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Die Techniktrends 2010
Der Joojoo im A4-Format und Farbbildschirm kann schon bestellt werden.
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Nichts weniger als «das spannendste Jahr seit langem» und «eine Revolution an der Front der mobilen Geräte» erwarten manche für 2010. Ausgelöst werden soll die sagenhafte Entwicklung durch die neue Klasse tablettartiger Geräte. Kleiner und leichter als ein Notebook oder Laptop, aber grösser und leistungsfähiger als ein Mobiltelefon, das sind die äusseren Merkmale. Die Tablets sind aber nicht einfach Personalcomputer in neuem Gehäuse, sondern zielen auf die Leseratten des Internetzeitalters und auf Informationsjunkies, die ohne konstante Updates aus dem Web nicht sein können.
Erste Vertreter dieser neuen Gattung, darunter der Amazon-Kindle für digitale Bücher, gibt es bereits. Als Nächstes wird ein Gerät für das digitale Äquivalent der Zeitung und der Zeitschrift erwartet. Anwärter dafür ist unter anderem der Joojoo, der ursprünglich Crunchpad hiess und bereits vorbestellt werden kann (www.thejoojoo.com). Er hat einen farbigen Bildschirm in A4-Grösse. Hält man das Gerät hochkant, soll man komfortabel Onlinezeitungen und Blogs lesen können, für Videos dreht man es in die Seitenlage. Eine Tastatur gibt es nicht, geblättert und gescrollt wird mittels Berührungen am Bildschirm. Natürlich verfügen diese Tablets per Mobilfunk-Datennetz über eine ständige Verbindung mit dem Internet und damit auch zu Blogs, Onlinezeitungen, elektronischen Bücherläden und Videoplattformen wie Youtube.
Gelingt Apple (AAPL 562.29 -0.54%) der grosse Wurf?
Kindle, Joojoo & Co. unterscheiden sich deutlich von jenen Tablet-PCs, mit denen Microsoft Ende 2002 den Markt der Mobilcomputer umkrempeln wollte. Diese hatten zwar Notizblockformat, doch dazu ausklappbare Tastaturen und einen Stift sowie Handschriftenerkennung. Das machte diese Geräte nicht nur zu schwer, sondern auch zu teuer, zu klobig und unpraktisch.
Die neuen Tablets hingegen erheben keinen Anspruch mehr, Universal-PCs in neuer Bauform zu sein. Vielmehr sind sie reine Lese- und Surf-Terminals ohne Tastatur und Stift, dafür mit «organischer» Interaktion per Multitouch. Auch Windows 7 unterstützt von Haus aus die Steuerung per Finger am Bildschirm und ist somit für die neuen Tablets gerüstet. Es dürfte 2010 vermehrt in entsprechenden Geräten auftauchen.
Ob 2010 wirklich das Jahr der Tablets wird, hängt nicht zuletzt von Apple ab respektive davon, ob sich die Gerüchte um den sogenannten iPad bewahrheiten. Konkretes ist nicht bekannt, aber der iPad wird als Lesegerät für elektronische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften gehandelt. Ganz in Apple-Manier soll er an den iTunes Store gekoppelt sein, aus dem man den Lesestoff beziehen würde.
Enthusiasten billigen Apple gute Chancen zu, den Printmarkt so aufzumischen, wie der iPod das mit dem Musikmarkt getan hat. Apple will, so die Spekulationen, die Verleger ins Boot holen und ihnen die digitale Veröffentlichung ihrer Werke zu besseren Konditionen ermöglichen, als das bislang der Fall ist. Amazon ( 212.89 -1.09%) mit dem bis dato erfolgreichsten Gerät bietet für den Kindle nur selbst verlegte E-Books an. Von Apple erhofft man sich hingegen eine Plattform für digitale Publikationen, auf der grosse Verleger genauso wie Kleinstverlage ihre Werke ins globale Schaufenster stellen. Lässt sich dank des iPad mit digitalen Inhalten im Internet endlich Geld verdienen? Mit dem iTunes Store und dem App Store hat Apple jedenfalls schon mehrmals vorgeführt, wie man eine entsprechende Infrastruktur aufbaut.
