch bei der Apple Watch hat Apple letztes Jahr mit der Series 1 eine günstigere Variante vorgestellt. Statt das Vorjahresmodell weiterzuverkaufen, hat Apple bei der ersten Smartwatch den Prozessor und ein paar andere Chips durch die neusten Modelle ersetzt. Mit einem Mindestpreis von 299 Franken (bei manchen Händlern gibt es sie inzwischen sogar für 250 Franken) liegt Apple im Mittelfeld bei den Smartwatches. Zum Vergleich: Samsungs 2015 vorgestellte Gear S2 findet man aktuell in Onlineshops für rund 240 Franken.

Während die Hochpreismodelle des iPhones, des iPads oder der Apple Watch alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wird deutlich, dass Apple in den letzten Jahren auch am unteren Ende der Preisskala geschraubt und optimiert hat.

Doch statt billig anmutende Modelle (Erinnert sich noch jemand an das iPhone 5c?) zu lancieren oder Vorjahresmodelle im Sortiment zu behalten, setzt Apple auf neue Geräte, die zwar günstiger sind, sich aber nur in Nuancen von den teureren Modellen unterscheiden.

Man darf gespannt sein, was diese neue Strategie für die nächsten iPhones bedeutet. Ein rundum neues Top-Modell und leicht aufgepeppte Vorjahresmodelle würden bestens ins Bild passen.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2017, 16:07 Uhr

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