Digital
«Arroganz und Ignoranz»
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 13.08.2012 15 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Das Nokia Asiens
- Sharp streicht 5000 Stellen und verbucht Quartalsverlust
- Chefwechsel bei Samsung: Display-Manager übernimmt
- Die zwölf auffälligsten Gadgets der CES
- «Die nächste ganz grosse Erfolgsgeschichte einer Weltmarke»
- Angst vor radioaktivem Essen
- Sony und das japanische Experiment
- Ungläubige Arbeiter im verwüsteten AKW
Sascha Pallenberg (41) lebt in Taiwan, ist Betreiber von Netbooknews.com sowie Technologieberater und Blogger. Der Deutsche ist dreifacher Preisträger des «Top 20 Smart Mobile Device Pundit-Award», welcher die 20 weltweit einflussreichsten Mobile-Computing-Blogger und -Journalisten auflistet.
Teilen und kommentieren
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Südkoreaner nennen sie Tokdo, die Japaner Takeshima – die kleine Inselgruppe zwischen den beiden asiatischen Ländern. Am Wochenende ist der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt um den kleinen Flecken Land neu aufgeflammt: Tokio rief am 10. August seinen Botschafter in Seoul zurück, nachdem Südkoreas Präsident Lee Myung Bak die umstrittenen Felseninseln besucht hatte.
Wie der Disput um die von reichen Fischgründen umgebenen Inseln ausgehen wird, ist kaum abzuschätzen. Ganz anders präsentiert sich der Streit um die wirtschaftliche Vorherrschaft: Hier deutet vieles darauf hin, dass Nippon in den kommenden Jahren nur zweiter Sieger sein wird: Wie heute Montag bekannt wurde, verlangsamte sich das Wachstum der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt unerwartet: Mit einem schwachen Plus von 0,3 Prozent liegt dieses unter den Erwartungen (baz.ch/Newsnet berichtete).
Wochen zuvor erschreckten Japans Technologieriesen die Anleger: Sony (SNE 18.003 10.62%) verbuchte im abgelaufenen Geschäftsjahr den höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte und Sharp musste vor wenigen Tagen den Abbau von 5000 Stellen – fast zehn Prozent der Belegschaft – verkünden (Details in unserer Bildstrecke). Einzig Panasonic, (6752 7.269 4.59%) das im vergangenen Geschäftsjahr mit 772 Milliarden Yen (rund 9,6 Milliarden Franken) ebenfalls einen Rekordverlust vermeldete, schrieb im ersten Quartal Gewinn.
Fukushima wirkt nach
«Japan», erklärt der in Taiwan beheimatete Technologieberater Sascha Pallenberg, «ist nach der Reaktor-Katastrophe in Fukushima in einer unvergleichlichen Situation, wie sie keine westlich-orientierte Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten erfahren hat». Dadurch habe das im Vergleich zu China, Korea und Taiwan ohnehin recht überschaubare Wachstum einen herben Dämpfer erfahren und es scheine, als würde sich dies noch auf Jahre hin auswirken.
Dies alleine erkläre die Misere in Japan jedoch nicht. «Japans IT- und Unterhaltungselektronik-Industrie zeichnete sich in den letzten 10 Jahren durch eine Kombination aus Arroganz und Ignoranz aus», ist Pallenberg überzeugt. Viel zu lange habe man sich auf den Erfolgen der 80er und 90er-Jahre ausgeruht. Die Markenwirkung sei völlig überschätzt worden: «Sony galt als Premiumhersteller und Erfinder des mobilen Musikkonsums (Walkman), Panasonic/Technics als Hifi und TV-Innovationsführer, Toshiba (TOSH 4.13 0.76%) wurde als Erfinder des modernen Laptops wahrgenommen und Sharp hatte die Innovationsführerschaft bei den Displaytechnologien inne. Dazu kamen mit Nintendo (7974 84.88 -1.66%) und Sega auch noch die beiden Marktführer bei den Spielekonsolen sowie die führende Roboter und Auto-Industrie.» Das Land der aufgehenden Sonne sei «das asiatische Musterland für den Wechsel von der Service- in die Informationsgesellschaft» gewesen, fasst der Deutsche zusammen.
Langsame mobile Revolution
«Fundamentale Entwicklungen wurden verschlafen», erklärt der Experte den Niedergang. Konkret: «Apple zerlegte Toshiba und noch viel mehr Sony bei den Premium-Notebooks, die Hifi-Industrie entwickelte sich zu einem Nischenmarkt, Samsung und LG nahmen Sharp in die Zange und Nintendo und Sega mussten sich mit Xbox, nun aber vor allen Dingen mit Smartphone und Tabletgaming auseinandersetzen.» Die mobile Revolution in Japan habe weitaus langsamer stattgefunden als in den USA, Korea und Taiwan.
Immerhin würden die Japaner langsam aber sicher zu erkennen beginnen, dass sie wirklich den Anschluss verlieren. Bestes Beispiel hierfür ist für Pallenberg Japan Display, ein Zusammenschluss von Sony, Toshiba und Hitachi unter Aufsicht der Innovation Network Corporation of Japan: Es war die Konkurrenz von LG und Samsung, welche die führenden Display-Hersteller Japans in diese Kooperation gedrängt hätte, was definitiv als Mut zum Aufbruch und zur Veränderung anzusehen sei.
Warum die Aufholjagd schwierig wird
Dennoch: Grundsätzlich gibt es in Pallenbergs Augen wenig Anlass zur Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung. Ein Blick auf die jüngst publizierten Quartalszahlen bestätigt diesen Eindruck: Von den grossen Milliardenkonzernen schreibt im Moment nur Panasonic wieder schwarze Zahlen. Insgesamt wird die Schere im Vergleich zu China, Korea und Taiwan grösser.
Diese sind laut Sascha Pallenberg «hungriger und innovationsfreudiger». Noch viel wichtiger sei, «dass sie sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen». Darum bezweifelt der Deutsche, dass Japan den Rückstand in den nächsten Jahren aufholen könne.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.08.2012, 10:46 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
15 Kommentare
Es ist nicht nur fehlende Innovation, vor allem Sony glänzt mit einer veritablen Abwehrschlacht gegen Kunden: Rootkits auf CD's, AGB - Änderungen bei der PS3, Kreditkartendaten offen im System abgelegt, auf Kundenanfragen reagiert man weder per Mail noch per Telefon, Einführung des bezahlten Online-Gamings über die Hintertür, aber ohne die Stabilität der Konkurrenz. Antworten
Digital
Genusswelt
Verschiedenste Weine, ausgewählte Zigarren und diverse Spirituosen, besuchen Sie dieGenusswelt!


Bitte warten























