Schnäppchen oder Mogelpackung? Das neue iPad im Test

In einer Kategorie übertrifft das neue Apple-Tablet all seine Vorgänger. Doch was taugt es im Alltag?

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«Da ragt die Kamera aus dem Gehäuse.» «Das hat auch oben Lautsprecher.» «Dicker heisst nicht automatisch billiger.» «Beide haben einen Fingerabdrucksensor.» «Das hier hat einen Blitz.» «Hier fehlen die drei Punkte auf der Seite.»

Zugegeben, die Aufgabe, die ich meinem Göttibub (12) und seinem Bruder (14) gestellt habe, war nicht einfach. Sie sollten herausfinden, welches denn nun das teurere iPad ist: das iPad Pro (9,7 Zoll) vom letzten Jahr oder das neue iPad. Ersteres kostet mindestens 679 Franken, Zweiteres gerade mal 389 Franken.

Auf den ersten Blick sehen beide Tablets fast gleich aus. Entsprechend schwer taten sich die Junior-Tester mit einem Urteil anhand von Äusserlichkeiten.

Keine nennenswerten Unterschiede

In Runde 2 öffneten die Junior-Tester Apps, spielten Spiele mit opulenter Grafik und verglichen die Bildschirmqualität. Auch hier fanden sie keine nennenswerten Unterschiede. Schlussendlich entschied der eine, das iPad sei teurer, und der andere wählte das iPad Pro.

Trotz dem Unentschieden haben die Junior-Tester die äusseren Unterschiede der beiden Tablets gut beobachtet. Das teurere Pro-Modell ist etwas dünner und leichter. Die bessere Kamera (inkl. Blitz) ragt aus dem Gehäuse. An den Kanten hat das Pro vier statt zwei Lautsprecher und vor allem den Anschluss für die Tastatur oder ein Ladedock.

Das Surface abgelöst

Da ich selbst seit 2010 ein iPad als Arbeitsgerät verwende – das kleine iPad Pro hat inzwischen dank besserem Akku, handlicher Grösse und SIM-eSIM-Slot sogar mein Surface Pro 3 als mein wichtigstes Notebook/Tablet abgelöst –, und in- und auswendig kenne, fallen mir beim neuen iPad ein paar weitere Äusserlichkeiten und Details auf.

Dass das iPad etwas dicker und schwerer ist als das iPad Pro, stört mich im Alltag kein bisschen. Aber klar, ich merke es. Wenn mich etwas stört, dann der Touchscreen. Nein, nicht die Bildqualität, die ist tadellos. Es ist ein kleines Detail: Wie damals beim iPad Air fühlt sich der Touchscreen dünn und plastikig an. Wenn man draufklopft, hat man das Gefühl, auf dünnes Plexiglas statt auf eine stabile Glasplatte zu klopfen.

Mit dem iPad Air 2 hat Apple das schliesslich verbessert (Das iPad Air 2 im Test). Beim iPad Pro ist der Bildschirm dann auch optisch deutlich besser geworden. Je nach Umgebungslicht passt er die Farbtemperatur an. Sodass ich immer mal wieder das Gefühl habe, einen E-Reader oder gar Papier vor mir zu haben. Das iPad dreht das Rad retour und bringt nun den Bildschirm des iPad Air gefühlt zurück.

Tatsächlich bestätigen die Reparaturexperten von iFixit.com diesen Eindruck. Etwas überspitzt formuliert, kamen sie zum Schluss, dass das iPad ein iPad Air mit neuerem Prozessor ist.

Der besagte Prozessor ist der A9. Der wurde zusammen mit den iPhones 6s und 6s Plus 2015 vorgestellt und steckt aktuell auch im iPhone SE.

Nicht so bald aufs Abstellgleis

Ist das neue iPad also eine Mogelpackung? Mitnichten. In der Vergangenheit habe ich jeweils empfohlen, ein Vorgängermodell zu kaufen, da die sich bewährt haben und preislich deutlich attraktiver waren. Das einzige Risiko an dieser Empfehlung war jeweils, dass ältere Geräte früher nicht mehr mit Updates versorgt werden.

Apple wird sich hüten, das neue iPad in den nächsten Jahren aufs Abstellgleis zu stellen. Mit dem relativ neuen Prozessor dürfte es noch das eine oder andere iOS-Update locker mitmachen. Zum Vergleich: Das im März 2011 vorgestellte iPad 2 bekam Ende August 2016 das letzte Update. Es ist zwar nicht mehr ganz so schnell, aber tut bei meinen Eltern immer noch zuverlässig seinen Dienst als einziger Computer im Haus. Damals habe ich übrigens 462 Franken dafür bezahlt.

Und der Akku?

Selbst sind mir beim neuen iPad wie auch den Junior-Testern keine nennenswerten Geschwindigkeitsunterschiede im Vergleich zum teureren Pro-Modell aufgefallen. Apps gehen schnell auf, Animationen sind flüssig, und selbst grafisch aufwendige Spiele ruckeln nicht.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Der selbe Akku wie im iPad Air, kombiniert mit dem effizienteren Prozessor, liefert sehr gute Akku-Werte. Apple verspricht zehn Stunden. Das schafft das iPad locker. Gefühlt hielt es im Alltag sogar noch länger durch.

Tieferer Preis und gute Leistung: Was will man also mehr? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Selbst möchte ich die Andock-Tastatur und vor allem den iPad-Stift nicht mehr missen. Beide sind aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken – und leider nicht mit dem neuen iPad kompatibel. Auch vermisse ich die im Ausland äusserst praktische eSIM-Karte. Aber die Argumente für das teurere Pro-Modell wollte sich Apple wohl bewahren.

Fazit: Das Beste am neuen iPad ist sein Preis. Wer ein Tablet möchte und damit in erster Linie im Netz surfen, ein paar E-Mails schreiben, Fotos anschauen und die eine oder andere App nutzen möchte, kann mit dem neuen iPad nichts falsch machen – zumal man mit dem iPad Zugang zum komplettesten Tablet-Ökosystem bekommt.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.04.2017, 08:52 Uhr

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