Gegen einen durchschlagenden Erfolg eines möglichen iPads spricht im Moment der hohe Stromverbrauch eines Geräts mit Farbbildschirm sowie der hohe Preis. Der Joojoo beispielsweise sollte ursprünglich unter 300 Dollar kosten, doch sein Verkaufspreis beträgt heute bei einer Vorbestellung nicht weniger als 499 Dollar, plus 30 Dollar für einen Leseständer.
Kommt die Welle?
Ein ganz anderes, vielversprechendes Projekt, das in diesem Jahr gestartet ist, sich aber erst noch bewähren muss, ist Google (GOOG 591.53 -2.01%) Wave. Diese Kommunikationsplattform wird oft als Nachfolger oder Ersatz von E-Mail gehandelt. Im Grunde genommen ist Wave (dt. Welle) aber eine Kombination aus Mail, Chat, Kollaboration und Wiki. Die Kommunikation erfolgt in Waves. Darunter kann man sich einen einzelnen Kommunikationsstrang vorstellen. Jede Wave kann als Konversation zu einem bestimmten Thema zwischen mehreren Teilnehmern verstanden werden.
Anders als eine E-Mail-Konversation, die aus der (ziemlich schnell verwirrenden) Gesamtzahl an hin- und hergeschickten Nachrichten besteht, läuft eine Wave-Konversation zu einem Thema konstant in ein- und derselben Wave ab. Sämtliche Teilnehmer sehen den gleichen Ablauf – ein Vorteil gegenüber E-Mail, wo sich die Diskussionen durch Weiterleiten und Antworten in alle Richtungen verfranst.
Wave ist auch für «Collaboration» gerüstet, also für die gemeinsame Arbeit an Dokumenten. Der Dienst protokolliert Änderungen und spielt über die «Playback»-Funktion die Entstehungsgeschichte ab. Ausserdem ist Kommunikation in Echtzeit möglich: Man sieht «live», wenn ein anderer Teilnehmer Text eingibt, und es ist sogar möglich, die Eingabe sofort maschinell in eine andere Sprache zu übersetzen. Noch ist offen, ob sich Googles technoider Ansatz auf breiter Front durchzusetzen vermag. Wenn das nicht relativ schnell geschieht, dürfte die Welle verebben. Ein Kommunikationsmittel wird nur benutzt, wenn man seine wichtigen Gesprächspartner erreicht.
Zeig mir die Welt
Wer wüsste nicht gerne mehr über seine direkte Umwelt, vor allem auf Reisen. Vor was für einem Gebäude stehe ich? Wer hat die Skulptur auf diesem Platz geschaffen? Wie heisst dieser See? Auf diese Fragen gibt es in der Regel längst Antworten, doch neuste Technologie lässt uns diese noch einfacher finden: Bloss das Kamerahandy draufhalten, und schon werden automatisch Informationen aus dem Internet abgerufen.
Das nennt sich «Total Information Awareness» und funktioniert im Ansatz heute schon (etwa mit Wikitude auf dem iPhone oder mit Google Goggles auf Android), die Konzepte dafür existieren seit über zehn Jahren. Im kommenden Jahr dürfte die Anwendung erstmals eine breite Masse erreichen.
Nicht nur im Tourismus könnten sich diese Dienste als nützlich erweisen, auch Produkte im Laden (Bücher, Weinflaschen oder Markenlogos) würden erkannt und zusätzliche Informationen dazu auf einen Klick abrufbar. Kunstwerke im Museum ebenso. Visitenkarten muss man nie mehr einscannen: Mit der Smartphone-Kamera ablichten reicht, der Rest läuft automatisch.
Sowohl grosse Softwarehäuser (darunter Google) als auch Handyhersteller (unter anderem Nokia) arbeiten bereits am nächsten Schritt, der Antwort auf die Frage: Wer sitzt mir da gegenüber? Wer geht da auf der anderen Seite der Strasse? Mittels einer Mischung aus Gesichtserkennung und dem Wissen um den Aufenthaltsort des Handys jener Person wäre es technisch möglich, die Identität des jeweiligen Gegenübers herauszufinden.
Damit wäre unbestreitbar die Grenze zwischen dem Machbaren und dem Unzumutbaren überschritten. Google verzichtet gemäss eigenen Angaben vorerst darauf, diese Funktion einzuschalten, aus Bedenken über der Folgen für die Privatsphäre. Die aktuelle Diskussion um Google Street View könnte dereinst im Rückblick also geradezu harmlos erscheinen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.12.2009, 10:59 Uhr
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