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Wie das Handy unseren Alltag revolutionieren wird
Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 02.03.2009 6 Kommentare
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Noch vor nicht allzu langer Zeit war das Handy ein unförmiges, tragbares Telefon, mit dem man nebenbei auch kurze Textnachrichten versenden konnte. Es folgten eine Kamera- und eine wenig praktische Internetfunktion. Der Bildschirm nahm plötzlich Farbe an und wenig später begann mit der Einführung des UMTS-Standards in Europa das Zeitalter der Smartphones. Mittlerweile ist das Handy Fernseher und Laptop im Miniformat und die nächste Revolution steht bereits an: Die SBB ermöglicht den Kunden seit kurzem den direkten Ticketkauf übers Handy. Das Mobiltelefon entwickelt sich zum elektronischen Zahlungsmittel.
Im Japan hat die Zukunft in dieser Hinsicht schon vor fünf Jahren begonnen. Das Handy ist dort digitaler Geldbeutel, Kreditkarte, Zugbillett, Punktekarte, Personalausweis, Eintrittskarte, Badge, Hausschlüssel und Flugzeugticket. Das Osaifu-Keitai (zu Deutsch: Portemonnaie-Handy) revolutioniert den Alltag der Japaner.
Der Ursprung des Portemonnaie-Handys
Begonnen hat diese digitale Entwicklung vor etwas mehr als zehn Jahren, als das japanische Elektronikunternehmen Sony den Felica-Chip entwickelte. In einer Plastikkarte integriert, kann er anhand elektromagnetischer Wellen von entsprechenden Lesegeräten identifiziert werden. Die Technologie fand 1997 ihre erste Anwendung im U-Bahn- und Bus-System von Hongkong. Dort ist die mit dem Felica-Chip ausgerüstete Octopus-Karte das mittlerweile gängigste Zahlungsmittel für die Pendler der Millionenmetropole. Nebenbei kann man mit der Karte auch in den verschiedensten Geschäften bargeldlos seine Einkäufe tätigen. Zur Bezahlung hält man die Plastikkarte, die mit einem bestimmten Geldbetrag aufgeladen werden kann, aus kurzer Distanz geschwind über ein Lesegerät. Dasselbe System des «kontaktlosen» Bezahlens wurde wenig später auch in Japan und in Singapur eingeführt.
Die wahre Revolution fand schliesslich im Juli 2004 statt, als Sony in Zusammenarbeit mit der führenden japanischen Telekommunikationsfirma NTT Docomo den Felica-Chip in Handys zu integrieren begann. Es war die Geburt des Osaifu-Keitai. Anstatt unzählige Plastikkarten ins Portemonnaie quetschen zu müssen, war nun alles auf einem einzigen kleinen Mikrochip im Handy gespeichert. Seither hält der moderne Japaner zur Bezahlung einer Ware oder Dienstleistung sein Mobiltelefon schnell vor ein entsprechendes Lesegerät an der Kasse und schon ist die Rechnung innert eines Sekundenbruchteils beglichen. Das Portemonnaie-Handy war kurz nach seiner Einführung so erfolgreich, dass den anderen beiden Telekommunikations-Konkurrenten KDDI und Softbank nichts anderes übrig blieb, als die Lizenz zur Nutzung des Felica-Chips von Sony und NTT Docomo zu erwerben.
Ein Boom innert kürzester Zeit
Mittlerweile bieten über siebzig Firmen ihre eigenen, massgeschneiderten Applikationen über das Osaifu-Keitai an. Zwei grosse Anbieter stechen dabei heraus. Mit dem elektronischen Dienst Edy (ein Akronym aus den Währungsnamen Euro, Dollar und Yen) der Firma Bitwallet kann man seit 2004 in 81'000 Läden in Japan bargeldlos über das Handy einkaufen. Das Konkurrenzprodukt Mobile Suica der grössten japanischen Eisenbahngesellschaft JR East ist gar Zugbillett und elektronischer Geldbeutel in einem. Selbst die japanischen Airlines JAL und ANA nutzen das Portemonnaie-Handy unterdessen als virtuelles Flugticket. Bei manchen hat das Osaifu-Keitai gar den Hausschlüssel ersetzt. Das Mobiltelefon als elektronischer Passepartout. Bis 2008 wurden über 53 Millionen Handys mit dem integrierten Felica-Chip verkauft.
Es nutzen noch lange nicht alle diese technische Innovation und kritische Stimmen verweisen gar auf die möglichen Gefahren bei Verlust oder Diebstahl. Das Portemonnaie-Handy ist diesbezüglich ein datentechnisches Klumpenrisiko. Dessen ungeachtet kündigen die Wachstumszahlen in dieser Branche das allmähliche Ende des Plastikkarten-Zeitalters in Japan an und auch die Schweiz wird sich mittelfristig diesem Trend kaum entziehen können. Verschwunden wäre das ausgebeulte Portemonnaie prall gefüllt mit Kredit-, Visiten-, Maestro-, Ausweis-, Cumulus-, Krankenkasse- und Halbtaxkarte. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.03.2009, 16:52 Uhr
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6 Kommentare
Eine absolut interessante Idee. Dank Display kann die Selbstkontrolle auch viel einfacher realisiert werden. Für mich persönlich hat das System aber keine Chance, so lange die gängigen Handy-Verträge alle möglichen Risiken einfach auf den Kunden abwälzen. Antworten






















































































