iPad Pro vs. Surface Pro 4

Die Pro-Tablets im Duell

Microsoft wirbt mit dem Tablet, das den Laptop ersetzen kann. Apple geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet sein Tablet als die Zukunft des PC. Die Geräte im Vergleich.

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Gleich in mehreren Interviews hat Apple-Chef Tim Cook Microsofts Surface-Geräte kritisiert. Tablet und Laptop zu vermischen und auf beiden das identische Betriebssystem zu verwenden, sei ein Fehler. Bei Microsoft dürfte man sich dennoch über die harschen Worte freuen. Gilt öffentliche Apple-Kritik ja als Ritterschlag. Man erinnere sich nur, wie Steve Jobs über grosse Smartphones, kleinere Tablets oder Touchscreen-Stifte gelästert hat. Alles hat Apple inzwischen selbst im Programm.

Tatsächlich ist das neue iPad Pro dem Surface nicht unähnlich. Beide Tablets haben eine magnetische Tastaturhülle und einen Stift. Microsoft wirbt mit dem Tablet, das den Laptop ersetzen kann, und Apple geht sogar noch weiter und nennt sein Gerät die Zukunft des PC.

Parallelen und Unterschiede

Es gibt aber noch mehr Parallelen: Beginnen wir für einmal mit dem Preis. Das günstigste iPad Pro (899 Franken) mit Stift (109 Franken) und Tastatur (179 Franken) kostet 1187 Franken. Das günstigste Surface Pro 4 (999 Franken) mit Stift (inbegriffen) und Tastatur (155 Franken) gibt es für 1154 Franken.

Beim iPad gibt es gegen einen Aufpreis mehr Speicherplatz und eine Variante mit 4G-Datenempfang. Beim Surface gibt es Optionen mit mehr Speicherplatz, mehr Arbeitsspeicher und stärkeren Prozessoren. Dazu kommen zu tieferen Preisen (ebenfalls mit Stift und Tastatur) das letztjährige Surface Pro 3 und das etwas kleinere Surface 3.

Ein paar Gramm Unterschied

Auch bei den Bildschirmen sind die beiden Tablets technisch praktisch gleichauf. Das iPad hat ein Seitenverhältnis von 4:3, das Surface eins von 3:2. Das Apple-Tablet ist etwas quadratischer und das von Microsoft etwas rechteckiger. Bei der Auflösung sind beide mit 264 ppi und 267 ppi sehr gut.

Mit einer Bildschirmdiagonale von 33 cm wirkt das iPad aber deutlich grösser als das Surface mit 31 cm. Mit 723 Gramm ist das iPad rund 60 Gramm leichter als das Surface. Mit Tastatur beträgt der Unterschied noch 40 Gramm. Beide wiegen dann etwas mehr als ein Kilo.

Gute Stifte

Für beide Tablets gibt es einen speziellen Stift. In beiden Fällen sieht man praktisch keine Verzögerung. Damit zu schreiben oder zu zeichnen, fühlt sich an, als würde man an einem Hellraumprojektor arbeiten. Bei Microsoft kann man das Schreibgefühl mit auswechselbaren Stiftspitzen noch weiter personalisieren. Während der Surface-Stift aus Metall ist, ist der von Apple aus Plastik. Solid und hochwertig fühlen sich beide an.

Welcher Stift einem besser in der Hand liegt, ist so subjektiv wie bei Kugelschreibern und Füllfederhaltern in der analogen Welt. Leider besteht bei beiden Stiften ein hohes Verlustrisiko. Apples Stift kann man weder befestigen noch sonst wie verstauen. Den von Microsoft kann man immerhin per Magnet am Tablet befestigen. Verloren gehen kann aber auch der.

Damit enden die Gemeinsamkeiten. Denn im Kern sind die beiden Tablets doch grundverschieden, und es lohnt sich gut abzuwägen, welches Gerät den eigenen Bedürfnissen mehr entspricht.

Die fünf besten Gründe für ein Surface Pro 4:

  • Windows 10: Microsofts neustes Betriebssystem wurde für Tastatur, Maus und Touch gleichermassen entwickelt und eignet sich daher ideal für Geräte wie das Surface. Mit jedem Update wird das neue Windows stabiler und komfortabler. Der grösste Vorteil von Windows 10 ist die Möglichkeit, Desktop-Programme nutzen zu können: sei es das volle Photoshop für Grafiker, eine Buchhaltungssoftware für Geschäftsleute oder die Steuererklärung für Privatnutzer.

  • Ständer: Dank dem ausklappbaren und frei einstellbaren Ständer macht das Microsoft-Tablet in allen Lagen eine gute Figur. So kann man das Tablet überall hinstellen und muss nicht erst eine Hülle umfalten oder das Tablet irgendwo einklinken. Hier profitiert das Surface Pro 4 merklich davon, dass es bereits die vierte Produktgeneration ist. Bei der ersten Version gabs mit dem Ständer nur einen Winkel, mit der zweiten Version zwei Winkel, und seit der dritten Generation ist der Ständer flexibel. Im Vergleich dazu erinnert das iPad Pro mit nur einem Winkel an die allererste Surface-Variante von 2012.

  • Tastatur: Auch hier merkt man, dass es bereits die vierte Produktgeneration ist. Mit jedem Jahr wurde die Tastatur noch besser und bequemer. Die neuste Version fühlt sich genauso komfortabel an wie bei einem Laptop. Da man sie auch schräg stellen kann, kann sie sogar mit Desktop-Tastaturen mithalten. Ganz nützlich ist auch das Touchpad. Solange nicht alle Programme auf Touch-Bedienung ausgelegt sind, ist eine Maus praktisch unverzichtbar. Mit dem iPad erlebt man immer wieder Situationen, wo eine Maus hilfreich wäre – etwa wenn man Textpassagen markieren möchte oder wenn es auf Webseiten kleine Knöpfe und Menüs gibt.

  • Anschlüsse: In einer idealen Welt bräuchte es keine Anschlüsse mehr. Alles geht drahtlos und über die Cloud. Davon sind wir aber noch Jahre entfernt. Darum ist der USB-Anschluss des Surface so praktisch. Möchte man schnell Daten von einem USB-Stick lesen oder etwas ausdrucken, steckt man einfach das Kabel oder den Stick ins Tablet. Fertig.

  • Kombinationsmöglichkeiten: Vom neusten Surface gibt es eine ganze Reihe Modellvarianten. So kann man das Surface seinen Bedürfnissen anpassen. Mit dem letztjährigen Modell und dem kleineren Surface 3 sind die Auswahlmöglichkeiten noch grösser. Wer will, kann die neue Tastatur und den neuen Stift auch mit dem letztjährigen Surface Pro 3 kombinieren. Umgekehrt geht die alte Tastatur auch mit dem neuen Tablet. Auch die letztjährige Dockingstation funktioniert mit dem neuen Surface Pro 4.

Die fünf besten Gründe für ein iPad Pro:

  • iOS 9: iOS ist in erster Linie ein Telefon-Betriebssystem. Mit der Möglichkeit, zwei Apps parallel anzuzeigen, und speziellen Touch-Gesten hat Apple die Software zwar Tablet-tauglicher gemacht, aber im Kern ist sie immer noch auf den kleineren Bildschirm des iPhone ausgelegt. Das sieht man etwa nur schon am Homescreen. Auf dem riesigen Bildschirm des iPad Pro haben nur 26 Apps Platz, auf dem kleineren iPhone dagegen 28. Dieser Fokus aufs iPhone hat aber einen entscheidenden Vorteil: iOS ist das komfortabelste Touch-Betriebssystem. Es kann zwar nicht so viel wie Windows (und schon gar nicht Desktop-Programme laufen lassen), dafür macht es das, was es kann, elegant und zuverlässig. Da tauchen keine Fehlermeldungen auf, und man muss sich nicht mit Treibern oder Updates herumärgern und kann sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Ironischerweise läuft sogar Microsofts Office auf dem iPad Pro zuverlässiger als unter Windows.

  • Apps: Statt auf volle Desktop-Programme setzt Apple auf seinen App-Store und seine Entwickler. Ob man nun Grafiker, Ingenieur oder Arzt ist, selbst für hochspezialisierte Berufe gibt es inzwischen Apps. Die Auswahl ist riesig und übertrifft Microsofts Angebot in Zahlen und Qualität. Man muss aber bereit sein, seine Arbeitsroutine umzustellen. Denn die Apps bieten nicht immer den vollen Funktionsumfang der gewohnten Desktopsoftware.

  • Akku: Apple verspricht bis zu 10 und Microsoft bis zu 9 Stunden Akkulaufzeit. Die tatsächliche Laufzeit eines Akkus im Alltag ist freilich eine andere Geschichte, und hier profitiert das iPad erneut von iOS. Dank der auf mobile Nutzung ausgelegten Software bleiben einem unliebsame Überraschungen erspart. Mit meinem privaten Surface ist es schon öfter vorgekommen, dass ein Programm den Akku sprichwörtlich leer gesogen hat, oder dass das Surface in meiner Tasche weitergelaufen ist. Beides ist mit Windows 10 deutlich seltener geworden. Mit dem iPad sind mir seit 2010 aber noch keine solchen Pannen passiert. Da musste ich mir noch nie Sorgen um den Akku machen.

  • Zubehör: Schon zum Verkaufsstart des neuen iPad Pro gibt es dafür eine Auswahl an Hüllen und Tastaturen von anderen Herstellern. Das Angebot wird noch grösser werden. Denkbar sind auch spezielle Tastaturen für einzelne Berufe oder Tätigkeiten. Etwa eine für eine Ladenkasse, für einen DJ oder einen Grafiker. Ähnlich wie bei anderen Apple-Produkten wird es auch um das iPad Pro schon bald ein ganzes Ökosystem von Zubehör geben.

  • Lautlosigkeit: Wenn das Surface gefordert wird, etwa wenn man ein aufwendiges Programm ausführt, ein Game spielt oder eine Schwette Updates herunterlädt, springt der Lüfter an. Der ist zwar nicht so laut wie bei den Laptops von einst, aber lenkt einen doch von der Arbeit ab. Beim neusten Pro 4 kommt einzig das kostengünstigste Modell ohne Lüfter aus. Das iPad hatte noch nie einen und braucht auch in der Pro-Version keinen. Die Prozessorleistung des neusten Apple-Tablets kann sich dennoch sehen lassen und dürfte für die meisten Anwender mehr als ausreichend sein.

Fazit: Das Surface Pro 4 ist flexibler, das iPad Pro bequemer. Sofern man nicht ideologisch oder mit früher getätigten Käufen ans Apple- oder Microsoft-Lager gebunden ist, dürfte einem der Entscheid nicht leicht fallen. Beruhigend ist jedoch, dass – egal wie man sich entscheidet – man ein hervorragendes Gerät bekommt, das weit mehr kann als ein gewöhnliches Tablet und sogar Laptop oder PC ersetzen kann.

Haben Sie Fragen zu den neuen Tablets von Apple und Microsoft? Unser Autor beantwortet diese gerne auf Twitter. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2015, 16:16 Uhr

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Wie hat Microsoft das nur gemacht? Kaum in Betrieb genommen, waren auf dem neuen Surface nicht nur alle meine Apps, sondern auch meine Mail-Konten bereits synchronisiert. Bei Google und Apple dauert das jeweils eine halbe Ewigkeit. Erst als ich die neue Funktion zum Log-in per Gesichtserkennung nicht finden konnte, wurde mir klar, ich hatte mein letztjähriges Surface Pro 3 in der Hand. Auch mit dem älteren Modell funktionieren der neue Stift und die neue Tastatur ohne Installation. Wenn ich besser aufgepasst hätte, wäre mir der Unterschied aber schon aufgefallen. Das 4er ist tatsächlich ein paar Gramm leichter und etwas dünner. Statt dem Surface-Schriftzug findet man auf der Rückseite das Microsoft Logo, und auf der Front fehlt der Windows-Knopf.

Das sind die wichtigsten Neuerungen:

Windows Hello: Während andere Hersteller auf Fingerabdrucksensoren setzen, nutzt Microsoft mit Windows 10 die Gesichtserkennung per Kamera. Das klappt im Test überraschend schnell. So schnell, dass man kaum merkt, dass gerade das eigene Gesicht gescannt wurde. Ein schneller Blick auf den Bildschirm genügt und schon ist man eingeloggt.

Tastatur: Die neue Tastatur wirkt noch etwas stabiler und hält noch besser am Tablet (auch beim Vorgänger gabs in dem Bereich nichts zu kritisieren). Neu hat es noch etwas mehr Platz für die Tasten, sodass es sich noch besser tippen lässt. Auch das Touchpad ist grösser geworden und fühlt sich dank Glasoberfläche besser an.

Stift: Der Stift sei empfindlicher geworden, verspricht Microsoft. Damit hatte ich schon beim Vorgänger keine Probleme. Praktisch ist dafür, dass man neu mit der Rückseite des Stifts radieren kann und die Knöpfe etwas einfacher angeordnet sind. Die beste Neuerung ist aber die Magnethalterung. Damit kann man den Stift zuverlässig an der Kante des Tablets befestigen. Wegfallen kann er in der Tasche zwar immer noch, aber in der Regel hält er und geht somit weniger vergessen.

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